Rezension – Das Leben ist zu kurz für irgendwann

Iris und Terry sind Freundinnen. Terry, verheiratete Hausfrau mit zwei erwachsenen Kindern, ist sich nicht sicher, wie es dazu kam. Iris ist single, kinderlos und in Terrys Augen eine der abenteuerlichsten Menschen überhaupt. Iris hat außerdem MS. Sie will sich davon nicht ihr Leben bestimmen. Als sie merkt, dass sie nicht mehr lange Kontrolle darüber haben wird, beschließt sie, in die Schweiz zu reisen und dort Sterbehilfe wahrzunehmen. Das will Terry nicht geschehen lassen. Und so findet sie sich überraschend zusammen mit ihrem Vater, der Alzheimer hat, und Iris in einem Auto auf dem Weg von Irland in die Schweiz wieder. Es werden die aufregendsten und erkenntnisreichsten sechs Tage ihres Lebens.

Vielen Dank an den Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Von Ciara Geraghty hatte ich bisher noch kein Buch gelesen, dennoch hatte ich einige Erwartungen an dieses. Wir haben vermutlich alle schon ein Buch gelesen, in dem die unheilbare Krankheit eines lieben Menschen und/oder Sterbehilfe eine Rolle spielen. Ich halte es für unglaublich wichtig, dass es diese Bücher gibt und bin der Meinung, dass ärztliche Sterbehilfe in Deutschland legalisiert werden sollte.

Gerade deswegen war ich sehr gespannt, wie Ciara Geraghty das Thema in ihrem Buch umsetzt und hatte zugegebenermaßen auch entsprechend hohe Erwartungen. Enttäuscht wurde ich von dem Buch nicht, auch wenn, oder vielleicht gerade weil, Sterbehilfe und selbst Iris‘ Multiple Sklerose eine überraschend untergeordnete Rolle spielen. Von Krankheiten, die im Buch erwähnt werden, bekommt man noch den größten Einblick in den Alzheimer von Terrys Vater.

Der einzige Minuspunkt ist in meinen Augen, dass es immer mal wieder Absätze im Buch gibt, in denen herzlich wenig passiert und Geraghty vor sich hin schwafelt. Das ist etwas, das mir in Büchern generell nicht gefällt und so ist es hier nicht anders. Bei ein paar Szenen dachte ich mir, dass diese im echten Leben nicht passieren würden, aber sie haben sich dennoch gut in das Buch eingefügt.

Richtig gut gefallen hat mir das Ende. Es ist kein Happy End im klassischen Sinne, angesichts des Themas wäre das nur schwerlich möglich. Aber ich fand es sehr realistisch, als Einblick in das Leben von Menschen, die eine geliebte Person verloren haben und wie sie mit ihrer Trauer umgehen. Insbesondere was Terrys Leben angeht, war ich positiv überrascht, will hier aber nicht spoilern.

Letztendlich ist Iris‘ Beschluss, in die Schweiz zu fahren, zwar der Aufhänger dieser Geschichte, aber hauptsächlich geht es doch um Terry. Aus ihrer Sicht ist die Geschichte erzählt und so kann man miterleben, wie sie sich mit ihren Lebensentscheidungen auseinandersetzt, feststellt, dass sie mehr tun und stemmen kann, als sie dachte, und damit zunehmend selbstbewusst wird.

Ein schönes Buch, das weniger kitschig als erwartet war, und sich nicht nur mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzt. Wenn ihr die Geschichte einer Frau lesen wollt, die noch in der Mitte ihres Lebens feststellt, dass sie zu deutlich mehr in der Lage ist, als gedacht, ist Das Leben ist zu kurz für irgendwann genau richtig. Wenn ihr euch eingehend mit Sterbehilfe in einer fiktionalen Geschichte auseinandersetzen wollt, dann solltet ihr nicht unbedingt zu diesem Buch greifen.

Bewertung: 4 von 5.

Weitere Meinungen zum Buch:
Claudis Gedankenwelt (4/5 Bücherstapel; „Ein bewegender Roman, der mir viel zum Nachdenken gegeben hat.“)
Rezensionen mit Herz (3/5 Herzen; „Eine schöne Geschichte, aber mir fehlten die Emotionen.“)
Kerstins Bücherreich (4,5/5 Katzen; „Ein Roman, [… der] tiefe Emotionen weckt, zum Nachdenken anregt und trotz des schweren Themas eine gewisse Leichtigkeit versprüht“)

Über Ciara Geraghty:
Geraghty wurde in Dublin geboren und wuchs dort auf. Im Alter von 34 nahm sie an einem Abendkurs für Kreatives Schreiben teil. Ihr erstes Buch erschien 2008, seitdem hat sie noch einige Bücher geschrieben. Das Leben ist zu kurz für irgendwann ist ihr neuestes.
Geraghty ist verheiratet, hat drei Kinder und einen Hund.
Quelle: Website von Ciara Geraghty

WERBUNG

Originaltitel: The Rules of the Road | Sibylle Schmidt
Hardcover: ISBN 978-3-442-31555-0 | 20,00 €
eBook: ISBN 978-3-641-25291-5 | 15,99 €
erschienen 2020 | 384 Seiten

Verlagswebseite zum Buch

Ciara Geraghtys Website


Bildquellen
Cover: Penguin
Autorin: Website von Ciara Geraghty

Rezension – Lange Schatten über der Côte d’Azur

Auf dem jüdischen Teil des Le Grand Jas, Cannes‘ Friedhof, wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Kommissar Duval wird mit der Aufklärung des Verbrechens beauftragt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Opfer um einen Juden handelt. Dieser hatte sich kurz vor seinem Tod mit seiner Familiengeschichte beschäftigt und war dabei auch mit Mitgliedern einer der bekanntesten Familien Cannes‘ aneinandergeraten. Duval muss die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass eine Geschichte, die während der Nazi-Zeit begann, in der Gegenwart nachwirkt.

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Rezension – Das Patriarchat der Dinge

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In Das Patriarchat der Dinge öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen es für Frauen hat. […]
Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte leicht zu bedienen? Für wen ist das Internet? Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.
Quelle: DuMont-Verlag

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Rezension – I’ll Be Gone in the Dark

Zwischen 1976 und ’86 wurde Kalifornien von einer Vergewaltigungs- und Mordserie erschüttert. Zunächst wurde der Täter unter verschiedenen Namen bekannt, bis dank Fortschritten in der DNA-Analyse festgestellt werden konnte, dass es sich um ein und denselben Mann handelte. Michelle McNamara nannte ihn den Golden State Killer und unter diesem Namen und auch dank dieses Buches erhielten die unaufgeklärten Fälle einiges an Aufmerksamkeit. McNamara starb 2016, bevor sie das Buch fertigstellen konnte (das übernahmen zwei Freunde) und zwei Jahre, bevor der Golden State Killer (GSK) gefasst wurde.

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Rezension – Cold Case: Das gezeichnete Opfer

Im Süden Schwedens wird eine Künstlerin kurz vor Eröffnung einer neuen Ausstellung ermordet aufgefunden. An ihr finden sich Spuren eines besonderen Lehms, der 15 Jahre zuvor auch an der Leiche des ermordeten Pianisten Max Lund gefunden worden waren.
Die Cold Case-Einheit der Polizei in Malmö und deren Leiterin Tess Hjalmarsson nehmen sich den 15 Jahre alten Fall noch einmal vor. Können sie weitere Opfer verhindern?

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Rezension – Miss Bensons Reise

Margery Benson ist Lehrerin an einer Mädchenschule. Doch an einem schicksalhaften Tag beendet sie ihre Zeit dort auf recht dramatische Weise und erinnert sich an ihren Traum, den goldenen Käfer in Neukaledonien zu finden. Und so packt sie ihre Sachen und reist kurz darauf zusammen mit der jungen Enid Pretty ans andere Ende der Welt. Sie ist nicht die perfekte Reisebegleitung in Margerys Augen: eine plapperhafte Sexbombe, die keine der erwarteten Kriterien erfüllt. Noch dazu hat Enid ein Geheimnis, das die Frauen noch tausende Kilometer von London entfernt einholen könnte.

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Buchiger Rundumschlag V – #frühjahrsputzbingo

Hallo ihr Lieben,

vor kurzem hatte ich einen Beitrag geschrieben, welche Bücher ich für das #frühjahrsputzbingo lesen möchte. Mittlerweile ist der Februar fast vorüber und ich habe tatsächlich alle neun Bücher gelesen!

Im Folgenden möchte ich euch einen Überblick geben, wie mir die Bücher gefallen haben.

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Rezension – Das Buch Alice

In Wien ist Alice Urbach eine bekannte und angesehene Köchin, die große Erfolge mit ihrem Kochbuch feiert. Doch mit der Ankunft der Nationalsozialisten in Wien, verliert sie ihre Karriere und sieht sich schließlich gezwungen, ihren Söhnen ins Exil zu folgen. Sie leitet ein Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen in Großbritannien und geht nach dem Krieg in die USA. Dort baut sie sich erneut eine Karriere als Köchin auf. Bei einer Reise nach Wien findet sie ihr Kochbuch in einer Buchhandlung. Aber als Verfasser steht ein anderer Name auf dem Buchdeckel.

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Rezension – Kim Jiyoung, geboren 1982

Kim Jiyoung, eine Frau in ihren Dreißigern, lebt mit ihrem Mann in Seoul, Korea. Vor kurzem hat sie ihren Job aufgegeben, um sich um das gemeinsame Kind zu kümmern. Doch dann beginnt sie, mit den Stimmen der Frauen aus ihrem Umfeld zu sprechen. Ihr Psychiater, der dieses Buch erzählt, sucht nach der Ursache dafür. Er erzählt Jiyoungs Leben: die ständige Enttäuschung darüber, dass Männer Frauen vorgezogen werden, in allen Bereichen des Lebens; der Stress, sich jederzeit auf Belästigungen von Seiten der Männer einstellen zu müssen; Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung, über die keiner offen redet und schlussendlich ihre Niedergeschlagenheit über den Verlust ihres Jobs.

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Rezension – Mord beim Diamantendinner

London 1920: Der Prinz gibt eine Party im Buckingham Palace, bei der ein Angestellter des Palastes niedergeschlagen und eine kostbare Krone gestohlen wird. Um schlechte Publicity zu vermeiden, wird nicht Scotland Yard, sondern die Privatdetektivin Jackie Dupont, spezialisiert auf Juwelenraube, engagiert.
Bei einem Wochenende in einem Waldschlösschen, zu dem alle Verdächtigen eingeladen wurden, will sie dem Dieb auf die Spur kommen. Doch dann stirbt einer der Verdächtigen – und bald steckt auch Jackie Dupont selbst in Gefahr.

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