Rezension – Ein Dorf im Dritten Reich

Wie verändert eine extreme Ideologie das Denken, Handeln und Zusammenleben von Menschen? Ein Dorf im Dritten Reich erzählt anhand wahrer Geschichten, wie der Nationalsozialismus in den Alltag des friedlichen Ortes Oberstdorf in Bayern eindrang und das Leben seiner Bewohner veränderte. Die Schicksale einzelner Menschen zeugen von Anpassung und Widerstand, gesellschaftlichem Druck und Mut und machen Geschichte unmittelbar erfahrbar. So entsteht ein fesselndes historisches Sachbuch über eine Vergangenheit, die Fragen aufwirft, die uns bis heute beschäftigen.
Quelle: hogrefe

Vielen Dank an den hogrefe-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Was mich zuerst zu diesem Buch gezogen hat, war das Cover. Das gefällt mir so gut und es passt auch perfekt zum Buch. Unbedingt lesen wollte ich es aber, weil es wohl kaum aktueller sein könnte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und den Entwicklungen in den USA. Die Frage – wie gingen „ganz normale“ Menschen mit den veränderten politischen Verhältnissen unter den Nazis um und wie wirkten sich diese auf ihren Alltag aus – ist gerade im Hinblick darauf sehr aktuell. Denn ich frage mich das häufig in Bezug auf die USA: wie kann man angesichts der repressiven, misogynen, queerfeindlichen, behindertenfeindlichen, … Politik ein „ganz normales“ Leben führen? Und ich blicke mit Sorge auf meine Freund*innen in Sachsen-Anhalt und frage mich, wie sich deren Alltag ändern wird, wenn dort ein AfDler Ministerpräsident wird.

Boyd und Patel haben sich einige Obersdorfter Bewohner*innen herausgesucht und erzählen anhand ihrer Leben, wie dieses Dorf im Allgäu das Nazi-Regime und den Zweiten Welktrieg erlebte. Für mich war letztlich besonders erschreckend, für wie viele Menschen sich sehr lange tatsächlich nichts änderte.
Da Oberstdorf bereits vor 1933 ein beliebter Ferienort war, hatte es unterschiedlichste Menschen aus ganz Deutschland – teils auch darüber hinaus – angezogen. So lebten bereits einige Jahre jüdische Menschen im Dorf, als die Nazis an die Macht kamen. Und es wird im ganzen Buch deutlich, dass diese sich bereits ab 1933 um ihre Sicherheit sorgten. Zumindest eine Familie aus Oberstdorf verlässt bereits früh Deutschland und wandert in die USA aus.
Diese einmal ausgenommen, lebten die meisten christlichen, weißen und nicht-behinderten Menschen in Oberstdorf lange, noch bis zu Beginn der 1940er, so, als wäre nichts passiert.

So zeigt dieses Buch einerseits etwas, das wohl vielen schon klar ist: sehr viele Menschen zogen sich immer mehr zurück, äußerten ihre Meinung nicht mehr und versuchten so, dieses Regime zu überleben. Aber es zeigt auch wieder, was mir aus vielen Berichten Überlebender bekannt vorkam: für die von Nazis Verfolgten konnte ein anständiger Mensch, jemand der im entscheidenden Moment Mitgefühl und Menschlichkeit zeigte, den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Auch solche Menschen, teilweise überzeugte Nazis, teilweise Regimegegner, hielten sich in Oberstdorf auf und werden in diesem Buch vorgestellt.

Vor allem das nahm ich für mich mit: auch wer in einem unmenschlichen System lebt, muss – gerade wenn man nicht direkt von den Repressalien betroffen ist – die eigene Menschlichkeit bewahren und Mitmenschen mit Empathie, Freundlichkeit und Fürsorge begegnen. Wenn das Menschen unter den Nazis möglich war, ist es erst recht in einem demokratischen Staat möglich. Und wer in sich verändernden Staaten und Ländern lebt, kann dadurch für eine andere Person vielleicht einen Unterschied machen. Für mich war das ein Hoffnungsschimmer.

Bewertung: 4 von 5.

Über Julia Boyd und Angelika Patel:
Julia Boyd wurde 1948 geboren und war bis zu dessen Tod mit einem britischen Diplomaten verheiratet. Sie ist Autorin mehrerer Sachbücher. Heute lebt sie in London.
Angelika Patel stammt aus einer alteingesessenen Oberstdorfer Familie. Sie studierte Geschichte und Deutsche Literatur und schrieb Teil der Oberstdorfer Dorfchronik über die Jahre 1918-1952. Daraus entstand die Idee, mit Julia Boyd ein Buch über das Dorf während des Dritten Reiches zu schreiben. Patel teilt ihre Zeit zwischen London und Oberstdorf auf.
Quellen: Wikipedia, Simon & Schuster, Angaben im Buch

WERBUNG

Originaltitel: A Village in the Third Reich | Übersetzerin: Ursula Kömen
Softcover: ISBN 978-3-80173-401-5 | 29,95 €
eBook: ISBN 978-3-84093-401-8 | 26,99 €
337 Seiten | erschienen 2026

Verlagswebseite zum Buch


Bildquelle Cover: hogrefe

Die Montagsfrage #122

Guten Morgen ihr Lieben,

in der vergangenen Woche habe ich die Montagsfrage, die Sophia von Wordworld jede Woche stellt, nicht beantwortet, da ich dienstags eine wichtige Prüfung hatte und mich in den Tagen davor nicht mit dem Blog befasste. Die Prüfung lief gut und seitdem bin ich Volljuristin! Das ist noch ganz unglaublich – dass ich jetzt nicht mehr auf Prüfungen lernen muss, nicht ständig daran denken muss und acht Jahre Studium und Referendariat wirklich vorbei sind.

Jetzt bin ich nicht nur im Erholungsmodus, sondern freue mich auch, zukünftig wieder mehr Zeit für den Blog zu haben. Los geht die neue Woche daher auch wieder mit der Montagsfrage:

Welches Buch hat Eure Sicht auf ein Thema verändert?

Puh, ein einzelnes Buch ist da schon sehr schwierig zu benennen. Gerade bei meinen feministischen Büchern ist es häufig ein Zusammenspiel mehrerer Bücher, die ineinandergreifen und dadurch meinen Blick änder(te)n. Aber ein Buch das im Alleingang meinen Blick auf ein Thema veränderte, war Gefährlicher Glaube von Pia Lamberty und Katharina Nocun. Während ich Esoterik zuvor als für mich zwar wenig nachvollziehbar aber unproblematisch betrachtete, wird darin deutlich, wie häufig Esoterik der Weg in Verschwörungsmythen ebnet. Sehr informativ und ja – blickverändernd! Ich will gar nicht zu viel verraten, ich kann euch aber sehr empfehlen, dieses Buch mal zu lesen.


Bildquelle Beitragsbild: Wordworld

Mein SuB kommt zu Wort 10/2026

Die Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“ findet immer am 20. des Monats statt. Es gibt drei Fragen an den SuB, die jeden Monat gleich sind und eine vierte Frage, die sich jeden Monat ändert. Bei dieser letzten Frage gilt, dass von den vorgestellten Büchern eines bis zum nächsten Monat zu lesen ist, wobei es folgende Regeln gibt:

  1. Es sollten maximal 3 Bücher pro Frage 4 vorgestellt werden. Wer möchte, kann von den anderen Teilnehmer*innen abstimmen lassen, welches der Bücher bis zum nächsten Monat gelesen werden soll.
  2. Es kann auch nur ein Buch vorgestellt werden, welches dann auch das Buch ist, welches bis zum nächsten 20. gelesen wird.
  3. Wer für die Aufgabe keine passenden SuB-Bücher hat, kann alternativ ein Buch einer Reihe vorstellen, welche er gerne fortführen möchte.

Anna von Annas Bücherstapel hat die Aktion 2016 ins Leben gerufen; Melli von Mellis Buchleben und Vanessa von Vanessas Literaturblog haben sie 2021 übernommen. Seit Mai 2025 wird sie allein von Melli gehostet.

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Rezension – Die Austernfischerin

Lydia ist Studentin und verbringt den Sommer mit ihrem Freund Hendrick bei dessen Mutter Elna an der dänischen Nordseeküste. Nachdem Hendrick erfährt, dass er für eine Prüfung lernen muss, verbringen Lydia und Elna viel Zeit miteinander. Lydia hilft bei der Austern-Ernte und nähert sich dabei der älteren Frau immer mehr an. So entsteht eine zarte Zuneigung zu Elna, die auf andere abweisend wirkt. Zugleich wird die Beziehung zu Hendrick immer distanzierter.

„Rezension – Die Austernfischerin“ weiterlesen →

Die Montagsfrage #121

Guten Morgen ihr Lieben,

nachdem ich letzte Woche versehentlich die falsche Montagsfrage von Sophia von Wordworld beantwortet habe, kommt heute diese noch einmal 🙂

Gibt es ein Buch, das Ihr wegen des Settings und nicht wegen der Handlung empfehlen würdet?

Spontan fällt mir kein Buch ein, das ich NUR wegen des Settings empfehlen würde. Aber es gibt Bücher, deren Setting definitiv beeinflusste, wie gut mir das Buch gefiel.
Dazu zählt Can’t Spell Treason Without Tea von Rebecca Thorne (die deutsche Ausgabe hat den gleichen Titel). Das Dorf und der gemütliche Buchladen mit Café, in dem dieses Buch zum größten Teil spielt … cosy vibes ohne Ende, habe ich sehr geliebt.
Träume aus Salz und Nachts erzähle ich dir alles von Anika Landsteiner sind Bücher, die sich harten Themen annehmen und klasse geschrieben sind. Aber sie spielen auch jeweils an wunderschönen Orten – das erste in Griechenland, das zweite in Frankreich – und das trug für mich dazu bei, das ich sie sehr liebte.
Generell haben Bücher, die am Meer spielen, immer einen Pluspunkt für ihr Setting bei mir. Ich liebe das Meer und bin doch viel zu selten da – Süddeutschland hat in alle Richtungen einfach zu viel Abstand von Meeren 😀


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Die Montagsfrage #120

Hallo ihr Lieben,

Sophia von Wordworld hat in dieser Woche spontan die Montagsfrage geändert, was mir leider heute erst aufgefallen ist. Daher gibt es eine Montagsfrage am Donnerstag:

Was erwartet Ihr eigentlich von einer Buchmesse – Bücher, Begegnungen oder Entertainment?

Dieses Jahr habe ich es leider wieder nicht zu einer Buchmesse geschafft, für nächstes Jahr habe ich mir aber fest vorgenommen, wenigstens eine der beiden großen, also Leipzig oder Frankfurt, zu besuchen. Ich erwarte zum einen, viele Bücher zu entdecken, die ich zuvor nicht auf dem Schirm hatte. Das ist für mich ein ganz großer Bestandteil der Messe und ich muss sagen, dass die insofern auch einfach ein riesengroßer Buchladen für mich ist. Bei der Leipziger Buchmesse 2024 habe ich es sehr genossen, mich durch die Hallen treiben zu lassen, wirklich überall mal vorbeizuschlendern und neben mir unbekannten Büchern auch neue Verlage und Autor*innen zu entdecken.

Aber als jemand, die nunmal vorrangig Leserin ist und insbesondere beruflich in einem ganz anderen Bereich arbeitet, ist für mich auch immer spannend, Vorträgen von Menschen zu lauschen, die beruflich mit Büchern arbeiten oder ein Buch veröffentlicht haben. Das sind für mich interessante Einblicke, die ich bei einer Messe nicht missen möchte. Ich weiß nicht, ob darauf der Begriff Entertainment tatsächlich passt, aber die Vorträge und Angebote abseits des reinen Buchkaufs sind für mich ein großer Anreiz, Buchmessen zu besuchen. Letztlich zählen für mich dazu auch die Begegnungen mit Autor*innen, anderen Leser*innen, Übersetzer*innen. Verleger*innen, …


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Die Montagsfrage #119

Hallo ihr Lieben,

hinter mir liegt eine Woche Urlaub mit Freund*innen, den ich sehr genossen habe. Zudem habe ich endlich, endlich, endlich erfahren, dass ich die Klausuren des zweiten juristischen Staatsexamens bestanden habe. Jetzt ist noch einmal Endspurt im Lernen für die mündliche Prüfung angesagt, aber ich freue mich schon sehr auf das Ende dieser langen Ausbildungszeit 😀 Nicht missen möchte ich jedoch die Montagsfrage von Sophia von Wordworld:

Habt Ihr schon einmal ein Buch weggeworfen?

Ich habe schon Bücher weggeworfen. Eine Zeit lang, war ich eine Art Antiquariat für alle im privaten Umfeld, die Bücher aussortiert hatten. Ich habe sehr viele Bücher angenommen, von denen ich dachte, dass ich sie ja vielleicht irgendwann gerne lesen würde. Aber als bei mir dann ein Umzug anstand und ich jedes dieser Bücher einmal in die Hand genommen hatte, fiel mir auf, dass ich viele dieser Bücher nicht wirklich lesen wollte, dass sich auch meine Interessen verändert haben. Ich habe versucht, Bücher weiterzugeben, habe viele z. B. in öffentliche Bücherschränke gestellt. Aber es waren auch einige dabei, die einfach in keinem guten Zustand oder sehr veraltet waren und die habe ich dann auch weggeworfen.


Bildquelle Beitragsbild: Wordworld

Mein SuB kommt zu Wort 09/2026

Die Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“ findet immer am 20. des Monats statt. Es gibt drei Fragen an den SuB, die jeden Monat gleich sind und eine vierte Frage, die sich jeden Monat ändert. Bei dieser letzten Frage gilt, dass von den vorgestellten Büchern eines bis zum nächsten Monat zu lesen ist, wobei es folgende Regeln gibt:

  1. Es sollten maximal 3 Bücher pro Frage 4 vorgestellt werden. Wer möchte, kann von den anderen Teilnehmer*innen abstimmen lassen, welches der Bücher bis zum nächsten Monat gelesen werden soll.
  2. Es kann auch nur ein Buch vorgestellt werden, welches dann auch das Buch ist, welches bis zum nächsten 20. gelesen wird.
  3. Wer für die Aufgabe keine passenden SuB-Bücher hat, kann alternativ ein Buch einer Reihe vorstellen, welche er gerne fortführen möchte.

Anna von Annas Bücherstapel hat die Aktion 2016 ins Leben gerufen; Melli von Mellis Buchleben und Vanessa von Vanessas Literaturblog haben sie 2021 übernommen. Seit Mai 2025 wird sie allein von Melli gehostet.

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Die Montagsfrage #118

Hallo ihr Lieben,

von den Ergebnissen der Wahl in Sachsen-Anhalt habe ich mich ein wenig erholt (wenn ich genauer darüber nachdenke, explodiert mir aber immer noch der Schädel). Auf mich kommt eine aus ganz anderen Gründen spannende Woche zu – vorher gibt es aber wieder eine Montagsfrage von Sophia von Wordworld:

Welche Bücher möchtet Ihr im Herbst unbedingt lesen?

Eine Jahreszeiten-Leserin bin ich ja nicht wirklich. Daher sind die Bücher, die ich jetzt im Herbst unbedingt lesen möchte auch aus anderen Gründen ausgewählt.
Zum einen habe ich einige Rezensionsexemplare hier, die natürlich zeitnah gelesen werden sollten. Dazu zählt Inter alia von Suzie Miller, auf das ich sehr gespannt bin. Denn dieses Thema, was, wenn Vorwürfe schlimmster Verbrechen gegen geliebte Menschen erhoben werden, könnte kaum aktueller sein und das dann noch aus Sicht einer Juristin – hört sich wie für mich geschrieben an.
Daneben gibt es aber ein paar Bücher, die keine Rezensionsexemplare sind und auf die ich mich auch schon sehr freue. So habe ich mir vor kurzem The Lesbiana’s Guide to Catholic School von Sonora Reyes besorgt. Das stand schon sehr lange auf der Wunschliste und ich kann es kaum erwarten 🙂


Bildquelle Beitragsbild: Wordworld

Rezension – Die Legenden von Leij

Der als Schwarze Reiter bekannte Krieger hat keine Vergangenheit und keinen Namen. Als ihn sein Weg nach Leij führt, einer Stadt, die seit zwei Jahrtausenden in Frieden lebt, scheint er den einen die Erfüllung einer Prophezeiung und den anderen als Unglücksbringer. Nur eine Ratsherrin sieht in als Partner. Kurz darauf stehen die Bürger*innen von Leij einem scheinbar übermächtigen Feind gegenüber, der es sich zum Ziel gemacht hat, die Stadt zu zerstören. Und während der Schwarze Reiter das wehrlose Volk der Stadt um jeden Preis verteidigen will, entbrennt unter den Weisesten der Stadt ein Kampf um Wahrheit, Macht – und die Zukunft der Stadt.

Vielen Dank an Alexander Sandmann für dieses Rezensionsexemplar!

Im Sinne meines Vorsatzes „Mehr Selfpublisher*innen lesen“, habe ich mich riesig gefreut, dass Alexander Sandmann mir ein Rezensionsexemplar seines neuen Romans angeboten hat. Da ich zuletzt vermehrt Fantasy gelesen hatte, war ich gespannt, ob mir auch diese Geschichte gefallen würde. In vielerlei Hinsicht war das definitiv der Fall, es gab aber einen Punkt, der mich lange überlegen ließ, ob mir das Buch nun gefiel oder nicht.

Wie gesagt lese ich in der Regel wenig Fantasy – und wenn doch, dann Romantasy. Insofern habe ich mit Die Legenden von Leij auch ein bisschen etwas Neues ausprobiert. Man wird schnell ins Geschehen geworfen und ich wurde daher auch schnell in den Bann dieses Buches gezogen. An einem Abend hatte ich es daher zunächst kaum aus der Hand legen können.

Dann passierte erstmal wenig und ich musste mich teilweise zwingen, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. In den eher ereignislosen Kapiteln soll wohl vorrangig gezeigt werden, welchen Stellenwert der Pazifismus in der Gesellschaftsordnung der Leij hat und dass der Held dem letztlich diametral entgegensteht. Darauf folgte jedoch ein Plottwist, den ich nicht kommen sah und der auch wieder dazu führte, dass ich das Buch nicht aus der Hand legte, um zu wissen, wie es weitergeht.

Dieser Plottwist – und das Ende, das dem Schwarzen Reiter dennoch vergönnt ist – war letztlich das, weswegen ich mir lange unschlüssig war, wie mir dieses Buch gefiel. Denn durch sein Handeln würde ich den Schwarzen Reiter als morally grey hero einstufen. Und für mich war es das erste Buch, bei dem ich den Protagonisten als solchen wahrnahm. Besonders, wie weit der Schwarze Reiter geht, um Leij zu schützen, ging mir zu weit. Ich gönnte ihm daher das Ende nicht, das ich als eine Art Happy End einstufen würde.

Insgesamt kann man daher wohl vor allem sagen, dass meine Erwartungen an das Buch nicht erfüllt wurden. Sie wurden auf eine Art nicht erfüllt, die für mich ganz neu war und die bei mir dafür sorgten, dass ich lange überlegen musste, ob ich das für mich als dennoch sehr gute Geschichte einstufe. Denn nur weil eine Geschichte sich nicht so entwickelt, wie ich das erwarte, muss diese ja nicht schlecht sein. Für mich blieb aber letztlich dennoch ein Konflikt zwischen den Handlungen des Helden und den Konsequenzen, die er daraus erfährt, der nicht gelöst wurde. Denn das Ende der Geschichte entsprach zu wenig dem, was ich als fair empfinde. Das mag eine naive Weltsicht sein, aber ich möchte in Büchern nicht lesen, wie es Menschen gut ergeht, deren Handeln und Denken ich als schlecht einstufe.

Gerade wenn euch das nicht stört, ist Die Legenden von Leij in meinen Augen ein wirklich fesselnder Roman, den ich euch gerne empfehle. Es gibt spannende Kampfszenen und es wird ein Gesellschaftsbild vermittelt, das ich in vielerlei Hinsicht als sehr positiv einstufen würde. Sehr interessant war daher die Frage, wann wir von solchen Idealen abrücken sollten oder vielleicht sogar müssen, um diese zu erhalten.

Bewertung: 4 von 5.

Über Alexander Sandmann:
Die Legenden von Leij ist Alexander Sandmanns zweite Veröffentlichung und sein erster Roman.
Quelle: Angaben im Buch

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eBook: ASIN B0HCW6VGSN | 4,99 €
327 Seiten | erschienen 2026

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