
Lydia ist Studentin und verbringt den Sommer mit ihrem Freund Hendrick bei dessen Mutter Elna an der dänischen Nordseeküste. Nachdem Hendrick erfährt, dass er für eine Prüfung lernen muss, verbringen Lydia und Elna viel Zeit miteinander. Lydia hilft bei der Austern-Ernte und nähert sich dabei der älteren Frau immer mehr an. So entsteht eine zarte Zuneigung zu Elna, die auf andere abweisend wirkt. Zugleich wird die Beziehung zu Hendrick immer distanzierter.
Vielen Dank an den Kein & Aber-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
Es gab einiges, was mir an diesem Buch sehr gut gefiel. So lernte ich viel über Austern, über die ich zuvor zugegebenermaßen sehr wenig (genauer: nichts) wusste. Indem man Elna und Lydia bei der Austern-Ernte begleitet, erfährt man jedoch einiges über diese Tiere. Ich mochte, dass die Arbeit Elnas nicht romantisiert wurde. So wird im Buch thematisiert, wie sich die Klimakrise auf das Meer, die Austern, generell die Tierwelt am und im Meer auswirkt und folglich auch auf die gesamte Region und die dort lebenden Menschen.
Ich mochte auch, dass Queerness in diesem Buch als vollkommen normal dargestellt wird – wie es ja auch ist und eigentlich immer dargestellt werden sollte. Während nicht wirklich Label benutzt werden, wird doch immer wieder deutlich, dass neben Lydia auch noch andere Charaktere queer sind und nicht nur heterosexuelles Begehren empfinden.
Gar nicht am Buch sondern mancher Meinung, die ich darüber gelesen habe, stört mich, dass die Empfindungen Lydias gegenüber Elna als inzestuös dargestellt werden. Da Inzest, wenn er als okay dargestellt wird, für mich ein großes No Go ist und ich das in Büchern nicht lesen mag, sei hier klagestellt: Elna und Lydia sind nicht miteinander verwandt, auch nicht durch eine Heirat zwischen Lydia und Hendrick. Das im Buch Dargstellte ist daher und kann gar kein Inzest sein. Man kann in meinen Augen durchaus kritisieren, ob Lydia sich bereits im Bereich des Fremdgehens bewegt in der Art, wie sie mit Elna umgeht und dieser näher kommt. Aber Inzest ist das nicht.
Letztlich gab es von mir „nur“ drei Sterne, weil mir Schreibstil und Ende nicht so recht gefielen. Zum Ende lässt sich sagen, dass es sehr abrupt kam und mir zu viele Fragen offen ließ. Der Schreibstil ist einer, bei dem viel zwischen den Zeilen herauszulesen ist. Gefühle werden nicht in Worten wiedergegeben, sondern vorrangig indem Handlungen vorgenommen oder unterlassen werden. Da man der Geschichte aber aus Lydias Sicht folgt, hat es mich häufig geärgert, dass ich auch ihre Gefühle „erraten“ muss. Gerade wenn euch das nicht stört, denke ich aber, dass euch dieses Buch sehr gut gefallen könnte.
Über Celine Edinger:
Edinger wurde 1998 geboren und studierte Kommunikationswissenschaft und Soziologie. Während des Studiums gab sie das Magazin Zeitlichkeiten heraus. Sie arbeitet in München als Kuratorin und Redakteurin im Bereich der Erwachsenenbildung. Die Austernfischerin ist ihr Debütroman.
Quelle: Kein & Aber
WERBUNG
Hardcover: 978-3-0369-5182-9 | 23 €
240 Seiten | erschienen 2026
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Cover: Kein & Aber
Autorin: Kein & Aber




