Rezension – Maskerade

Maskerade
Quelle: Penguin

Maskerade | Terry Pratchett | Corgi Books | erstmals erschienen 1995
Taschenbuch: 384 Seiten | ISBN 978-0-552-16756-7 | £7.99

Die Hexen von Lancre brauchen unbedingt wieder ein drittes Mitglied. Daher machen sich Nanny Ogg und Granny Weatherwax auf den Weg nach Ankh-Morpork, wo Agnes Nitt, die potenzielle dritte Hexe, Opernsängerin ist. Doch an der Oper von Ankh-Morpork geht ein Gespenst um und es sterben Leute. Nicht mit den Hexen von Lancre – diese machen sich auf die Suche nach der Identität des Gespensts.

Der 18. Band der Scheibenwelt-Romane hat mir wieder vor Augen geführt, warum ich diese Reihe und die Welt, in der sie spielt, liebe.
Der letzte Band, den ich gelesen habe, Die volle Wahrheit, konnte mich leider nicht so begeistern wie vorherige Bücher von Pratchett. Nun frage ich mich, ob es möglicherweise an der Übersetzung liegt, denn dieser Band hatte wieder alles, was ich mir erhofft habe.
Die Hexen, die ihre weiche Seite um gar keinen Preis zeigen wollen, sind mir noch immer die liebsten und dementsprechend hat es mir viel Spaß bereitet, über diese zu lesen.
Pratchett hat wieder einige überraschende und gleichzeitig urkomische Wendungen eingebaut, welche dieses Buch spannend machen und mir gleichzeitig oft vor Lachen die Tränen in die Augen getrieben haben. Dabei waren es oft die kleinen Dinge und nicht die großen Wendungen, welche den Unterschied gemacht haben. Wenn Granny Weatherwax beispielsweise zur Pediküre geht, rechnet alle Welt, insbesondere der Leser und die Fußpflegerin, mit „missgestalteten Klumpen“ – zu Vorschein kommen aber perfekt geformte und gepflegte Füße. Terry Pratchett macht daraus unglaublich witzige Szenen.
Hinzu kommt auch hier wieder, dass ein Teil „unserer“ Welt auf die Schippe genommen wird, in diesem Fall die Oper und ganz besonders Das Phantom der Oper. Im Übrigen sind viele der Anspielungen auf diese spezielle Oper auch für Laien verständlich. Ich selbst habe Das Phantom der Oper nie gesehen, aber wenn man eine ungefähre Ahnung von der Handlung hat, reicht das schon.
Mit dem Englisch hatte ich keine Probleme, allerdings muss man in Bericht ziehen, dass ich seit rund einem Jahr in England wohne und dementsprechend schwer einschätzen kann, inwiefern das Englisch für Nicht-Muttersprachler ein Problem ist.

„I hang around in dark places looking for trouble.“
„Really? There is a nasty name for people like that.“
„Yes. […] It’s ‚policeman‘.“
– S. 329

5Sterne

Das E-Book könnt ihr beispielsweise bei buchhandel.de kaufen
Mehr Infos zu dieser Ausgabe bei Penguin Books

Rezension – Als unsere Herzen fliegen lernten

Als unsere Herzen fliegen lernten | Iona Grey | Blanvalet | erschienen 2016
aus dem Amerikanischen: Letters to the Lost | Übersetzerin: Anja Hackländer
Taschenbuch: 608 Seiten | ISBN 978-3-7341-0188-5 | 9.99€
E-Book: 436 Seiten | ISBN 978-3-641-16205-4 | 8.99€
Leseprobe (pdf)

Als Jess vor ihrem gewalttätigen Freund flieht, findet sie sich in einem leerstehenden Haus wieder. Dort entdeckt sie Briefe, die sie in eine Liebesgeschichte ziehen, die vor über einem halben Jahrhundert ihren Anfang nahm.
1943 treffen sich in einer ausgebombten Kirche in London zwei Menschen: der amerikanische Bomberpilot Dan und die junge Engländerin Stella. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebe, die eigentlich unmöglich ist, denn sie ist verheiratet und er hat kaum Chancen, den Krieg zu überleben.

Ich interessiere mich sehr für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, daher konnte ich diesem Buch nicht widerstehen, handelt es doch von einem Aspekt, über den ich bisher wenig wusste: die Amerikaner in England.
Die ersten rund hundert Seiten haben sich ein wenig gezogen. Die Personen wurden eingeführt, man hat über die jeweiligen Lebensumstände erfahren, aber bis die Handlungsstränge zusammengeführt wurden, hat es sich gezogen und war wenig spannend. Doch danach mausert sich die Geschichte richtig.
Ich fand es spannend zu erfahren, wie das Leben für die einfachen Menschen an der „Heimatfront“ aussah. Toll daran war vor allem, dass man nicht mit vielen Erklärungen und langen Beschreibungen erschlagen wurde, sondern es der Autorin gelang, die Atmosphäre der Zeit wiederzugeben. Für die Menschen ist der Krieg ein Stück weit zum Alltag geworden und das spiegelt sich darin wieder, dass kein großes Aufheben um Dinge wie Rationierungen, Lebensmittel aus dem eigenen Garten und Hilfsbereitschaft unter Nachbarn gemacht wird. Die Menschen unterhalten sich darüber, aber letztendlich ist es Alltag. Und als solcher wird er von der Autorin dargestellt.
Gut fand ich auch, dass Iona Grey einige Themen anspricht, ohne dass das Buch dadurch überladen wirkt. Als roter Faden zieht sich natürlich die Liebe zwischen Dan und Stella durch das Buch und somit auch die Anwesenheit der Amerikaner in England. Darüber wird viel berichtet: Tanzlokale und ausgelassen Flirts gehören dazu, ebenso wie die Abneigung mancher Engländer gegenüber den Amerikanern, welche sie als „Besatzung“ ansahen. Daneben werden aber auch andere, „kleinere“ Themen angesprochen. Schwul sein, beispielsweise, das damals unter Strafe stand. Auch erbärmliche Verhältnisse in den sogenannten Nervenheilanstalten. Und, am Aufwühlensten für mich, die Ehe von Stella, die nach der Liebesgeschichte zu Dan am meisten Raum einnimmt. Anhand dieser wird verdeutlich, welch niedrige Stellung die Frau zu der Zeit hatte – obwohl sie damals schon in den Rüstungsfabriken und in vielen weiteren Bereichen arbeiteten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dieser Spruch von Stellas Ehemann: „Was in einem ehelichen Schlafzimmer geschieht ist vollkommen legal und geht niemanden etwas an.“ Das waren damals die traurigen Tatsachen, aber es hat mich beim Lesen dennoch krank gemacht.
Iona Grey ist es bei mir auch meisterlich gelungen, immer wieder die Hoffnung zu wecken, dass Stella und Dan es schaffen. Und als ich das Ende gelesen habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Nachdem ich ein halbes Päckchen Taschentücher verbraucht habe, bin ich am nächsten Morgen aufgewacht, habe an dieses Ende gedacht und bin gleich wieder in Tränen ausgebrochen. Es ist sehr emotional und man möchte nicht, dass es so endet.

Also eine dicke Leseempfehlung von mir – aber haltet unbedingt die Taschenbücher bereit!

„Der Krieg hat uns beide zusammengeführt, aber er wird uns irgendwann trennen.“
– Stella Thorne (S. 196, E-Book)

goldene_SterneKaufen kann man das Buch bei buecher.de oder buchhandel.de


Vielen Dank an das Bloggerportal und Blanvalet für dieses Rezensionsexemplar!

Rezension – Seit ich dich gefunden habe

Quelle: MIRA
Quelle: MIRA

Seit ich dich gefunden habe | Kat French | MIRA Taschenbuch | erschienen 2016
aus dem Englischen: The Piano Man Project | Übersetzerin: Andrea Härtel
Taschenbuch: ISBN 9783956495755 | 9.99€
E-Book: ISBN 9783956495601 | 9.99€
Leseprobe

Als ihr Katerfrühstück verbrennt und dabei den Feueralarm auslöst, lernt Honey ihren neuen Nachbarn Hal kennen. Doch dieser zeigt ihr schnell, dass gutes Aussehen (über welches er verfügt) nicht unbedingt etwas mit guten Manieren zu tun hat, denn von diesen scheint er noch nie gehört zu haben. Dennoch beschließt Honey, mit ihrem mürrischen Nachbarn Freundschaft zu schließen. Als begnadeter Koch kann er ihr, die sie in der Küche komplett untalentiert ist, bestimmt einiges beibringen. Doch dann findet sie heraus, dass er blind ist. Vielleicht braucht doch er Hilfe?

Als ich dieses Cover gesehen habe, habe ich mich verliebt. Und dann habe ich den Klappentext gelesen und konnte wirklich nicht mehr widerstehen. Schon länger wollte ich wieder einmal eine „Liebesgeschichte mit Handicap“ lesen, da in diesen meist ernste Töne mitschwingen und mir das gut gefällt.
Über dieses Buch gibt es viel Gutes zu sagen. Zum einen hat die Autorin einen wirklich wunderbaren Schreibstil. Bemerkenswert fand ich dabei vor allem, dass dieser auch ein Stück weit der jeweiligen Situation angepasst wurde. Er erschien mir leichter und lockerer in lustigen Situationen, beispielsweise wenn Honey mit ihren Freundinnen im Sexshop ist, und wird ruhiger, ernster, sobald sie sich mit eben jenen über Hal unterhält.
Mühelos kann man sich in die Personen einfühlen, mit ihnen leiden und lachen. Zum Lachen gibt es hier auch einiges, denn neben der Romantik kommt auch die Komik nicht zu kurz. Hinzu kommt, dass die Entwicklung der Personen, insbesondere von Honey, sehr schön beschrieben ist. Man kann miterleben, wie sie sich von einer Frau, die nicht so recht weiß, wo sie im Leben steht, zu einer selbstbewussten Frau entwickelt, die für sich und ihre Lieben kämpft.
Und die Nebenpersonen – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollen! Liebens- und lesenswert! Allein für diese lohnt es sich, das Buch zu lesen.
Weniger gut gefallen hat mir in erster Linie, dass die Gefühle zwischen Hal und Honey sich in meinen Augen zu schnell und zu einfach entwickeln. Im einen Augenblick werfen sie sich über den Hausflur Beleidigungen an den Kopf, im nächsten liegen sie sich in den Armen und knutschen. Außerdem hat man in meinen Augen die Blindheit zu oft unter den Tisch fallen lassen. Vielleicht ist Honey nur ein besserer Mensch, als ich es bin, aber sie macht sich nicht einmal Gedanken darüber was diese Blindheit bedeutet – für Hal und für ein gemeinsames Leben.

Liebesfilme und Romane hatten sie nicht darauf vorbereitet, dass der Held das Happy End bisweilen richtig vermasseln konnte.
– Honeysuckle Jones (94%)

4Sterne

Über Kat French:
Kat French wurde im Ballungsgebiet um Birmingham geboren und ist dort aufgewachsen. Dort lebt sie noch immer mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen. Sie liebt es, über Romantik zu lesen und zu schreiben. Auf deutsch ist bisher nur ihr Roman Seit ich dich gefunden habe erschienen.

Kaufen kann man das Buch bei HarperCollins oder buchhandel.de


Vielen Dank an NetGalley und HarperCollins für dieses Rezensionsexemplar!

Meine liebsten Sommerbücher

Hallo ihr Lieben!

Nachdem sich in dieser Woche auch in England der Sommer mit aller Macht gemeldet hat und die 30°C-Marke geknackt hat, sowie heute der Tag der Hängematte ist, dachte ich, dass ich euch einmal meine liebsten Sommerbücher vorstelle.
Mit einem Klick auf das Cover kommt ihr entweder zu meiner Rezension oder zur Verlagsseite.

Die_Königin_der_Orchard_Street

Dieses Buch mag auf den ersten Blick herzlich wenig mit dem Sommer zu tun haben, aber der Klappentext verrät es: die Protagonistin Lillian arbeitet sich zur Matriarchin eines Eiscreme-Imperiums hoch. Und sommerlicher als Eiscreme an heißen Tagen kann es ja fast nicht werden, oder?
Besonders schön finde ich, wie sehr sich Lillian hier in Beschreibungen von verschiedenen Eissorten verliert. Das artet teilweise in richtige Lobreden auf gutes Eis aus und hat in mir den dringenden Wunsch geweckt, richtig gute Eiscreme zu essen – und das im Februar. Als Leser bekommt man gleich einmal eine Einführung, was denn nun gute Eiscreme ausmacht und wenn man danach keine Lust hat auf Eis und Sommer, dann weiß ich auch nicht.

Dieses Buch verbinde ich weniger aufgrund seines Inhalts mit dem Sommer, sondern aus persönlichen Gründen. Der letzte Familienurlaub, an welchem ich teilgenommen habe, hat uns in den Süden Frankreichs geführt. Nicht nur, dass wir dort eine tolle Zeit mit viel Meer, gutem Essen und Sonne hatten, wir haben uns auch mit guten Freunden aus Portugal getroffen. Und eben dieses Freunde haben mir den Medicus geschenkt. Ich habe das Buch verschlungen und verbinde es immer mit einem wunderbaren Sommer – außerdem rieselt noch der Sand aus den Seiten! Meiner Meinung nach ist es perfekt, um sich ganz weit weg zu träumen (bzw. zu lesen) und die Umgebung zu vergessen. Und wann könnte man das besser machen, als im Urlaub?!

Heat_Wave

Hier sagt der Titel ja schon fast alles: In New York herrscht eine Hitzewelle, die nicht nur rekordverdächtig ist, sondern auch alles, bis hin zum Denken, anstrengend macht. Wenn also der Sommer wieder einmal nicht mitspielen mag, dann ist dies die perfekte Lektüre, um ein bisschen Hitze abzubekommen – neben der Tatsache, dass es eine schöne Portion Spannung sowie humorvolle Schlagabtäusche liefert.

Amy on the Summer Road von Morgan Matson

Nicht nur, dass dieses Buch mir die Tränen in die Augen getrieben hat, als ich es gelesen habe, mit dem Roadtrip, der hier beschrieben wird, handelt es von einer Art des Reisens, die mir die Liebste ist. Sich in ein Auto zu setzen und den Weg das Ziel sein zu lassen – für mich gibt es nichts Schöneres. Ein Pause einzulegen, wann immer man will und einfach zu sehen, welche Schönheiten auf dem Weg liegen, abzuschalten und einfach nur zu fahren, an nichts und niemanden gebunden zu sein; für mich ist das auch die ultimative Freiheit.

Seit_ich_dich_gefunden_habe

Zum Sommer gehören für mich auch immer Bücher, die ich gerne als „Lektüre für zwischendurch“ bezeichne. Falls das Hirn vor lauter Hitze mal wieder so gar nicht arbeiten will und man auch keine Lust auf etwas anspruchsvolles hat, dann lese ich gerne Liebesschnulzen. Besonders schnulzig ist diese zwar nicht, aber sie hat mir dennoch gut gefallen (die Rezension folgt in den nächsten Tagen). Besonders toll finde ich übrigens auch das Cover und mit seiner Blumenpracht passt es doch recht gut zum Sommer.

Kennt ihr eines der Bücher? Welche Bücher rufen in eurem Kopf den Sommer hervor?

Liebe Grüße,
Celina xx

Rezension – Saladin

Quelle: Penguin
Quelle: Penguin

Saladin | John Man | Corgi Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-552-17084-0 | £9.99

In diesem Buch berichtet John Man vom Leben des Saladin, der als einer der größten Helden der islamischen Welt gilt. Dabei geht er besonders auf Saladins zwei vorherrschende Ziele ein: den Islam zu vereinigen und „Jihad“ zu betreiben. Außerdem wird aufgezeigt, wodurch Saladin auch im Christentum Bewunderung hervorgerufen hat und wie er letztendlich zu dem islamischen Held wurde, der er heute ist.

Als ich vor kurzem in der Buchhandlung dieses Buch gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass ich eher wenig über Saladin weiß. Okay, wenn ich ehrlich bin, gar nichts. Also ist das Buch bei mir eingezogen und beim Lesen hat sich gezeigt, dass mir wieder einmal ein Glücksgriff gelungen ist.
Zunächst einmal, und für mich sehr wichtig, ist, dass dieses Buch auch für Laien verständlich ist. Es bietet einen Einstieg in die islamische Welt des 12. Jahrhunderts, beschreibt verschiedene Gruppierungen und deren Feindschaft, bevor es sich Saladin widmet. Auf die Umstände seiner Umwelt wird aber nicht nur eingegangen, um es dem Leser einfacher zu machen, Vorgänge und Ereignisse zu verstehen. Der Autor schließt daraus auch auf bestimmte Wesenszüge, die Saladin zeigte. Gegen später geht Man auch auf die europäische Geschichte ein, im Zusammenhang mit den Kreuzzügen.
All diese eher nüchternen Dinge lassen sich wunderbar lesen. Das Buch hat mehr etwas von einem Roman als einem Sachbuch, immer mal wieder baut der Autor auch Witz oder Sarkasmus in die Biografie ein.
Vielleicht die größte Errungenschaft dieses Buch ist es, dem Leser den Islam näher zu bringen. In einer Zeit wie dieser, vor dem Hintergrund von zu vielen islamistischen Terroranschlägen, ist ein Verständnis für andere Personen, Lebensstile und Glaubensrichtungen unglaublich wichtig. Und das macht dieses Buch unglaublich wichtig. Hier taucht regelmäßig der Begriff „Jihad“ auf. John Man differenziert Saladins Auffassung von „Jihad“ sehr deutlich von dem Dschihad, der heute von Selbstmordattentätern verbreitet wird. Ihm ging es in erster Linie um die Verteidigung des eigenen Glaubens gegen die christlichen Eindringlinge. Und dies geschah zwar durchaus mit militärischer Gewalt, aber auch mit großem gegenseitigen Respekt beispielsweise zu Richard I. Löwenherz, Ritterlichkeit und einer Großzügigkeit, die manchmal schon fast an Dummheit grenzte.
Hinzu kommt, dass dieses Buch das Bild eines mittelalterlichen Islams zeichnet, welcher modern, wissensdurstig, weltoffen und, meiner Meinung nach, dem mittelalterlichen Christentum um einiges überlegen war. Es ist nicht schwer, Teile davon im heutigen Islam wieder zu erkennen. Vielleicht trägt dies dazu bei, dem Islam eine Haltung entgegenzubringen, wie dieser sie zu Saladins Zeit dem Christentum entgegengebracht hat.
Sehr interessant fand ich, wie viele Parallelen man zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart ziehen konnte. Nicht nur die moderne Führungsgestalt eines Saladin, sondern beispielsweise auch extreme Islamisten, die alles niedermetzelten, was nicht ihrer Glaubensrichtung entsprach. Und wo wir gerade über die moderne Führungsgestalt Saladin sprechen: toll fand ich, dass ein Kapitel der Frage gewidmet wurde, was Saladin zu einer so populären Führungsperson gemacht hat und was auch heute noch einen guten Anführer ausmacht. Auch hier war erstaunlich, wie viele Parallelen sich ergeben haben.

Für mich gibt es also für dieses Buch eine Leseempfehlung und ich habe mir fest vorgenommen, mehr Bücher über den Islam zu lesen und diese Religion besser kennenzulernen.

Medieval Islam, assured of its superiority, was innovative and curious.
– S. 26

5Sterne

Über John Man:
Man wurde 1941 in Großbritannien geboren und studierte in Oxford Deutsch und Französisch, außerdem hat er Diplome in Mongolisch sowie in der Geschichte und Philosophie von Wissenschaft. Er hat Bücher über die Geschichte des Schreibens sowie zahlreiche Themen andere Themen geschrieben. Besonders bekannt sind seine Bücher über Dschingis Khan, Attila und Kublai Khan. Ein besonderes Augenmerk seiner Arbeit liegt auf der Mongolei und deren Geschichte.
Er sit verheiratet und lebt mit seiner Frau in London. Sie haben eine Tochter.
Quelle: Wikipedia

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Rezension – Paris ist immer eine gute Idee

Paris_ist_immer_eine_gute_Idee
Quelle: Piper

Paris ist immer eine gute Idee | Nicolas Barreau | Piper | erschienen 2015
aus dem Französischen: La Vie en Rosalie | Übersetzerin: Sophie Scherrer
Taschenbuch: ISBN 978-3-492-30247-0 | 9.99€
E-Book: ISBN 978-3-492-96537-8 | 9.99€
Leseprobe

Für Rosalie, die einen Postkartenladen in Paris betreibt, eröffnet sich die Chance ihres Lebens, als Max Marchais, ein berühmter Kinderbuchautor, sie bittet, sein neuestes Buch zu illustrieren. Doch kurz darauf betritt ein junger Amerikaner ihren Laden und beschuldigt sie des Plagiats. Zusammen mit ihm macht sich Rosalie auf die Suche nach der Wahrheit.

Nachdem ich bereits vor einigen Jahren Das Lächeln der Frauen von Nicolas Barreau gelesen habe und begeistert davon war, konnte ich diesem Buch nicht widerstehen.
Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: das Buch ist berührend geschrieben und hat in mir Fernweh geweckt. Es stellt auf sehr schöne Weise das Leben in Paris dar, mit der Liebe der Pariser(innen) zu ihrem leckeren Essen und noch vielen anderen kleinen Details, welche die Stadt und die Protagonisten lebendig machen. Mir hat gut gefallen, dass Barreau in diesem Roman besonders zu Beginn viel mit den Klischees über Französinnen und Amerikaner spielt. So ergibt sich die ein oder andere witzige Szene, aber es zeigt sich auch, inwiefern diese der Wahrheit entsprechen oder eben nicht.
Auch wie sich Rosalie und Robert annähern, fand ich schön beschrieben. Man spürt, wie sich die Gefühle füreinander entwickeln. Die beiden stürzen sich nicht einfach kopfüber in die Beziehung, sondern lernen einander kennen. Diese Annäherung ist einfühlsam erzählt, sodass man sich richtig schön in die Protagonisten einfühlen und mit ihnen leiden, lieben und lachen kann.
Weniger gut hat mir gefallen, dass die ganz große Geschichte um das Kinderbuch in meinen Augen schon recht schnell vorhersehbar war. Lange vor der Auflösung konnte man sich schon denken, wie diese aussieht.
Davon einmal abgesehen ist es aber ein schönes Buch für ein paar entspannte Stunden.

„Erst wenn etwas unwiederbringlich verloren ist, erkennt man bisweilen, was es einem bedeutet hat.“
– Max Marchais (S. 305)

5Sterne

Über Nicolas Barreau:
Rosseau wurde 1980 in Paris geboren und studierte Romanistik und Geschichte an der Sorbonne. Er lebt als freier Autor in seiner Geburtsstadt. Sein erster internationaler Erfolg war Das Lächeln der Frauen, dem noch einige mehr folgten.
Quelle: Piper

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Death on the Nile

Quelle: HarperCollins
Quelle: HarperCollins

Death on the Nile | Agatha Christie | HarperCollins | erstmals erschienen 1937
Taschenbuch: ISBN 9780007527557 | £7.99
E-Book: ISBN 9780007422289 | £4.99
Leseprobe (englisch)

Die Ruhe, die sich Hercule Poirot von seinem Urlaub in Ägypten und der Nil-Fahrt erhofft hat, wird unterbrochen, als die Millionenerbin Linnet Doyle erschossen aufgefunden wird. Verdächtige ergeben sich für Poirot und seinen Helfer vom Geheimdienst, Colonel Race, genügend – und das Morden hat noch kein Ende …

Obwohl dieses Buch zu den dickeren Büchern über Poirot zählt, hatte ich keine Probleme damit, es zu lesen. Es war wirklich spannend zu erfahren, wie sich dieser Krimi entwickelt. Das beginnt schon auf der ersten Seite damit, dass sich ein echtes Beziehungsdrama vor dem Leser entwickelt und man nun darauf wartet, wer denn ermordet wird.
Auch die Emotionen und Charakterzüge der einzelnen Personen sind wieder so detailgenau dargestellt, dass man diese beim Lesen direkt vor sich sehen kann.
Und auch in diesem Buch schafft es Agatha Christie wieder den Leser an der Nase herumzuführen, sodass man meint, man hat jetzt den Durchblick und weiß genau, wer der Täter ist – und dann haut Poirot (bzw. Christie) eine Aufklärung heraus, bei der man mit offenem Mund vor dem Buch sitzt. Gemein ist dann auch immer, dass sie nach der Aufklärung der Identität des Mörders/der Mörderin erstmal ein neues Kapitel beginnt und die Handlung wieder ein bisschen heruntergekühlt. Ich saß auf wie auf glühenden Kohlen, denn vorblättern geht auch nicht – man will ja nichts verpassen!
Was mir allerdings in diesem Buch zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist und ein bisschen irritiert hat, ist, dass Poirots Fälle sich gerne in einer mehr oder weniger abgeriegelten Umgebung abspielen. Die Zahl der möglichen Täter ist von Anfang an auf einen (meist kleinen) Kreis Personen beschränkt. Das einzige Buch, das ich bisher gelesen habe und bei dem das nicht der Fall ist, ist The ABC Murders.
An und für sich muss man allerdings auch bei diesem Buch sagen: Spannung und Überraschung bis zur letzten Seite – ein echter Pageturner!

„Marriage will cure me, I expect. It always seems to have a very sobering effect on people.“
– Jacqueline de Bellefort (S. 15)

5Sterne

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford. Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei bücher.de
Mehr Informationen gibt es auf der Seite von HarperCollins

Venezianisches Finale

Venezianisches_FinaleVenezianisches Finale | Donna Leon | Diogenes | erschienen 1992
aus dem Amerikanischen: Death at La Fenice | Übersetzerin: Monika Elwenspoek
Taschenbuch: ISBN 978-3-257-22780-2 | €12,-
E-Book: ISBN 978-3-257-60060-5 | €9,99

Kurz vor Beginn des letzten Aktes der Traviata wird der Stardirigent Helmut Wellauer tot in seiner Garderobe gefunden. Dort richt es nach Bittermandel und bald steht fest, dass er mit Zyankali vergiftet wurde. Für Commissario Brunetti ist es ein schwieriger Fall, des es ergeben sich immer mehr Verdächtige – und gleichzeitig hat sich die Presse auf den Fall eingeschossen.

Nachdem ich schon den ein oder anderen Fall mit Brunetti gelesen habe, dachte ich, dass es an der Zeit wäre, einmal den ersten Fall zu lesen.
Aus den vorherigen Büchern war ich gewohnt, dass es mir beim Aufschlagen des Buches immer so vorkam, als ob ich mich in einen gemütlichen Sessel setze und vergnügliche Stunden mit einem guten Freund verbringe. Über Brunetti zu lesen hat immer etwas heimeliges. Die Krimis sind nicht besonders spannend, aber doch genau das richtige für laue Sommerabende, vielleicht einem Wein und Knabbereien.
Gut hat mir gefallen, dass man zwar einerseits in ein Netzwerk geschmissen wird, dass bereits um Brunetti besteht – die Ehe zu Paola, die beiden Kinder, auch den Vice-Questore Patta gibt es schon. Aber es wird doch mehr auf die einzelnen Personen eingegangen, mehr erklärt. Es hat zwar grundsätzlich kein anderes Licht auf die jeweilige Person geworfen, aber erhellend fand ich es trotzdem. Besonders nett fand ich in dem Zusammenhang einen Einblick in die Anfänge der Beziehung zwischen Guido und Paola.
Auch die Tatsache, dass dieser Fall ebenfalls in Italiens Vergangenheit führt, hat mir gut gefallen. Für mich macht es einen Reiz der Bücher aus, dass man einen Blick in Italiens Vergangenheit werfen kann und gleichzeitig einen schönen Einblick in die Gegenwart des Landes und seine Probleme bekommt.
Meine Befürchtung, dass man am Schreibstil und dem Aufbau der Geschichte merken könnte, dass es sich hier um den ersten Teil handelt, hat sich nicht bewahrheitet. Tatsächlich unterscheidet er sich, abgesehen von den ausführlicheren Beschreibungen der Personen, in meinen Augen nicht von anderen Brunetti-Büchern, die ich bisher gelesen habe.
Als sehr schön habe ich auch in diesem Band wieder die Beziehung zwischen Guido und Paola empfunden. Diese nimmt nie zu viel Raum ein, sondern trägt noch mehr zu der Person Brunetti bei und macht ihn um einiges sympathischer und realistischer.
Irritiert hat mich nur eine Sache: dass Brunettis Kinder in diesem Buch bereits im Teenager-Alter sind. Denn das hat sich in neueren Büchern kaum geändert und dass, obwohl dieser Band vor über 20 Jahren erschien.

5Sterne

Über Donna Leon:
Leon wurde 1942 in New Jersey, USA, geboren. Sie studierte dort, in Perugia und Siena. Ab 1965 lebte sie im Ausland und war unter anderem als Reiseleiterin in Rom und Lehrerin, beispielsweise im Iran und in China, tätig. 1992 erschien ihr erster Kriminalroman, ein Jahr später auch in der deutschen Übersetzung,Venezianisches Finale, mit Commissario Brunetti. Seitdem erschien jedes Jahr ein Krimi um Brunetti, die in Deutschland bei Erscheinen jedes Mal die Bestsellerlisten anführen, sie weltweit bekannt machten und bisher in 35 Sprachen übersetzt wurden.
Seit 1981 lebt Donna Leon in Venedig, wo ihre Krimis spielen.
Quelle: Wikipedia

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Mehr Informationen gibt es auf der Seite des Diogenes Verlag

#bloggalaxie

Hallihallo ihr Lieben!

Vor einigen Tagen hat Diana von Lilienlicht auf ihrem Blog zu einer Blogparade aufgerufen, in der es darum geht, sich mit themenfremden Blogs zu vernetzen. Für mehr Infos zur Blogparade #bloggalaxie schaut doch mal bei ihr vorbei.
Im Grunde geht es darum, einen anderen Blog vorzustellen, der so gar nichts mit dem eigenen Thema (in meinem Fall also Bücher) zu tun hat.

Mir ist die Entscheidung leicht gefallen, denn ein Blog, das ich sehr gerne verfolge ist RoadTrip-GirlBlog. Hier schreibt Kiomoon, das RoadTrip-Girl, über Reisen, die sie mit ihrem Stitch unternommen hat bzw. unternimmt. Stitch ist in diesem Fall nicht der merkwürdige Spitzname eines Freundes/Verlobten/Ehemann, sondern einer Einzimmer-Wohnung auf Rädern – ein VW T3.

Bild von Kiomoon
Bild von Kiomoon

Zum ersten Mal bin ich auf den Blog aufmerksam geworden, nachdem ich im letzten Jahr auf dem Busfest in Malvern war. Danach dachte ich mir, dass es doch in den Tiefen des World Wide Webs irgendwen geben muss, der über seine Erlebnisse mit einem VW-Bus berichtet. Und eine kleine Suche hat dann diesen Blog ausgespuckt – wo ich auch gleich hängen geblieben bin.

Grund Nummer 1 ist natürlich der Bus. Solange ich denken kann, hatten meine Eltern einen VW-Bus (allerdings das Nachfolge-Modell, einen T4). Ein T4 war auch das erste private Auto, mit dem ich gefahren bin, nachdem ich den Führerschein hatte. Und wenn ich ab Januar ein Auto benötige, um zur Arbeit zu kommen, dann muss es in meinen Augen ein Bus sein. Wir sind regelmäßig auf Bustreffen gegangen (oder besser gesagt: gefahren), viele der „Bus-Verrückten“ zählen mittlerweile zu Freunden, die man nicht mehr missen möchte. Und genauso wenig möchte ich RoadTrip-GirlBlog missen.
Ein weiterer Grund für mich, dieses Blog zu lieben, ist die Tatsache das er von einer Frau geschrieben wird. Besonders bei den „Bus-Verrückten“ sind es zum größten Teil die Männer, die für das Auto schwärmen. Klar, es sind auch immer Ehefrauen und Freundinnen mit dabei, aber in erster Linie sind die Männer die Bus-Enthusiasten und die Frauen haben gute Freunde gemacht auf den Treffen. Nicht falsch verstehen, es gibt schon auch die ein oder andere Frau, die sich für die Busse und alles drumherum interessiert (mich zum Beispiel 😀 ), aber es ist doch eher ein Männer-Ding. Umso schöner also, dass RodTrip-GirlBlog (der Name sagt’s ja schon) von einer Frau kommt.
Sie schreibt über ganz viele Themen, die mir aus der Seele sprechen, da ich sie genau so empfinde. Bei ihrem Beitrag „Pleiten, Pech und Zaubertanz“ musste ich schon sehr lachen, da ich mich darin wiedererkannt habe – zu Beginn tiefenentspannt und mit jeder Minute weniger lässig. Auch das spontane Losfahren, mal schauen, wo man rauskommt, und dabei schöne Ecken entdecken (auf RoadTrip-GirlBlog beispielsweise bei „Klein Kanada?“), ist für mich ein Stück weit das Non plus ultra des Reisens. Ich weiß schon gerne, in welche Richtung es ungefähr geht, aber sich einfach davon leiten zu lassen, wie die Straße gerade verläuft, ob man weiterfahren will oder nicht – für mich gibt es nichts schöneres.

Nächstes Jahr wollen die drei (Stitch, RoadTrip-Girl und Mr. RoadTrip-Girl) nach Südamerika. Für wie lange wissen sie noch nicht und ich bin schon sehr gespannt, was Kiomoon von der Reise berichtet. Ich beneide sie ja schon ein bisschen um dieses Abenteuer – aber nur ein bisschen! Ich weiß nicht, ob ich „einfach so“ die Zelte abbrechen könnte und auf ungewisse Zeit einen anderen Kontinent besuchen könnte.

Liebe Grüße,
Celina xx

Loney

LoneyLoney | Andrew Michael Hurley | Ullstein | erscheint im September 2016
aus dem Englischen: The Loney | Übersetzerin: Yasemin Dincer
Hardcover: ISBN 9783550081378 | €22,-
ePub: ISBN 9783843714396 | €18.99

1976 macht sich eine kleine Pilgergruppe auf den Weg nach The Loney an der nordenglischen Küste, um die heilige Anna um ein Wunder zu bitten: Hanny, der Bruder des Ich-Erzählers Tonto, soll von seiner rätselhaften Krankheit erlöst werden, die dafür sorgt, dass er stumm ist. Doch als 30 Jahre später eine in The Loney Babyleiche gefunden wird, weckt dies in Tonto Erinnerungen an diese Pilgerfahrt, über die er Jahrzehnte lang geschwiegen hat.

Zuallererst hat mich an diesem Buch das Cover angesprochen: obwohl es schlicht ist, kann man quasi das Mysteriöse fühlen. Nach der Lektüre muss ich sagen: es passt zu diesem Buch wie die Faust auf’s Auge.
Bereits von der ersten Seite herrscht eine Spannung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen und bei mir für einen massiven Buch-Hangover gesorgt hat. Diese Spannung zeigt sich nicht durch wilde Verfolgungsjagden, sondern in erster Linie dadurch, dass man von Anfang an merkt, dass da etwas passiert ist – etwas Schreckliches – und man unbedingt erfahren möchte, was dieses Etwas denn nun ist. Hurley arbeitet viel mit Andeutungen und zwischen den Zeilen steht noch einmal so viel, wie im eigentlichen Text. Dabei ist es zwar durchaus so, dass man als Leser auf die Folter gespannt wird, aber der Bogen nicht überspannt wird. So bekommt man immer mal wieder ein Häppchen hingeworfen und verliert dementsprechend auch die Lust nicht.
Für mich haben einen Reiz des Buches die Charaktere ausgemacht. So war mir beispielsweise „Mummer“, die Mutter von Henny und Tonto, von Anfang an unsympathisch. Aber sie ist nicht „die Böse“, sondern verzweifelt, und das wird in einigen ihrer Handlungen sehr deutlich. So konnte ich sie zwar bis zum Schluss nicht leiden, aber bemitleidet habe ich sie doch immer wieder. Es gibt nicht das eindeutig Böse und mit diesen ambivalenten und sehr realistischen Figuren erlebt man auch ein Wechselbad der Gefühle. Letztendlich ist die Tatsache, dass alle wichtigen Charaktere in diesem Buch nicht nur gut oder nur böse sind, eines der Dinge, welche dieses Buch so unglaublich realistisch machen.
Hinzu kommen Landschaftsbeschreibungen, die dafür sorgen, dass man ein sehr genaues Bild vor Augen hat. Das, obwohl Hurley weniger sich in Details zergeht und ellenlange Passagen über windgebeugte Hütten und Bäume schreibt, sondern es schafft, das Gefühl für diesen Ort im Leser wachzurufen. Ich kann mir gut vorstellen, dass The Loney für jeden Leser unterschiedlich aussieht, denn es geht nicht darum, wie der Ort aussieht, sondern wie er wirkt.
Neben der Frage, was es denn nun mit der Babyleiche auf sich hat und was damals passiert ist, zieht sich noch ein zweites wichtiges Thema durch das Buch: der Glaube an Gott. Mir haben die hier beschriebene Pilgergruppe und ihre Auffassung von Glauben oftmals bitter aufgestoßen. Das lag daran, dass ich kein besonders gläubiger Mensch bin und das Aufzwingen des Glaubens sowie die Auffassung von Gottes Willen, wie sie hier wiedergegeben wird, mir dementsprechend wenig zusagen. Um einiges erschreckender war für mich aber, dass es so unglaublich realistisch wirkt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass es genau so geschehen ist.

Loney hat mich sehr gefesselt, besonders durch Protagonisten, die realistischer nicht sein könnten, und Hurleys Gabe, viel mehr zu sagen, als eigentlich da steht – und dadurch Spannung aufzubauen, die das Buch zu einem echten Pageturner und einer riesigen Leseempfehlung machen.

„Der Tod [hat] das Timing eines grottenschlechten Komikers.“
– Father Bernard

5Sterne

Über Andrew Michael Hurley:
Hurley wurde 1975 geboren und lebte in Manchester und London, bevor er nach Lancashire zog. Dort unterrichtet er  englische Literatur und kreatives Schreiben.
2014 erschien sein Debütroman The Loney bei einem kleinen Verlag, Tartarus Press, mit einer Auflage von 300 Exemplaren. 2015 gewann das Buch den Costa Book Award.
Quellen: Foyles & Wikipedia

Mehr Informationen zum Buch gibt es auf der Seite des Ullstein-Verlags.


Vielen Dank an NetGalley und den Ullstein-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!