Rezension – Frühjahrskollektion

Das Modejahr 1964 bricht an: Lilo wagt den Sprung vom knielangen Kleid hin zu Bademoden. Ihr Mann Harry betreut als Reisebegleiter Kriegsgräberfahrten, Tochter Reni tourt als gefragtes Mannequin durch die Welt. Doch dann wird diese Musterfamilie eingeholt von einer unkleidsamen Vergangenheit. – Ein großer Roman über die Stoffe, aus denen wir unsere Geschichten weben.
Lilo will den nächsten großen Coup landen: Bademoden für die reife Frau. Das neue elastische Gewebe soll ihr den Swimmingpool hinter dem neuen Bungalow finanzieren. Doch dann steht unerwartet die Vergangenheit in ihrer Kabine. Denn neuerdings interessiert sich die deutsche Justiz für Geschäfte, die damals im besetzten Polen gemacht worden sind. Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar. Sie verbindet mehr als eine unschuldige Liebe zur Mode. Auch Josef Neckermann, für dessen Versandunternehmen Harry zu arbeiten anfängt, mag lieber nach vorn als zurück blicken. Während Harry für seinen neuen Arbeitgeber auf der Leipziger Messe Verträge aushandelt, erfährt Tochter Reni mehr über die Vergangenheit deutscher Konfektionshäuser, als ihr lieb ist.
Quelle: Kanon-Verlag

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Over the Rainbow – Eine McElroy zu viel

In der Reihe „Over the Rainbow“ stelle ich euch Bücher zum Thema LGBTQIA+ vor. Es handelt sich um fiktive Geschichten ebenso wie Sachbücher. Und obwohl schon April ist, gibt es heute einen lesbischen Liebesroman, der an Weihnachten spielt.

Fionas bester Freund Michael bittet sie, Weihnachten mit ihm und seiner Familie zu verbringen und sich dabei als seine feste Freundin auszugeben. In Arkansas begegnet sie einem ganzen Clan rothaariger McElroys – und Lizzie, einer von Michaels Schwestern. Und die scheint überall zu sein, mit ihrem ansteckenden Lachen, ihren schönen Augen, der sexy Figur und ihrer netten Art. Je mehr Zeit Fiona mit Lizzie unter einem Dach verbringt, desto schwerer fällt es ihr, so zu tun, als sei sie in Michael verliebt.

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Die Montagsfrage #108

Hallo ihr Lieben,

die vergangene Woche war für mich eine spannende, denn ich habe zum ersten Mal einer Obduktion zugeschaut – eine Erfahrung, die ich nicht ständig wiederholen möchte, die aber doch sehr interessant und auf eine Art auch berührend war. Eine solche Erfahrung steht in dieser Woche nicht an; bevor ich mich also an die alltägliche Arbeit mache, gibt es wieder die Montagsfrage bei Wordworld:

Welches Buch aus den letzten drei Monaten würdet Ihr sofort noch einmal lesen?

Die Frage hörte sich zunächst sehr leicht an, ich habe jetzt aber absurd lange darüber nachgedacht. Schließlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich von vielen guten Büchern des ersten Quartals wohl Pi mal Daumen von Alina Bronsky sofort erneut lesen würde. Besonders witzig, da es zu den wenigen sehr guten Büchern aus 2025 gehört, das nicht mir selbst gehört und im Regal steht: ich hatte es aus der Bibliothek ausgeliehen.


Quelle Beitragsbild: Wordworld

Rezension – Sieben Sekunden Luft

Wie existieren in einem System, das ein Durchatmen beinahe unmöglich macht?
Wie jeden Morgen sitzt Selah auf der Veranda und wartet in die Stille hinein. Drei Monate sind vergangen, seit Selah sich krankgemeldet hat, um zu verschwinden. Doch die gewünschte Einsamkeit wird unerwartet zur Triebfeder für Vergangenes und Verdrängtes: Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, ist Selahs Beziehung zur Mutter von Erwartungsdruck, Schweigen und Scham geprägt – sie begleiten Selah bis ins Erwachsenenalter hinein. Als die Mutter im Sterben liegt und Selah längst ein Leben mit der eigenen Familie führt, werden die noch immer klaffenden Wunden offenbar. Da sind ungewollte Erlebnisse und Entscheidungen, die wie Phantome an der Haut kleben. Eine Bringschuld, auch wenn Selah gar nicht weiß, wem gegenüber eigentlich. Und Glaubenssätze, die so tief verankert sind, dass deren Abschütteln Lebensaufgabe ist.
Quelle: Haymon-Verlag

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Currently Reading #18

Häufig lese ich Bücher, die hier auf dem Blog dann kaum oder gar keine Erwähnung finden. Mit der Aktion Currently Reading, initiiert von Andrea, möchte ich daran etwas ändern und euch jeden Dienstag in das Buch mitnehmen, das mich gerade begleitet.

Rückblick auf die vergangene Woche

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Die Montagsfrage #107

Hallo ihr Lieben,

heute ist mein Geburtstag, ich habe Urlaub und werde den Tag mit meiner Familie verbringen. Eines soll es heute – Urlaub hin oder her – dennoch geben: die Montagsfrage bei Wordworld.

Wie steht Ihr zu expliziten Szenen in Büchern (Brutalität/Sexzenen)?

Ich habe ganz generell kein Problem mit expliziten Szenen, weder Sex noch Brutalität, denn sie gehören zum Leben und daher auch in Bücher. Bezogen auf Brutalität gibt es in meinen Augen Bücher, da gehört sie sogar unbedingt dazu. Dabei geht es mir um Bücher, die sich mit Terrorregimen wie der Pinochet-Diktatur, dem Dritten Reich, der Sowjetunion oder den unzähligen anderen Diktaturen, die es weltweit gab und gibt, befassen. Die schiere Zahl an Opfern dieser Regime zu wissen ist zwar wichtig, aber mir fällt es schwer, z.B. zu wissen, dass rund sechs Millionen jüdische Menschen dem Holocaust zum Opfer fielen und daraus Empathie zu entwickeln. Deswegen ist es nicht nur wichtig, den einzelnen Opfern Namen und ein Gesicht zu geben, wie es z.B. Auschwitz Memorial tut. Wir müssen auch erfahren, was ihnen widerfahren ist und welchen Gräueltaten sie durch andere Menschen ausgesetzt waren.
Mir fiel das letzten Monat wieder deutlich auf. Bei meinem Budapest-Trip habe ich das dortige Holocaust Memorial Center besucht. Dort werden einige der schonungslosesten und furchtbarsten Bilder von Opfern der Nazis gezeigt, die ich bisher gesehen habe. (Auch so wild, wo ich Ungarn momentan nicht guten Gewissens als freiheitlichen Rechtsstaat beschreiben mag.) Und so wenig man diese anschauen möchte, haben sie in mir doch, mehr als viele andere Filme, Bilder oder Bücher gezeigt, wo wir enden, wenn menschenverachtende Menschen die Macht in einem Staat erlangen (und ganz ehrlich: momentan müssen wir für diese Erkenntnis nur einen Blick in die USA werfen, wo innerhalb weniger Wochen eine Demokratie zerstört wurde und Menschen de facto in KZ abgeschoben werden, denn kaum etwas anderes sind die „Gefängnisse“ in El Salvador). Wie fürchterlich das noch werden kann, können wir auch aus Büchern lernen, die eben kein Blatt vor den Mund nehmen und auch noch die schlimmste Brutalität offen aussprechen. Zu empfehlen sind, neben Besuchen in KZ-Gedenkstätten wie Buchenwald, Sachsenhausen, Dachau oder Auschwitz, Anus Mundi von Wiesław Kielars, der über seine fünf Jahre in Auschwitz schreibt und dabei wirklich ALLES beschreibt, was er erleben und sehen musste, oder Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész.

(Kleine Sidenote: Ich finde es sehr wichtig, dass wir in diesem Zusammenhang von den Tätern nicht als „Monster“ sprechen. Ihre Taten waren fürchterlich und, ja, monströs, aber letztlich waren sie Menschen, denen es von einem menschenverachtenden System ermöglicht wurde, anderen Menschen das Schlimmste anzutun. Wenn wir sie entmenschlichen, verlieren wir aus den Augen, dass sie vor der Nazi-Zeit Nachbar*innen, Lehrer*innen, Arbeiter*innen, Adelige, … waren und diese Brutalität unter den „richtigen“ Umständen jede*r von uns zeigen kann.)


Quelle Beitragsbild: Wordworld

Buchiger Rundumschlag XI – Frühjahrsputzbingo 2025

In den vergangenen beiden Monaten habe ich wieder am Frühjahrsputzbingo von Buchperlenblog teilgenommen. Es sind Bücher gelesen und ich möchte euch gerne vorstellen, wie mir diese gefallen haben. Ausgenommen ist Drachenbanner von Rebecca Gablé, denn meine Meinung dazu könnt ihr gerne in meinem Beitrag zur Leserunde lesen.

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Rezension – Unentdeckt

Die heiligen Orte in den Anden beherbergten einst wertvolle Grabbeigaben. Heute findet man sie in den großen Sammlungen europäischer Museen. Dort wird Gabriela Wiener mit ihrem Erbe konfrontiert: Ausgerechnet ihr Ururgroßvater Charles Wiener, ein jüdisch-österreichischer Forscher, erbeutete im 19. Jahrhundert Tausende Artefakte. Als sie der väterlichen Linie ihres Stammbaums nachgeht, stößt sie auf patriarchale Heldenerzählungen: die Legende des bescheidenen Deutschlehrers, der über Nacht zu Indiana Jones wird, aber in Peru Frau und Kind zurücklässt. Und die Parallelbeziehung ihres Vaters, in der dieser mit Vorliebe eine Augenklappe trug. Werden Vorstellungen von Liebe und Lust weitergetragen? – Ausgehend von ihrem Nachnamen wird Gabriela Wiener nicht nur zur Chronistin von Kolonialverbrechen, sondern auch zur Erzählerin ihrer selbst.
Quelle: Kanon Verlag

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Currently Reading #17

Häufig lese ich Bücher, die hier auf dem Blog dann kaum oder gar keine Erwähnung finden. Mit der Aktion Currently Reading, initiiert von Andrea, möchte ich daran etwas ändern und euch jeden Dienstag in das Buch mitnehmen, das mich gerade begleitet.

Rückblick auf die vergangene Woche

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Die Montagsfrage #106

Hallo ihr Lieben,

so richtig Routine und Alltag gibt es bei mir gerade nicht, aber eines gibt es auch in dieser Woche wieder: die Montagsfrage bei Wordworld.

Kennt Ihr Beispiele für ein schönes Cover mit schlechter Geschichte oder eine tolle Geschichte mit hässlichem Cover?

Ganz generell gefallen mir die Cover von bpb nur sehr selten, aber die Sachbücher, die dort verlegt werden, sind so wichtig und in der Regel auch sehr gut. Überhaupt finde ich, dass diese Diskrepanz zwischen Cover und Inhalt vor allem im Sachbuchbereich zu finden ist.

Spontan fiel mir für Romane auch kein Buch ein. Ich habe dann mal einen Blick in meine gelesenen Bücher bei StoryGraph geworfen und doch noch ein paar Bücher gefunden, die ich hier anführen kann.
Nicht direkt hässlich, aber irgendwie sehr nichtssagend ist in meinen Augen das Cover zu Detransition, Baby von Torrey Peters. Dort windet sich auf einem pinken Hintergrund ein rotes Band durch die Buchstaben des Titels und das wars.
Dagegen mochte ich das Cover von Das Vermächtnis der Apfelblüte von Livia Rose total gern, die Geschichte ließ mich aber enttäuscht zurück. Und genauso ging es mir mit Ein Morgen in Paris von Katja Maybach.


Quelle Beitragsbild: Wordworld