Halbzeit 2016

Hello everybody!

Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei und – wow! Wie schnell ging das denn bitte?! Ich dachte jedenfalls, dass es an der Zeit wäre, einen kleinen Blick auf diese ersten sechs Monate zu werfen, die hinter uns liegen. Im Gegensatz zu meinen Monatsrückblick wird sich dieser aber nicht nur auf Bücher beziehen.

Da diese aber doch einen wichtigen Teil meines Lebens und der Inhalt dieses Blogs sind, fangen wir mal damit an.
Mit meinen Challenges geht es im Großen und Ganzen gut voran. Bei Märchenhaft durch 2016 fehlen mir nur noch wenige Bücher für die festen Aufgaben und auch bei den Monatsaufgaben schaffe ich normalerweise 4 Bücher. Auch die History und Englisch Lese-Challenge sieht ganz gut aus: ich konnte bereits einige der Monate sowie eine der Zusatzaufgaben beenden. Bei der Goodreads Reading-Challenge habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, 100 Bücher zu lesen. Das hat besser geklappt als erwartet. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal an der Challenge teilgenommen und konnte wirklich nicht einschätzen, wie viele Bücher ich wohl in einem Jahr lese. Daher habe ich mich auf 100 festgelegt, denn das schien ein recht geläufiges Ziel zu sein. Mittlerweile (Ende Juni) habe ich aber schon unglaubliche 91 von 100 Büchern gelesen. Das sind übrigens nur die Neuen, mit reReads komme ich auf 120 Bücher in 2016! Ich bin ehrlich gesagt über mich selber erstaunt.

Außerdem habe ich mich nach reiflichem Überlegen auf meine drei Lesehighlights aus den sechs Monaten festlegen können.

The_Little_Paris_BookshopThe Little Paris Bookshop hat mir richtig, richtig gut gefallen. Nicht nur, dass es mit wunderbaren Beschreibungen der französischen Landschaft aufwartet, die sofort das Fernweh wecken und dafür gesorgt haben, dass ich mich in ein Auto setzen wollte und jetzt sofort in den Süden Frankreichs reisen wollte. Es sprüht nur so vor Leben und ist unglaublich berührend. Zudem, der Name sagt’s ja schon, geht es um Bücher. Ein ganzes Boot voller Bücher und die Liebe zu diesen, wird auf sehr schöne Weise wieder- und weitergegeben.

28_Tage_langEin weiteres Highlight war 28 Tage lang von David Safier. Von ihm ist man sonst ja eher leichte Töne gewohnt, deswegen war ich mir zu Beginn nicht ganz sicher, ob ich das Buch mögen würde. Es hat mich aber nicht enttäuscht, sondern im Gegenteil sehr berührt und tagelang nicht losgelassen. Es hat den Aufstand im Warschauer Ghetto auf ganz besondere Weise noch einmal aufleben lassen.

Quelle: Carl Hanser Verlag

Und last but not least: Der entfesselte Globus. Vor anderthalb Wochen gelesen, hat es mich immer noch nocht losgelassen. Mit kurzen, fesselnden Geschichten führt uns Iljia Trojanow darin die westliche Welt und unsere Arroganz in Erinnerung. Die Geschichten waren nicht nur spannend, sondern haben mich sehr nachdenklich gemacht.

Was gab es sonst noch in den Tiefen des World Wide Web? Seit einigen Monaten bin ich auch auf Twitter und habe entsprechend viel über buchige Events, wie Messen oder das LitCamp mitbekommen – und von der Insel aus alle beneidet, die daran teilnehmen konnten. Auch einige wunderbare und/oder Blogbeiträge und Aktionen habe ich dadurch mitbekommen.

Beispielsweise Herr Booknerds Artikel über das Männerbild in YA-Büchern. Oder die allgemeine Diskussion über Bezahlung von Buchbloggern. Ein Artikel, der mir aus der Seele gesprochen hat, kommt von Maike und handelt von schüchternen Bloggern. An Aktionen sind mir besonders die Leseparty zur Leipziger Buchmesse sowie die EM-Lesenacht zu Beginn der EM in Erinnerung geblieben.
Außerdem nehme ich am LovelyBooks Lesesommer teil, der mir bisher unglaublichen Spaß bereitet und mir zudem ein neues Lieblings-Lesezeichen beschert hat.

Auch abseits des Blogs war etwas los. Der Beginn des Julis bedeutet auch den Beginn meines letzten vollen Monats als AuPair in England. In 37 Tagen, am 9. August, geht mein Flug in die Heimat. Und ab Oktober beginnt dann der Ernst des Lebens, auch genannt „duales Studium“. Wenn ich ehrlich bin, kann ich es kaum erwarten, die Zeit in England zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren. Gerade für das Studium musste aber natürlich einiges organisiert werden, sodass in den letzten Monaten auch in der Hinsicht viel los war. Alles muss umgestellt werden, von Versicherungen über Abonnements bis hin zu der gesamten Lebenssituation. Dementsprechend sind mein Vater und ich immer noch auf der Suche nach einer Wohnung und einem Auto für mich.
Erstmal steht aber ein Wochenende in London an und wenn sich die Möglichkeit ergibt, will ich noch für einen Tag nach Bristol. Mehr dazu gibt’s auch immer auf meinem AuPair-Blog.

Dann noch zwei Dinge, die ich super finde und mit euch teilen möchte.
Streng genommen nicht mehr in den ersten sechs Monaten, aber dennoch auf jeden Fall erwähnenswert ist die Aktion #bloggalaxie von Lilienlicht. Es geht darum, sich mehr mit Bloggern aus anderen Bereichen zu vernetzen. Schaut unbedingt einmal Diana von Lilienlicht vorbei!
Das andere ist eine Gruppe bei Goodreads, der ich mich Anfang des Jahres angeschlossen habe. Our Shared Shelf wurde von Emma Watson ins Leben gerufen, ein „Feminist book club“. Obwohl ich bisher leider noch nicht dazu gekommen bin, eines der Bücher zu lesen, hat sich meine Wunschliste doch jeden Monat mit einem neuen Buch gefüllt. Und es ist überwältigend zu sehen, wie viele Menschen aus allen Teilen der Welt dort aktiv sind.

So viel also zu meinem ersten halben Jahr von 2016. Was gibt es bei euch neues?

Liebe Grüße,
Celina xx

Mein Lesemonat Juni

Hallöle ihr Lieben!

Die erste Hälfte dieses Jahres ist auch schon wieder rum und es liegen tatsächlich nur noch 40 Tage als AuPair vor mir – schwer zu glauben. Erstmal aber stehen noch ein paar aufregende (und anstrengende) Wochen an und obwohl auch der Juni anstrengend war, habe ich es geschafft, ganze 21 Bücher zu lesen.

Insgesamt habe ich 6.442 Seiten gelesen, ca. 215 pro Tag. Das sind fast 1.000 Seiten mehr als im Mai, obwohl es nur ein Buch mehr ist. Mit einem Durchschnitt von 4,2 Sternen pro Buch war es aber auch diesmal wieder ein schöner Monat.
Ähnlich wie im Mai, überwogen auch dieses mal wieder die englischen Bücher, denn nur 7 waren auf deutsch und von diesen waren drei nochmals gelesene Bücher.
Auch in einer anderen Hinsicht war dieser Monat sehr erfolgreich: die Rezensionen. Denn von 21 gelesenen Büchern habe ich zu zwölf bereits eine Rezension verfasst. Ausstehend sind nur noch vier.

Obwohl es in diesem Monat keine fünf goldenen Sterne gab, habe ich wieder ein Lieblingsbuch: Der entfesselte Globus von Iljia Trojanow.
Das enttäuschendste Buch war Nero von Sarah Brianne. Nachdem ich von den Mafia-Büchern von Cora Reilly so begeistert war, konnte dieses nicht einmal ansatzweise mithalten.

Quelle: Carl Hanser Verlag
Quelle: Carl Hanser Verlag

In diesem Jahr nehme ich außerdem zum ersten Mal am LovelyBooks Lesesommer teil, der bisher recht erfolgreich verläuft. Von den 15 Büchern, die ich mir vorgenommen habe zu lesen, sind acht bereits beendet (und sieben rezensiert).

Kennt ihr eines der Bücher, die ich gelesen habe? Und wie war euer Buch-Monat?

Liebe Grüße,
Celina xx

Großbritannien

Alright everybody?

Dieser Beitrag hat nur so halb etwas mit Büchern zu tun, aber ich wollte es unbedingt mal loswerden.

Der ein oder andere hat vielleicht mitbekommen, dass ich seit fast einem Jahr in Großbritannien als AuPair tätig bin. Und obwohl ich Gasteltern habe, die sich schon recht früh für einen Brexit ausgesprochen haben (ja, wir sind wieder bei dem leidigen Thema 😉 ), auch ihre Freunde sehr dafür waren und sind (bester Spruch in dem Zusammenhang: „Es sollten drei Dinge passieren: Großbritannien verlässt die EU, Boris Johnson wird britischer Premierminister und Trumpf amerikanischer Präsident“, O-Ton ein Freund meiner Gasteltern – ich sag da nur: „Kopfschuss“) und ich mich gerade bei solchen Sprüchen oft frage, in welch rassistischer und minderbemittelter Gruppe ich hier gelandet bin, hat mich das Ergebnis doch geschockt. Wenn man dann noch mitbekommt, welche Statements sich seitdem angehäuft haben, ob nun von UKIP-Leader Farage oder Wählern, die wohl wirklich erst nach dem Referendum gegooglet haben, um was es eigentlich geht, zweifele ich doch an diesem Land, mit dem mich spätestens seit dem Referendum eine Hassliebe verbindet – obwohl die Liebe bei mir überwiegt.

Die Sache ist nämlich die: ich liebe sehr viele Dinge an diesem Land. Ich liebe beispielsweise wunderschöne Landschaften, wunderbare Burgen, leckeren Tee, schöne (und kostenlose!) Museen, tolle Buchläden (hier haben sogar die großen Buchketten etwas richtig heimeliges) und teilweise sogar das Essen. Ich liebe auch den britischen Humor, habe einen neuen Lieblingscomedian für mich entdeckt, ebenso wie Terry Pratchett, viele nette Menschen kennengelernt und Erfahrungen gemacht, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Ich bin in diesem Land über mich hinausgewachsen und werde Selbstständigkeit immer auch ein Stück weit mit Großbritannien verbinden. Außerdem kommen Autoren wie J. K. Rowling, Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie und Musiker wie Adele oder Ellie Golding von hier. Es gibt also genügend Gründe, dieses Land zu lieben.

Aber ich habe auch ein ganz großes Problem mit Großbritannien, oder eher: den Briten – wobei die Engländer da echt die schlimmsten sind. Mein Problem sind die unglaubliche Arroganz und Selbstgefälligkeit der Briten. Meiner Meinung nach hat man die vor allem wieder in den Argumenten bemerkt, mit denen hier für den Brexit Werbung gemacht wurde – und mit denen auch meine Gastfamilie und deren Umkreis um sich geschmissen haben (obwohl ich deutlich machen möchte, dass diese ganz bestimmt nicht zur Elite des Landes gehören, weder finanziell noch wenn es um Intelligenz geht). Und obwohl mich dies nicht erst seit heute stört, gibt es doch einen Trigger für diesen Blogbeitrag: ein Buch.

Seit ein paar Tagen lese ich A Short History of England. Auf Twitter habe ich dazu schon einmal ein kleines Statement gepostet:

Mittlerweile habe ich weitergelesen und bin beim Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gelandet. Als der Autor, Simon Jenkins, die Hintergründe beschreibt und wie es dazu kam, gibt er auch diesen Satz von sich: „America was far better treated than Ireland.“ (S. 180). Vorher heißt es noch: „The protested Stamp Acts were imposed throughout the empire, as were other trade restrictions, while the colonists enjoyed their own assemblies and were for the most part autonomous“ (S. 180). Bin ich die Einzige, der da gewisse Parallelen auffallen?
Großbritannien genießt im Vergleich zu anderen EU-Staaten einige Vorteile, dennoch wollen die Briten diese verlassen – und nicht beispielsweise Frankreich oder Italien, die den „Briten-Rabatt“ zum größten Teil ausgleichen müssen. Hätten diese nicht viel mehr Grund, sich über ihre Mitgliedschaft in der EU aufzuregen? (Wen es interessiert: diesen SPIEGEL-Artikel zum Thema Ausgaben des UK für die EU finde ich sehr gut.)

Jetzt geht es mir hier nicht darum, mich über den Brexit aufzuregen. Er macht in meinen Augen nur etwas deutlich, das ich regelmäßig in Büchern von Briten über ihre eigene Geschichte merke: sie scheinen noch nicht wirklich darüber hinweggekommen zu sein, kein Empire mehr zu haben und nicht die gleiche Stellung als Weltmacht wie vor noch hundert Jahren innezuhaben.
Wo Simon Jenkins sich in dem Bücher sich darüber aufgeregt, dass Amerika es sich herausnimmt, sich vom Mutterland abzuspalten, machen die Briten nun das gleiche in der EU – obwohl man stark davon ausgehen darf, dass es hier eher nicht zu einem Krieg kommt und man auch erst sehen muss, wie das UK außerhalb der EU zurecht kommt.
Es ist ein Thema, das regelmäßig in historischen Büchern aufkommt, die von einem britischen Autor geschrieben wurde: diese (zumindest meistens) unterschwellige Verachtung gegenüber anderen Ländern. In gewisser Form bekomme ich das bei meiner Gastfamilie (ihr wisst schon: nicht besonders intelligent usw.) regelmäßig zu spüren. Sei es nun, dass man sich über meinen Akzent lustig macht, obwohl man es nicht einmal schafft, einen kompletten Satz in auch nur EINER Fremdsprache von sich zu geben (ich komme immerhin auf zwei Fremdsprachen), oder dass regelmäßig klar gestellt wird, dass Menschen in Kenia komplett eins an der Waffel haben, Beschneidung sowieso das Letzte ist was die Welt braucht und ein u in biscuit einzubauen auch zum wegschmeißen ist: mich nervt das mittlerweile nur noch. Ich bekomme oft das Gefühl, dass viele Briten dazu tendieren, rassistisch zu sein, wenn auch oft nur unterschwellig. Sie halten sich immer für etwas besseres und zeigen mir damit doch nur, dass sie die Vergangenheit nicht so wirklich ruhen lassen können.

Apropos Vergangenheit: darin, sich mit ihrer Vergangenheit zu rühmen, kommen den Briten wohl nur die Amerikaner gleich. Vielleicht stößt mich das so ab, weil ich aus einem Land komme, in dem zumindest die letzten hundert Jahre nicht unbedingt etwas sind, auf das man stolz sein kann und, wenn es um das Dritte Reich geht, auch auf keinen Fall stolz sein sollte. Die Briten scheinen einfach gerne zu vergessen, dass ihre Geschichte auch sehr unrühmliche Seiten bietet, Stichwort Sklavenhandel oder Imperialismus, und suhlen sich stattdessen im Glanz ihres vergangenen Empires und eines Churchills, der sich gegen die Nazis gestellt hat. Nicht falsch verstehen: ich finde Churchill toll und lese mit Freude Texte und Bücher sowohl über ihn als auch von ihm.

Aber dass Großbritannien sich weigert, auch auf die weniger schönen Seiten ihres Empires zu schauen und sich besonders in historischen Büchern gerne als allen anderen überlegen darstellen, stößt mir regelmäßig auf. Dieses Buch hat quasi nur das Fass zum Überlaufen gebracht und ich musste mir das mal von der Seele schreiben.

Um mit einem Zitat aus dem Buch zu enden:

England’s history […] must be the most consistently eventful of any nation on earth.
– Simon Jenkins, A Short History of England, S. 7

Ähm … ich bin mir da ja nicht so ganz sicher!

Liebe Grüße
Celina xx (der jetzt schon weniger Dampf aus den Ohren kommt)

Der entfesselte Globus

Quelle: Carl Hanser Verlag
Quelle: Carl Hanser Verlag

Der entfesselte Globus | Ilija Trojanow | Carl Hanser Verlag | erschienen 2008
ISBN 978-3-446-23355-3 | 17,90€ (Hardcover)/8,99€ (E-Book)
Leseprobe und weitere Infos: Hanser

Über Ilija Trojanow:
Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren. 1971 floh die Familie nach München und erhielt politisches Asyl. Den Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte Trojanow allerdings in Nairobi. In München studierte er von 1984 bis 1989 Jura, Ethnologie und Havarie und bereiste Anfang der Neunziger Afrika. Ab 1998 lebte er für einige Zeit in Bombay.
Bereits 1993 erschien sein erstes Buch über Afrika und insbesondere seine Zuneigung zu Kenia. Zudem brachte er in einem Verlag, den er gegründet hatte (Marino Verlag) Übersetzungen afrikanischer Autoren heraus. Sein erster eigener Roman erschien 1996.
Er veröffentlicht regelmäßig Texte in unterschiedlichen Zeitungen und lebt mittlerweile in Wien.
Quelle und weitere Infos: Website von Ilija Trojanow

In Der entfesselte Globus berichtet über Erfahrungen, die er gemacht und zwar von seiner Kindheit in Nairobi an. Dabei geht es nicht nur um das reine Berichten, sondern auch darum, mehr über die Hintergründe von Geschehnissen und Situationen zu erfahren. Iljia Trojanow ist viel in der Welt herumgekommen und das spiegelt sich in diesem Buch wieder, das von Nairobi über Indien bis nach Bulgarien reicht.

Ich finde es unglaublich schwer, für dieses Buch eine Rezension zu schreiben (und schiebe es schon seit ein paar Tagen vor mir her). Ich kann nicht wirklich in Worte fassen, wie sehr mich dieses Buch beschäftigt.
Mit den Anekdoten und Erfahrungen über die Trojanow hier schreibt, führt er dem Leser vor Augen, wie absurd die westliche Welt oft ist und spricht dabei sowohl hochaktuelle Themen an, als auch Dinge, die mir nie bewusst waren, bevor ich dieses Buch gelesen habe.
Wenn ich an die Lektüre zurückdenke, so hat wohl eine Episode aus Südafrika bei mir am meisten Eindruck hinterlassen. Trojanow berichtet, wie sich ganz Südafrika über den Gewinn der Rugby-WM durch ein „weißes“ Team freute, während vier Jahre später Weiße jubelten, als die „schwarze“ Fußballmannschaft ein Spiel verlor. Vielleicht hat mich diese Geschichte so sehr beschäftigt, weil Rassismus auch in Deutschland zu einem immer präsenteren Thema wird und sie letztendlich auch aufzeigt, wie weit Rassismus gehen kann. Vielleicht aber auch, weil ich (naiv wie ich bin) immer noch denke, dass die Welt besser wird. Ich habe in der Schule über die Apartheid in Südafrika gelernt, habe Nelson Mandelas Autobiographie gelesen und hatte irgendwie immer das Gefühl und die Hoffnung, dass dieser extreme Rassismus in der Vergangenheit liegt. Es ist auch, als hätte man mir ein Tuch von den Augen gerissen und mich mit der Wahrheit konfrontiert.
Das ist etwas, was in diesem Buch häufiger geschieht – dass Trojanow unangenehme Wahrheiten ausspricht. Egal ob es nun um Rassismus in Südafrika, Slums in Indien, die Ignoranz des Westens gegenüber den Problemen, die er hervorgerufen hat, oder die sowjetische Vergangenheit Bulgariens geht: der Autor spricht Dinge an, die mir, zugegebenermaßen, oft nicht bewusst waren (ich habe mich noch nie ernsthaft mit der Vergangenheit Bulgariens auseinandergesetzt) und die vermutlich in den angesprochenen Ländern auch als beleidigend (in Ermangelung eines besseren Wortes) aufgefasst werden können.
Möglich, dass ich sehr naiv bin, möglich auch, dass ich gerne die Augen vor der Wahrheit verschließe – dieses Buch hat in mir den Wunsch geweckt, über den Tellerrand hinauszuschauen und etwas zu lernen über die Welt außerhalb meiner kleinen, gemütlichen Blase, in der ich alle Annehmlichkeiten habe, die ich mir wünsche, mir noch nie einen Schlafplatz aus Müll bauen musste oder wegen meiner Hautfarbe als minderwertig angesehen wurde.
Für mich war Der entfesselte Globus ein sehr aufrüttelndes Buch. Ich gebe gerne zu, dass ich ein absoluter Geschichtsfreak bin und stellt man mich vor die Wahl, Geld für den Besuch einer Burg auszugeben oder Klamotten einzukaufen, dann würde ich immer die Burg wählen. Ich denke auch nicht, dass es falsch ist, sich zu informieren und Bescheid über die Vergangenheit zu wissen – obwohl ich dann oft den Kopf gegen die Wand hauen könnte, weil die Menschen immer wieder die gleichen Fehler machen – und ich die Hoffnung habe, einer der Menschen werden zu können, die aus der Vergangenheit lernen. Aber dieses Buch hat mir doch auch gezeigt, dass es wichtig ist, Bescheid über die Gegenwart zu wissen und sich auch darüber zu informieren, was im Hier und Jetzt passiert – über das hinaus, was in den Nachrichten berichtet wird. Vielleicht auch mit der Hoffnung, dass man aus Fehlern lernen kann, die Menschen in genau diesem Augenblick machen (obwohl dann natürlich wieder zu entscheiden steht: was ist denn ein Fehler?).
Obwohl die Geschichten nicht „spannend“ sind, wie man es bei einem Krimi sagen würde, schafft Trojanow es, den Leser richtiggehend in das Geschehen zu ziehen. Er schreibt sehr anschaulich, sodass man die Personen, über die er berichtet, vor sich sehen kann.

Ein lesenswertes Buch, das ich mir sehr zu Herzen genommen habe und das mich noch immer beschäftigt und dies vermutlich auch noch für ein Weilchen tun wird. Ich kann es nur empfehlen, wenn man sich kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzen möchte – und meiner Meinung nach sollte man das unbedingt tun.

5Sterne

Naked Heat

Quelle: Titan Books
Quelle: Titan Books

Naked Heat | Richard Castle | Titan Books | erschienen 2012
ISBN 9781781166291 | £7.99

Über Richard Castle:
Richard Castle is the author of numerous bestsellers, including the critically acclaimed Derrick Storm series. His first novel, In a Hail of Bullets, published while he was still in college, received the Nom DePlume Society’s prestigious Tom Straw Award for Mystery Literature. Castle currently lives in Manhattan with his daughter and mother, both of whom infuse his life with humour and inspiration.
Quelle: Titan Books

Als die New Yorker Klatschreporterin Cassidy Towne ermordet wird, führen die Ermittlungen Nikki Heat nicht nur in die High Society New Yorks, sondern sie auch wieder mit dem Journalisten Jameson Rook zusammen. So muss sie sich nicht nur mit den Prominenten New Yorks und deren hochbezahlten Anwälten herumschlagen, sondern hat auch noch Rook am Hals – und zwischen den beiden flammt die Leidenschaft wieder auf …

Ich finde die Fernsehserie toll, daher konnte ich nicht widerstehen, als ich dieses Buch, den zweiten Teil der Serie um Nikki Heat, gesehen habe. Das erste Buch, Heat Wave, fand ich schon toll. Daher hatte ich die Hoffnung, dass mich dieses Buch nicht enttäuschen wird. Tatsächlich konnte es meine Erwartungen voll erfüllen.
Auch hier hat man wieder eine Mischung aus Spannung, Action und den witzigen Wortgefechten zwischen Heat und Rook. Die beiden arbeiten, ganz entgegen Heats Wünschen, in diesem Buch miteinander, da Rook das Opfer, eine bekannte Klatschreporterin, persönlich kannte.
Natürlich sind auch hier wieder die Parallelen zwischen den Personen des Buches und der Serie recht offensichtlich, exakt die gleichen sind sie aber nicht, besonders was das Private angeht.
Ich bin zwar ein Fan der Fernsehserie, aber ich habe nicht alle Folgen gesehen, daher kann ich nicht abschätzen, inwiefern die Bücher nur Handlungen aus der Serie wiedergibt. Ich fand sie auf jeden Fall spannend und die Wendungen, die dieser Fall nimmt, haben mich immer wieder überrascht. Ein, zwei Dinge waren vorhersehbar, aber auch das fand ich in Ordnung, denn auch echte Kriminalfälle sind manchmal vorhersehbar.
Einen Reiz der Bücher macht auch die Tatsache aus, dass es tatsächlich erscheint, als hätte Richard Castle aus der TV-Serie die Bücher geschrieben. Die Titel, Cover, Widmungen und sogar die Werbung im Buch sind alle genau auf die Serie zugeschnitten.
Es hat einfach Spaß gemacht, das Buch zu lesen und ich kann es nur empfehlen.

„It only takes one weak thread to make a case unravel, but it also only takes one tiny thread to pull it all together.“
– Nikki Heat (S. 277)

5Sterne

Ein ganz besonderes Jahr

Quelle: Piper
Quelle: Piper

Ein ganz besonderes Jahr | Thomas Montasser | Piper | erschienen 2016
ISBN 978-3-492-30689-8 | 8.99€ (Taschenbuch)
Leseprobe

Über Thomas Montasser:
Montasser wurde 1966 in München geboren, wo er auch heute noch mit seiner Frau und den drei Kindern lebt. Er ist besonders bekannt unter dem Pseudonym Fortunato.
Er studierte Jura, nachdem er Zivildienst in einer Klinik geleistet hatte. Nach dem Studium arbeitete er als Journalist und Herausgeber, insbesondere von Sachbüchern und Ratgebern. 2001 wandte er sich wieder der Literatur zu – sein Roman Die verbotenen Gärten erschien in dem Jahr.
Quelle: Wikipedia

Als Valeries Tante verschwindet, verfügt sie, dass ihre Nichte sich um ihren Buchladen kümmern soll. Diese beschließt, den Laden aufzulösen und ist als Betriebswirtin auch bestens dafür geeignet. Doch dann verfällt sie immer mehr dem Charme der kleinen Buchhandlung und den literarischen Schätzen, welche diese birgt. Eines Tages entdeckt sie ein mysteriöses Buch, das mitten in der Handlung endet. Sie hält es für einen Fehldruck und will es wegschmeißen, bis ein Kunde den Laden betritt, der dieses Büchlein offenbar seit längerem sucht.

Dieses Buch ist eines der Bücher, bei denen es mir unglaublich schwer fällt, eine Rezension zu schreiben. Aus dem einfachen Grund, dass ich sprachlos bin. Und zwar nicht weil das Buch furchtbar schlecht wäre, sondern aus genau dem Gegenteil: es hat mich sehr berührt, diese Geschichte zu lesen.
Es geht darin um etwas, das mir sehr bekannt ist, nämlich die Liebe zu guten Geschichten. Sehr oft konnte ich mich in Valerie wiedererkennen, wenn sie wieder einmal für Stunden in einem Buch versinkt, ohne besonders viel von der Außenwelt wahrzunehmen.
Besonders gefallen hat mir, wie sie sich verändert, nachdem sie den Buchladen übernimmt. Als hätten ihr die Bücher geholfen, festzustellen, was sie eigentlich will in ihrem Leben. Und auch die Idee, die hinter dem scheinbar unvollendeten Buch steckt, fand ich sehr berührend. Man merkt einfach, wie Valerie den Büchern immer mehr verfällt, ohne dabei sich selbst aus den Augen zu verlieren.
Toll fand ich auch, dass zwar regelmäßig Bücher erwähnt werden, die ich nicht kannte, oder an die ich mich noch nicht gewagt habe, aber dass der Autor es trotzdem schafft, dies nicht überheblich wirken zu lassen. Dies mag daran liegen, dass Valerie eigentlich keine Ahnung von Literatur hat und Bücher liest, die ihr gefallen. Dass es sich dabei in erster Linie um anspruchsvolle Literatur handelt, scheint eher Zufall zu sein. So hat dieses Buch in mir den Wunsch geweckt, mich auch einmal an ein paar dieser Bücher zu machen und sie zu lesen – schon allein, weil Valeries Begeisterung sehr ansteckend ist.

Ein Buch zu entdecken, das bedeutete, sich frei über die Notwendigkeiten des Alltags zu erheben und auch das eigene Leben für die Dauer der Lektüre aus dem Hier und Jetzt zu pflücken, um es an einen anderen Ort zu verpflanzen.
(76% Kindle Edition)

5Sterne

Die dunkle Stunde der Serenissima

Quelle: bücher.de
Quelle: bücher.de

Die dunkle Stunde der Serenissima | Donna Leon | Übersetzerin: Christa E. Seibicke | erstmals 2003 auf deutsch erschienen
ISBN 978-3-257-23448-0 | 12,00€ (Taschenbuch)

Über Donna Leon:
Leon wurde 1942 in New Jersey, USA, geboren. Sie studierte dort, in Perugia und Siena. Ab 1965 lebte sie im Ausland und war unter anderem als Reiseleiterin in Rom und Lehrerin, beispielsweise im Iran und in China, tätig. 1992 erschien ihr erster Kriminalroman, ein Jahr später auch in der deutschen Übersetzung, Venezianisches Finale, mit Commissario Brunetti. Seitdem erschien jedes Jahr ein Krimi um Brunetti, die in Deutschland bei Erscheinen jedes Mal die Bestsellerlisten anführen, sie weltweit bekannt machten und bisher in 35 Sprachen übersetzt wurden.
Seit 1981 lebt Donna Leon in Venedig, wo ihre Krimis spielen.
Quelle: Wikipedia

Eine Studentin Paolas bittet Brunetti um Rat. Sie will den guten Ruf ihres Großvaters wieder herstellen, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verurteilt wurde. Da der Fall so lange zurück liegt, misst Brunetti ihm zunächst wenig Beachtung bei. Kurz darauf wird die Studentin, Claudia, jedoch ermordet. Die Suche nach dem Täter führt Brunetti immer tiefer in Italiens Vergangenheit.

Mir macht es immer wieder Spaß, Bücher über Commissario Brunetti zu lesen.
Das liegt zum einen daran, dass ich hier das Gefühl bekommen, ein sehr authentisches Buch in den Händen zu halten. Das hängt zum einen mit der oft eintönigen Ermittlungsarbeit von Brunetti zusammen. Man kann sich vorstellen, dass es genau so abläuft: der oft recht gemütliche italienische Polizeiapparat, die nicht immer ganz gesetzestreue aber sehr zuverlässige Sekretärin und der Commissario, der oft ein bisschen idealistisch wirkt und sich doch nicht von den Desillusionierungen, die sein Beruf mit sich bringt, unterkriegen lässt.
Zum anderen bekomme ich hier das Gefühl, einen Einblick in die italienische Kultur, die Menschen und ihr Land, zu bekommen. Man spaziert mit Brunetti durch Venedigs Gassen, empört sich mit ihm über die Touristenmassen („Er hatte den Eindruck, als hätten sich die Körpermaße der amerikanischen Touristen in den letzten paar Jahren verdoppelt“, 15% Kindle Edition) und verarbeitet mit ihm die Abgründe der menschlichen Natur. Brunetti ist ein sehr sympathischer Mann, der zwar nie politisch ganz korrekt denkt, manchmal auch nicht so spricht und schon gleich zweimal nicht immer so handelt, aber das macht ihn zum einen auch authentischer und ist zum anderen auch spannend zu lesen. Hinzu kommt bei ihm ein Einfühlungsvermögen, das ich immer wieder erstaunlich finde.
Als Sahnehäubchen gibt es noch Brunettis Familie obendrauf. Die Streitereien zwischen seinen beiden Kindern sind einerseits wirklich lustig, andererseits mir (als Älteste von vieren) sehr vertraut. Und die Ehe mit Paola finde ich toll dargestellt. Die zwei kennen sich fast in- und auswendig, dennoch überrascht Paola ihn immer wieder und sie zeigen sich ihre Liebe mit kleinen Gesten, die mich jedes Mal berühren. Selbstverständlich gibt es auch hier Streitereien (oder, wie meine Eltern es ausdrücken: „Wir diskutieren!“), aber das gehört nun einmal dazu. Und selbst dabei merkt man noch, wie sehr sie einander schätzen.
Auch in diesem Buch behandelt Donna Leon wieder ein heikles Thema: den Umgang mit Kunst unter Mussolini. Dabei geht es nicht nur um die sogenannte „entartete Kunst“, sondern auch um Profithaie, die sich die Not von Juden und anderen Unterdrückten zum Vorteil gemacht haben und wertvolle Kunstwerke unter Wert aufgekauft haben. Das dies immer noch ein äußerst wunder Punkt der italienischen Geschichte ist, ebenso wie die Aufarbeitung der eigenen braunen Vergangenheit, merkt man in den Gesprächen, die Brunetti mit Zeitzeugen führt.
Donna Leon hat die Thematik auf sehr eindrückliche Weise dargestellt und mich oft nachdenklich gemacht. Ich habe aus der Geschichte den Eindruck gewonnen, das der Faschismus in Italien offenbar nie wirklich „ausgestorben“ ist. Und das die Italiener offenbar eine ganz andere Form der Vergangenheitsbewältigung gemacht haben, als dies in Deutschland der Fall war – nämlich Verdrängung. Brunettis Stiefvater, dessen Familie vor Mussolini ins Ausland geflohen war, sagt einmal über die Deutschen: „Spätestens nach dem Ende der Nürnberger Prozesse hätten die Alliierten ihnen ihre Vergangenheit bestimmt nicht mehr unter die Nase gerieben. Aber die Deutschen beschlossen von sich aus, Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, wenigstens bis zu einem gewissen Grad. Wir haben das nie getan […].“ Das hat mich besonders nachdenklich gestimmt, denn ich habe so noch nie darüber nachgedacht. Im Geschichtsunterricht wurde diese Vergangenheitsbewältigung als etwas dargestellt, das von den Alliierten kam. Nicht dass das etwas schlechtes wäre. Aber vielleicht zeigt der Unterschied zwischen Italien und Deutschland, der in Die dunkle Stunde der Serenissima gegeben wird, auch auf, welchen Weg Deutschland nach dem Krieg hätte nehmen können. Und ob wir damit wirklich glücklich wären …?

5Sterne

 


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Die Großen Vier

Quelle: Atlantik Verlag
Quelle: Atlantik Verlag

Die Großen Vier | Agatha Christie | Übersetzer: Giovanni Bandini | Atlantik Verlag | erstmals erschienen 1927 (engl.); diese Ausgabe 2015
ISBN 978-3-455-65053-2 | 10,00€ (Taschenbuch)

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford. Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Gerade als Poirot sich auf den Weg nach Südamerika machen will, taucht ein Unbekannter bei ihm auf, murmelt etwas von den „Großen Vier“ und bricht dann zusammen. Kurz darauf ist er tot. Schnell kommen Poirot und sein treuer Freund Captain Hastings einem international agierenden Verbrecherring auf die Spur – und begeben sich in Lebensgefahr, um diesen auszuschalten.

Die Großen Vier ist ein Buch von Christie, das sich ganz schön von den anderen Poirot-Büchern, wie ich sie kenne (und liebe) unterscheidet. Wo man es sonst gewohnt ist, dass Poirot mit den Leuten spricht und dann seine „kleinen grauen Zellen“ bemüht, hat Die Großen Vier mehr Ähnlichkeit mit einem Spionageroman.
Es gibt entschieden mehr Action, als dies sonst der Fall ist – Entführungen, Morddrohungen und lauter kleine Dinge, die Poitor in anderen Büchern als Mummpitz ansieht. Die „kleinen grauen Zellen“ werden zwar auch hier wieder bemüht, allerdings deutlich weniger als ich das gewohnt bin.
Außerdem erschien es mir oft, als hätte dieses Buch unter der Übersetzung gelitten. Ich kann zwar keinen Vergleich anstellen, da ich es nur auf deutsch gelesen habe, aber es kam mir so vor, als hätte man sich hier besonders Mühe gegeben, die Eigenarten Poirots herauszustellen. Das wirkte bemüht und geht im Original subtiler, letztendlich aber eindrücklicher, von Statten.
Gut gefallen haben mir aber die regelmäßigen Wendungen, die weder übertrieben noch unlogisch, aber überraschend sind. Außerdem hat Christie hier mit deutlich mehr Cliffhanger gearbeitet und das hat dem Buch doch Würze gegeben.

Meine Erwartungen konnte dieses Buch zwar nicht erfüllen, da ich mit einem typischen Poirot gerechnet habe, und dies hier nicht der Fall ist. Es hat dennoch Spaß gemacht, es zu lesen und war zudem spannend.

„Es ist ein Fehler, seinen Feind zu unterschätzen.“
– Hercule Poirot (74% Kindle Edition)

4Sterne

 


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Lost City of the Incas

Quelle: Orion Books
Quelle: Orion Books

Lost City of the Incas | Hiram Bingham | Phoenix | erstmals erschienen 1952; diese Ausgabe 2003
ISBN 978-1-8421-2585-4 | £9.99

Über Hiram Bingham:
Bingham wurde 1875 in Honolulu geboren und studierte in Yale, Harvard und Berkeley.
In den Jahren 1906 bis 1924 unternahm er sechs Expeditionen nach Südamerika. 1911 stießen er und sein Team auf die Ruinen der Inka-Stadt Machu Picchu. Allerdings konnte er die „Entdeckung“ der Stadt nicht für sich beanspruchen, da bereits über 40 Jahre vorher ein deutscher Entdecker, August Berns, auf die Ruinen gestoßen war. Bingham und sein Team legten die Ruinen jedoch frei und nahmen umfangreiche archäologische Untersuchungen vor.
1924 wurde er Gouverneur von Connecticut und zog noch im selben Jahr in den US-Senat ein.
Bingham war zweimal verheiratet. Von 1900 bis 1932 mit Alfreda Mitchell, der Erbin des Tiffany-Vermögens. Mit ihr hatte er sieben Söhne. 1937 heiratete er seine zweite Frau, Suzanne Carroll Hill.
1956 starb Hiram Bingham in Washington.
Quelle: Wikipedia

In diesem Buch beschreibt Hiram Bingham seine Suche nach Vilcabamba, die Hauptstadt des letzten herrschenden Inka. Dabei stößt er auf die Ruinen von Machu Picchu sowie zwei weitere Inka-Städte.
Dabei geht er nicht nur auf die Reise zu den Ruinen ein, sondern beschreibt auch die Entdeckungen in den Städten, sowie den Aufbau derselben.

Da ich in der Schule für einige Zeit Spanisch gelernt habe und wir dabei auch kurz auf die Geschichte der südamerikanischen Länder eingegangen sind, konnte ich diesem Buch nicht widerstehen, als ich es in der Buchhandlung gesehen habe. Ich finde die Inkas ein sehr interessantes Thema. Meiner Meinung nach gehen sie manchmal ein wenig unter, da für viele die Mayas interessanter scheinen. Aber besonders Machu Picchu würde ich gerne einmal sehen.
Dementsprechend war es für mich sehr reizend, die Geschichte von der „Entdeckung“ Machu Picchus zu lesen.
Mit Hiram Bingham und diesem Buch begibt man sich auf eine kleine Zeitreise in die Zeit der letzten Inka-Herrscher. Denn Bingham geht nicht nur auf die eigentliche Expedition ein, sondern auch auf die Geschichte der letzten Inkas (strenggenommen bezeichnet das Wort „Inka“ nur die herrschende Klasse, nicht das gesamte Volk), sowie deren Kultur und Ursprung. Das war für mich besonders interessant und auch wichtig, da ich wirklich eher wenig Ahnung davon hatte. So konnte man als Laie auch den weiteren Verlauf des Buches verstehen. Vieles davon war sehr erstaunlich, denn letztendlich hatten sie keine modernen Hilfsmittel und haben dennoch Werke vollbracht, die uns vermutlich heute noch vor Herausforderungen stellen würden.
Im Folgenden geht er zunächst auf die Entdeckung von Vitcos ein, wo Manco Cápac II. ermordet wurde. Manco gilt als der einzig bedeutende Inka-Herrscher nach der Eroberung Perus durch die Spanier. Die Anlage wurde entweder von ihm oder Pachacútec Yupanqui, dem Erbauer Machu Picchus, in Auftrag gegeben.
Eigentlich war Bingham auf der Suche nach Vilcabamba. Das Gebiet war der letzte Rückzugsort der Inkas nachdem die Spanier das Inka-Reich erobert hatten. Entdeckt wurde es letztendlich erst in den 1960er Jahren, da das Gebiet sehr schwer zugänglich ist. Noch immer sind Teile davon unerforscht.
Den größten Teil des Buches macht Machu Picchu aus. Hier beschreibt Bingham zunächst, wie er und sein Team die Stadt finden konnten. Dabei geht er auch auf die Lage der Stadt zwischen zwei Berggipfeln, Machu Picchu und Huayna Picchu, sowie die Entdeckung einiger Ruinen auf dem Huayna Picchu ein.
Sein Fokus liegt besonders auf den Entdeckungen von Alltagsgegenständen, sowie dem Aufbau der Häuser. Hierüber schreibt er sehr viel und oft bis ins kleinste Detail. Das hat mich wenig gestört, denn daraus ergeben sich immer mal wieder Abschweifungen in die Kultur der Inkas. Was mich aber immer wieder zur Verzweiflung gebracht bei der Beschreibung dieser Alltagsgegenstände, waren englische Wörter, die mir nicht geläufig waren. Einiges hat sich aus dem Zusammenhang ergeben, aber eben nicht alles. Und teilweise hat mich das auch in meinem Lesefluss gestört.

Alles in allem ist dieses Buch ein schöner Abenteuerroman, so toll geschrieben, dass man sich quasi vorstellen kann, direkt neben Bingham zum ersten Mal Machu Picchu zu sehen und es hat Fernweh in mir geweckt. Am Liebsten würde ich morgen nach Peru reisen, um die berühmten Ruinen selbst einmal zu sehen.

Few people realize how much they owe to the ancient Peruvians.
– Hiram Bingham (S. 23)

5Sterne

Für mehr Informationen, auch zum Kauf: Orion Books

Talking Dirty – Zusammengefasst

Talking Dirty von Jackie Ashenden

#1: Talking Dirty with the CEO (Christie & Joseph)
#2: Talking Dirty with the Player (Judith & Caleb)
#3: Talking Dirty with the Boss (Marisa & Luke)

Nachdem ich bereits ein anderes Buch aus dem Entangeld-Verlag gelesen habe, wurde ich auf diese Reihe aufmerksam und besonders der Klappentext zum ersten Buch hat mir richtig gut gefallen (dafür HIER klicken). Ich hatte anhand des Titels ein Buch erwartet, das sich vornehmlich um Sex dreht. In der Hinsicht wurde ich enttäuscht (oder auch nicht?). Stattdessen hält man eine Liebesgeschichte in der Hand, die ein wenig aus der Rolle fällt. Kennt man es von anderen Liebesgeschichten doch so, dass die Frauen eine traumatische Vergangenheit haben und von den Männern gerettet werden müssen (die natürlich auch „Alpha“-Männer sind, wie es immer so schön heißt), sind es in diesen Büchern doch eher die Männer, die eine größere Last mit sich herumschleppen. Zwar müssen (und können) sie nicht gerettet werden, aber ich hab es doch einmal als nette Abwechslung empfunden.
Ich habe bewusst „eine Last“ gesagt, denn auch das gefällt mir an diesen Büchern gut: Keine der Protagonisten hat eine übermäßig traumatische Vergangenheit, die Vergewaltigungen, Entführungen, Ermordungen und was man sonst noch so kennt, beinhaltet. Auch damit fällt dieses Buch aus der Rolle, denn mittlerweile erscheint es mir oft so, dass die Mädels in den Büchern alle mal vergewaltigt wurden, um sich dann ihr Happy Ending zu verdienen. Das ist klar ein bisschen überspitzt dargestellt, aber warum kann ich keine Bücher finden, in denen zwei ganz normale Menschen, die ein ganz normales Leben führen und geführt haben, zueinander finden?
Eine kleine Sache hat mir doch widerfallen: diese Problemchen, welche die Männer haben, wurden in meinen Augen teilweise zu sehr hochgeschaukelt. Ich bin keine Expertin für diese Dinge (ich will hier ja nicht spoilern), aber manchmal fand ich die Darstellung durch die Autorin übertrieben.
Gut hat mir an diesen Büchern dafür gefallen, wie (und dass) sich die Gefühle zwischen den Pärchen jeweils entwickeln und man das als Leser bemerkt. Sie lassen sich nicht einfach Hals über Kopf in eine Beziehung ein, sondern lernen sich kennen. Und dieses Kennenlernen wird von der Autorin auf so schöne Weise dargelegt, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen konnte und in einem Rutsch durchgelesen habe.

Für mehr Infos: Jackie Ashendens Website
Bildquelle: Entangeld

PS: Irgendwelche Tipps, was Liebesromane mit zwei ganz normalen Personen ohne traumatischen Hintergrund angeht?