Rezension – Das Patriarchat der Dinge

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In Das Patriarchat der Dinge öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen es für Frauen hat. […]
Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte leicht zu bedienen? Für wen ist das Internet? Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.
Quelle: DuMont-Verlag

Vielen Dank an NetGalley.de und den DuMont-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Invisible Women von Caroline Criado-Perez gelesen habe. Dennoch kam mir in Das Patriarchat der Dinge einiges bekannt vor. In meinen Augen lohnt es sich trotzdem, auch Endlers Buch zu lesen. Die Gründe dafür stelle ich euch in diesem Beitrag vor, der eher ein Vergleich, weniger eine Rezension, ist.

1. Endlers schließt nicht-cis und nicht-weiße Menschen ein
Bei Invisible Women lag der Fokus ausschließlich auf cis Frauen. Intersektionalität spielte kaum eine Rolle. Ich bin mir im Nachhinein nicht mehr sicher, ob Criado-Perez vielleicht im medizinischen Teil auf Nachteile für Schwarze einging (also strukturellen Rassismus in der Medizin), wenn, dann aber vermutlich nur Rassismus gegen Schwarze cis Frauen. Das ist schon ein Anfang. Endler zeigt, dass es noch besser geht. Sie hat ein Kapitel über die Benachteiligung(en) von nicht-cis, nicht-weißen und nicht-able bodied Menschen geschrieben und diese auch im restlichen Buch immer wieder miteinbezogen.

2. Auch deutsche Beispiele werden genannt
In meinem Umfeld kam als Argument, wenn ich Criado-Perez‘ Buch als Referenz gegeben haben: „Ja, aber das sind ja die USA. Das kann man mit der Situation hier GAR NICHT vergleichen.“ Einmal abgesehen davon, dass Criado-Perez Britin ist und eben nicht nur US-amerikanische Beispiele bringt und Gender Data Gaps aus den USA auch in Europa Auswirkungen haben, schließt Endlers Buch diese Lücke. Jetzt kann ich meiner Familie auch deutsche Beispiele um die Ohren hauen.

3. Endler zeigt patriarchale Strukturen auf
Letztendlich muss man sagen, das beide Bücher halten, was ihre Titel versprechen. Criado-Perez beschreibt die Gender Data Gaps und ihre Auswirkungen auf cis Frauen. Das tut Endler auch, allerdings geht sie noch dazu auf die zugrunde liegenden patriarchalen Strukturen ein. Damit wird der Teufelskreis, in dem wir uns befinden, deutlich. Das patriarchale System macht es Menschen, die nicht weiß, cis, able bodied und männlich sind, ungleich schwerer, erfolgreich zu werden (auch auf nicht-kapitalistische Weise) und bestätigt sich damit permanent selbst.

Das Patriarchat der Dinge kann ich euch also auch dann empfehlen, wenn ich Invisible Women bereits gelesen habt. Und falls ihr keines der beiden Bücher kennt: worauf wartet ihr noch?!

Bewertung: 4 von 5.

Über Rebekka Endler:
Rebekka Endler arbeitet als freie Autorin, Journalistin und Podcasterin. Das Patriarchat der Dinge ist ihr erstes Buch.
Quelle: DuMont-Verlag

WERBUNG

Hardcover: ISBN 978-3-8321-8136-9 | 22,00 €
E-Book: ISBN 978-3-8321-7091-2 | 15,99 €
erschienen 2021 | 336 Seiten

Verlagswebseite zum Buch

Rebekka Endlers Webseite


Bildquellen
Cover: DuMont-Verlag
Autorin: DuMont-Verlag (© Frederike Wetzels)

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