Rezension – I’ll Be Gone in the Dark

Zwischen 1976 und ’86 wurde Kalifornien von einer Vergewaltigungs- und Mordserie erschüttert. Zunächst wurde der Täter unter verschiedenen Namen bekannt, bis dank Fortschritten in der DNA-Analyse festgestellt werden konnte, dass es sich um ein und denselben Mann handelte. Michelle McNamara nannte ihn den Golden State Killer und unter diesem Namen und auch dank dieses Buches erhielten die unaufgeklärten Fälle einiges an Aufmerksamkeit. McNamara starb 2016, bevor sie das Buch fertigstellen konnte (das übernahmen zwei Freunde) und zwei Jahre, bevor der Golden State Killer (GSK) gefasst wurde.

Bisher habe ich nur sehr wenige True-Crime-Bücher gelesen. Aber ich habe schon seeeehr viele True-Crime-Dokumentationen und -Podcast gesehen und gehört, britische, amerikanische und deutsche. Es waren gute und schlechte dabei, aber I’ll Be Gone in the Dark ist das Beste, was ich je aus diesem Genre gehört, gesehen oder gelesen habe.

Das Buch ist unterteilt in drei Teile. Der Untertitel beschreibt die ersten beiden sehr genau: Zunächst berichtet Michelle McNamara von den Taten des GSK und in Teil 2 von ihrer Suche nach ihm. Anders als man annehmen könnte, liegt McNamaras Fokus nicht auf dem Täter. Sie beschreibt die Leben der Opfer und die letzten Tage derer, die gestorben sind. Sie beschreibt die kleinen Sachen, die im Vorhinein der Tat geschahen; im Nachhinein Zeichen für das Ausspähen durch den GSK, aber von den Opfern als irrelevant oder eigene Gedankenlosigkeit abgetan.
Das war vielleicht das Erschreckendste an I’ll Be Gone in the Dark: mir würde vermutlich auch nicht auffallen, dass jemand meinen Tagesablauf ausspioniert oder sich einen Zugang zum Haus offenhält.

Neben den Opfern beleuchtet McNamara die Ermittler*innen, die in unterschiedlichen Stadien an den Ermittlungen zur Erfassung des Vergewaltigers und Mörders beteiligt waren. Sie zeigt, welche Ansätze verfolgt wurden, wie einerseits damit zu kämpfen war, dass kein Hinweis zu etwas führte und andererseits eine zunehmende Abstumpfung einsetzte, immer wieder die gleichen furchtbaren Szenen zu sehen.

Michelle McNamaras Schreibstil ist unglaublich. Das zeigt sich insbesondere in den Unterschieden zwischen Teilen 1 und 2 (geschrieben von Michelle McNamara) und Teil 3 (geschrieben von ihren beiden Freunden). McNamara schreibt sehr empathisch und ohne die Sensationsgier, die sonst häufig True-Crime-Dokumentationen auszeichnet. Sie schafft es einerseits, die teils brutalen Fakten des Falls zu beschreiben und andererseits, nicht zu sehr ins Technische abzugleiten und dadurch eine Art Barriere zwischen Leser*innen und Opfern aufzubauen – das was in Teil 3 passiert.

Ihr habt jetzt vielleicht schon mitbekommen, dass ich von I’ll Be Gone in the Dark komplett begeistert bin (auch wenn sich das Wort in diesem Zusammenhang falsch anhört). Es hat mich lange beschäftigt und ich fand es nicht nur sehr schwierig, alles zu lesen, sondern auch, diese Rezension zu schreiben. Wenn ihr ein wirklich, wirklich gutes Buch über eine Fall lesen wollt, der viele Menschen negativ berührt und beeinflusst hat und bis heute nachhallt, nehmt dieses zur Hand.

Bewertung: 5 von 5.

Weitere Meinungen zum Buch:
The Read Pack („Das Buch ist sachlich und trotzdem spannender als viele Kriminalromane, ungewöhnlich gutes Lesefutter für Fans von True-Crime-Geschichten.“)
Zwischen den Zeilen („Ihr werdet momentan keine andere True-Crime-Story finden, die sich derart unterhaltsam liest, die mit der Intensität, der Ehrlichkeit, der Authentizität und der atmosphärischen Komponente dieses Werkes mithalten kann.“)
Mo und die Macht der Buchstaben („Michelle McNamara verstand es ausgezeichnet, die Schrecken längst vergangener Tage nicht vergessen zu machen und sie wieder zum Leben zu erwecken.“)


Über Michelle McNamara:
McNamara wurde 1970 in Illinois, USA, als jüngstes von sechs Geschwistern geboren.
Sie studierte Englisch, machte einen Master in Kreativem Schreiben und arbeitete als Autorin für Film und Fernsehen. 2006 ging ihre Website True Crime Diary online. McNamara verschrieb sich insbesondere der Suche nach dem Golden State Killer; ihre Faszination für True Crime rührte allerdings von der ungelösten Tötung einer jungen Frau in der Nähe von McNamaras Wohnort als Kind.
2005 heiratete sie den Schauspieler Patton Oswalt, mit dem sie 2009 eine Tochter bekam.
Michelle McNamara verstarb im April 2016 in Los Angeles an den Auswirkungen mehrerer Medikamente auf eine nicht diagnostizierten Herzerkrankung.
Quelle: Wikipedia

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Hardcover: ISBN 978-0-0623-1978-4 | 23,99 €
Taschenbuch: ISBN 978-0-0623-1979-1 | 12,99 €
E-Book: ISBN 978-0-5713-4516-8 | 7,99 €
erschienen 2018 | 368 Seiten
Deutscher Titel: Ich ging in die Dunkelheit | Übersetzerin: Eva Kemper

US-Verlagswebseite zum Buch | deutsche Verlagswebseite zum Buch

True Crime Diary, der Blog von Michelle McNamara


Bildquellen
Cover: HarperCollins
Autorin: All That’s Interesting

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