Rezension – Lange Schatten über der Côte d’Azur

Auf dem jüdischen Teil des Le Grand Jas, Cannes‘ Friedhof, wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Kommissar Duval wird mit der Aufklärung des Verbrechens beauftragt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Opfer um einen Juden handelt. Dieser hatte sich kurz vor seinem Tod mit seiner Familiengeschichte beschäftigt und war dabei auch mit Mitgliedern einer der bekanntesten Familien Cannes‘ aneinandergeraten. Duval muss die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass eine Geschichte, die während der Nazi-Zeit begann, in der Gegenwart nachwirkt.

CW für das Buch am Ende des Beitrags

Vielen Dank an NetGalley.de und den KiWi-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Dieses Buch hätte so, so gut sein können: Frankreich und das Mittelmeer als Background für einen Krimi, der sich mit einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas auseinandersetzt und im Zuge dessen auf den heute noch herrschenden Antisemitismus eingeht. Mich konnte Lange Schatten über der Côte d’Azur aber leider nicht überzeugen.

Insbesondere bin ich mit Kommissar Duval nicht warm geworden. Die Beziehung zu seiner Freundin Annie hat mich ehrlich gesagt ratlos zurückgelassen. Ich kenne die vorherigen sieben Bände um den französischen Kommissar nicht und weiß daher auch nicht, wie sich die Beziehung der beiden entwickelt hat. Es wird aber deutlich, dass die beiden ein recht großer Altersunterschied trennt und Annie als Journalistin arbeitet, die trotz Baby bald wieder in ihren Beruf zurückkehren will. Ich konnte mich sehr gut in Annie hineinfühlen, während Duval ihre Sorgen häufig einfach abtat.

Regelmäßig wird im Buch zudem das Thema Political Correctness angesprochen. Dabei trafen in Form zweier Kollegen Duvals regelmäßig Welten aufeinander: einerseits eine lesbische Mitarbeiterin mit feministischer Weltanschauung und andererseits ein edgy und chauvinistischer, man kann es nicht anders sagen: Arsch. Dass Duval dabei nicht einmal Stellung bezieht, sondern auch hier eher die Kollegin „runterlaufen“ lässt, ist aussagekräftig.

Ganz generell hatte ich im Buch häufig das Gefühl bekommen, von allen möglichen Seiten und eben auch besonders durch Duval, dass man sich über das Bemühen marginalisierter Gruppen, etwas gegen diskriminierende Sprache und Diskriminerungen zu tun, lustig macht und sie als nicht wichtig abtut. Entsprechend unpassend fand ich es dann, ausgerechnet einem solchen Ermittler einen Fall anzudichten, bei dem es so explizit um Diskriminierung(en) geht.

Auch die Auflösung des Falls war für mich enttäuschend. In meinen Augen fand ein Stück weit Victim Blaming statt, insbesondere, da mit dem Voruteil des gierigen Juden gearbeitet wurde.

Alles in allem, kann ich euch dieses Buch also nicht empfehlen. Das einzig Positive ist die Kulisse, vor der sich die Geschichte abspielt, denn Südfrankreich ist nun einmal schön. Daran kann auch ein Krimi voll Negativem nichts ändern.

Bewertung: 2 von 5.

Über Christine Cazon:
Christine Cazon wurde 1962 geboren. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes.
Quelle: Website von C. Cazon

WERBUNG

Taschenbuch: ISBN 978-3-462-00116-7 | 11,00 €
eBook: ISBN 978-3-462-30282-0 | 9,99 €
erschienen 2021 | 304 Seiten

Verlagswebseite zum Buch

Website von Christine Cazon


Bildquellen
Cover: KiWi-Verlag
Autorin: Website von C. Cazon

CW für das Buch: Antisemitismus, Reproduktion rassistischer Begriffe, Sexismus

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