Rezension – Das Geheimnis der Madame Yin

Vielen Dank an den Pro-Talk Verlag für das Rezensionsexemplar!

Vordergründig scheint der Auftrag der Pinkerton-Detektivin Celeste Summersteen recht einfach zu sein: Sie soll die 16jährige Dorothea Ellingsford von Chicago zu ihrer Familie nach London begleiten. Viel schwieriger ist aber der eigentliche Auftrag: sie soll den Mörder von einer Freundin Dorotheas finden. Denn deren Tante, Celestes Auftragsgeberin, ist der Meinung, dass auch Dorothea in Gefahr ist.
Kaum in London angekommen, gibt es neue Entwicklungen: Madame Yin, mächtige Drogenbaronin, wird auf die gleiche Weise ermordet. Worin besteht die Verbindung zwischen einer zwielichtigen ehemaligen Prostituierten und der Freundin Dorotheas aus gutem Hause? Und wie kann man die sogenannte Themsebestie aufhalten, wo doch das Morden kein Ende nimmt?

Leseprobe (pdf)

Ah … yes, please!

Als mir dieses Rezensionsexemplar angeboten wurde, konnte ich einfach nicht nein sagen und dafür gibt es mehrere gute Gründe: das Cover hat mir super gefallen, der Klappentext hat mir auch zugesagt, es gibt eine weibliche Detektivin in einem historischen Krimi und, last but not least, es spielt in London. Mehr als genug Gründe also und zudem ein Haufen Sympathiepunkte, die das Buch aber gar nicht braucht, um bei mir gut anzukommen.

Nicht immer überzeugend

Ein oder zwei Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Zum einen gab es in meinen Augen ein paar unnötige Längen. Aufgebaut wurden sie meistens durch überlange Umgebungs- und Personenbeschreibungen. Besonders ärgerlich war das, wenn gerade ordentlich Spannung durch die Mörderjagd aufgebaut wurde und diese dann in den Beschreibungen verpuffte. Hier trifft also zu, dass manchmal weniger doch mehr ist.
Zudem war ich mir bei Celeste ständig unsicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Einerseits scheint sie immer genau das richtige zu tun und immer die richtige Spürnase zu haben, andererseits erfährt man über sie in meinen Augen recht wenig. Dadurch blieb sie durchgehend weniger lebendig und echt als die anderen Personen des Buches. Nach 400 Seiten, die man in Begleitung eines Protagonisten verbringt, sollte dieser einfach mehr Farbe angenommen haben. Celeste dagegen wirkt oft wie eine Marionette, die einfach nur ihren Job macht und nur für diesen lebt. Selbst wenn betont wird, dass sie Dorothea leiden kann, wird dies durch ihre Taten nicht deutlich.

„Ich arbeite nicht mit einer Frau zusammen. Unter gar keinen Umständen.“
– Inspector Edwards, S. 135

Umso besser gelungen ist dafür der andere Hauptcharakter im Buch: Inspector Robert Edwards von Scotland Yard. Mit diesem hat Nathan Winters voll ins Schwarze getroffen und ich konnte den leicht herablassenden, sehr britischen Inspector, der auf keinen Fall mit einer Frau zusammenarbeiten will, förmlich vor mir sehen. Er reagiert entsprechend verschnupft darauf, dass er gezwungenermaßen Celeste als vorübergehende Partnerin akzeptieren muss.
Sympathisch war er mir dennoch von Anfang an, da er zwar manchmal herablassend ist, aber nicht auf Menschen herabschaut, nur weil sie im Rang unter ihm stehen. Er ist vor allem herablassend, wenn sich jemand seinen Respekt verspielt hat.
Andererseits lässt er aber zu, dass die Menschen sich seinen Respekt verdienen und sieht auch ein, wenn er jemanden falsch eingeschätzt hat. So zollt er schlussendlich auch als einziger von offizieller Seite Celeste die Anerkennung, die sie verdient hat.

„Mit den Weibern hat man nichts als Ärger, […] aber was wär’n wir schon ohne sie? Nicht mal auf dieser Welt. Stimmt’s, oder hab ich Recht?“
– Tobias Gold, S. 366

Wenn wir schon bei den Personen des Buches sind: da sind einige echte Schätzer dabei. Einer davon hat obiges Zitat von sich gegeben und auch sonst gibt es viele echte Persönlichkeiten – sympathische ebenso wie unsympathische.
Auch an der Geschichte selbst gibt es wirklich nichts auszusetzen. Der Fall wird nicht durch pures Glück gelöst, sondern durch Hartnäckigkeit sowohl von Seiten Celestes als auch Edwards. Zudem ergänzen sich die Ergebnisse der beiden auf sehr natürliche Weise, es wirkt nie in irgendeiner Form gezwungen.
Es wird deutlich, dass im viktorianischen London Männer ganz andere Möglichkeiten hatten, Edwards zudem als „Copper“ mehr Autorität besitzt. Celeste als Frau wirkt dagegen unschuldiger und vor allem weniger gefährlich und verschafft sich so einen Vorteil.
Die Hintergründe der Morde sind glaubwürdig und man bekommt auch nicht auf einen Schlag alle Informationen, sondern immer tröpfchenweise und kann mitraten, wer wohl der Mörder ist.Obwohl ich mit Celeste nie ganz warm wurde, muss man ihr lassen, dass sie sich selbstständig ein gutes Leben aufgebaut hat. Mit ihr hat Winters trotz allem eine starke Hauptfigur geschaffen, die dennoch nicht über die Stränge der damaligen Konventionen schlägt.
Auch andere Frauen im Buch schöpfen ihre beschränkten Möglichkeiten voll aus, zudem zeigt sich, dass privat dann doch nicht unbedingt die Männer die Hosen anhatten. Man merkt, dass der Autor viel Mühe in seine Recherche gesteckt hat, denn aus meiner laienhaften Sicht wage ich zu behaupten, dass ein realistisches Bild vom London des 19. Jahrhunderts gemalt wird.
Es wird wieder einmal deutlich welch elendes Leben ein Großteil der Menschen im industrialisierten England spielten. Besonders interessant fand ich dabei, zu lesen, wie schwer es war, gesellschaftlich aufzusteigen, aber wie schnell die Reichen und Angesehenen abstürzten.

Wer sich ein wenig für das Leben im viktorianischen London interessiert und zudem Freude an einem Krimi hat, der manchmal auch eher gemächlich daher kommt, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen. Mir hat es trotz kleinerer Kritikpunkte sehr viel Freude bereitet!

„Ich bin bereit, mein Leben für Ihre Tochter zu riskieren. Was sind sie bereit, zu tun?“
– Celeste Summersteen, S. 346

Über Nathan Winters:
Winters ist ein Pseudonym von Jürgen Bärbig. Er wurde 1971 in der Nähe von Aachen geboren und ist gelernter Maler. Er schreibt schon seit den Neunzigern Romane, das aber mit mäßigem Erfolg, sodass er den Traum vom Schreiben an den Nagel hängte. 2010 begann er wieder damit und wurde 2014 Stipendiat der der Bastei Lübbe Masterclass, in deren Rahmen eine Kurzgeschichte veröffentlicht wurde. 2016 erschien Three Oaks, eine Westernserie.
Quelle: Pro-Talk Verlag, Website des Autors


Quelle des Covers: KongKing PR-Agentur

Quelle London stilisiert: SpreadShirtMedia

Quelle Autorenbild: KongKing PR-Agentur

Rezension – The 12.30 from Croydon

Quelle: British Library
Quelle: British Library

The 12.30 from Croydon | Freeman Wills Crofts | British Library | 347 Seiten | erstmals erschienen 1934, diese Ausgabe 2016
ISBN 978-0-7123-5649-7 | £8.99

Die Geschichte beginnt damit, dass Andrew Crowther im Flugzeug auf dem Weg von Croydon nach Paris tot aufgefunden wird. Danach nimmt das Buch einen anderen Verlauf als erwartet, denn von nun an wird die Geschichte aus Sicht des Mörders beschrieben. Man begleitet ihn von seinem ersten Entschluss, den alten Mann zu töten, über seine Vorbereitungen bis hin zu den Ermittlungen der Polizei und wie er diese erlebt.

British Library Crime Classics

Die British Library hat Krimis aus der Blütezeit des englischen Krimi in der Reihe British Library Crime Classics neu aufgelegt. Aus dieser Reihe habe ich bereits mehrere Bücher gelesen (Capital Crimes, Silent Nights und Mystery in White), zudem liebe ich die Poirot-Geschichten von Agatha Christie, welche ebenfalls in die Ära fallen, der die British Library nun zu erneuter Aufmerksamkeit verhilft. Als ich daher im örtlichen British Shop über dieses Buch gestolpert bin, konnte ich nicht widerstehen.

A very special idea

Neben der Tatsache, dass es ein Buch der British Library Crime Classics ist, hat mich auch die Idee, die Geschichte komplett aus der Sicht des Mörders zu lesen, sofort überzeugt und ich wollte unbedingt wissen, ob und inwiefern dann noch Spannung aufgebaut werden kann. Spontan fällt mir zudem kein anderes Buch ein, in dem der Mörder so stark zu Wort kommt.
In meinen Augen ist es Croft wunderbar gelungen, diese Idee umzusetzen. Es gibt zwar ein paar Stellen, an denen sich das Buch zieht und besonders zu Beginn habe ich darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Aber letztendlich baut das Buch eine Menge Spannung auf – und die war bei mir sehr ambivalent.
Einerseits will man unbedingt, dass Andrew Crwother Gerechtigkeit widerfährt. Andererseits bekommt man alles aus der Sicht des Mörders erzählt und ich habe, trotz allem, mit diesem mitgefühlt. Aus seiner Sicht will man selbstverständlich nicht, dass die Polizei hinter seinen Plot kommt.

Zaudern mit sich selbst

Bei mir hat diese sehr widersprüchliche Spannung dafür gesorgt, dass ich auch noch Tage nach dem Lesen über das Buch nachgedacht habe und teilweise mit mir selbst gehadert habe. Ständig habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie ich tatsächlich einem Mörder wünschte, dass er davon kommt.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich der Meinung war, dass in fiktiven Morden das Mordopfer verdient hatte, was passiert ist, beispielsweise wenn dieser seine Kinder oder Frau misshandelt hat, oder andere Menschen wissentlich durch sein Handeln in Unglück gestürzt hat.
Keines von beidem ist hier der Fall und dennoch ertappte ich mich manchmal dabei, dass ich dem Mörder die Freiheit wünschte.

Letztendlich denke ich, dass das die Sache ist, welche dieses Buch für mich zu einer wirklich spannenden Lektüre gemacht hat und dafür sorgen wird, dass es mir trotz der uralten Grundgeschichte – nämlich Mord – noch ein ganzes Weilchen in Erinnerung bleibt. Allerdings gab es besonders zu Beginn immer wieder einige Längen, welche dafür gesorgt haben, dass ich das Buch teilweise nicht so sehr genossen habe, wie es möglich gewesen wäre.

How strange it was […] that the useless and obstructive so often live on, while the valuable and progressive die early!
– Charles Swinburn, p. 76

Über Freeman Wills Croft:
Croft wurde 1879 in Dublin geboren und machte ab 1896 eine Ausbildung zum Ingenieur von Schienensystemen im Unternehmen, in dem sein Onkel arbeitete. Bereits drei Jahre später fand er Anstellung in leitender Position einer anderen Firma.
Diesen Beruf übte er jahrelang aus, bis er 1919 erkrankte und das Schreiben von seinem Arzt als Ablenkung empfohlen bekam. Bereits ein Jahr später erschien sein Debütroman The Cask (dt.: Die Frau im Fass), welcher von Kritikern hochgelobt wurde.
Ab 1929 widmete er sich vollständig dem Schreiben und verfasste bis zu seinem Tod im Jahre 1957 mehr als 40 Werke, der Großteil davon sind Kriminalromane. Einige seiner Bücher sind auch auf deutsch erhältlich.
Ab 1930 gehörte er zudem dem bekannten Detection Club an, zu dessen Mitglieder bekannte Namen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Anthony Berkeley gehörten.
Crofts war von 1912 an mit Mary Bellas Canning verheiratet, die Ehe bleib kinderlos.
Quelle: Wikipedia zu Crofts und dem Detection Club

Weitere Meinungen zum Buch:


Bildquelle British Library-Logo: Wikipedia
Bildquelle Poster: Railway Posters
Bildquelle Autorenbild: National Portrait Gallery (Bild Nr. x156450; by Bassano, half-plate film negative, 13 June 1939)

Rezension – Speaking in Bones

Quelle: Arrow Books
Quelle: Arrow Books

Speaking in Bones | Kathy Reichs | Arrow Books | erschienen 2015
Taschenbuch: ISBN 978-0-09-955812-5 | 7.99£
E-Book: ISBN 978-1-44-818499-6 | 4.99£

Die Hobby-Detektivin Hazel Strike, genannt Lucky, ist überzeugt davon, den Namen zu einer nicht identifizierten Leiche gefunden zu haben. Sie tritt damit an die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan heran, denn in deren Labor liegen die Überreste. Zudem spielt sie ihr ein Audioband vor, dass sie am Fundort der Leiche entdeckt hat. Die verstörende Aufnahme lässt Brennan nicht mehr los und so beginnt sie ihre Ermittlungen. Doch jede neue Entdeckung scheint mehr Fragen und immer furchtbarere Theorien aufzuwerfen.

Noch in England habe ich bereits ein Buch von Kathy Reichs gelesen, Bones are forever. Jetzt habe ich, entgegen meines damaligen Entschlusses, ihre Bücher nur noch auf Deutsch zu lesen, wieder zu einer englischen Ausgabe gegriffen.
Auch hier hat mich die Geschichte nicht enttäuscht. Die Fernseh-Serie Bones, welche lose auf Kathy Reichs Büchern beruht, liebe ich immer noch. Und obwohl die Figuren aus den Büchern den Figuren der Serie kaum ähneln, finde ich auch diese super!
Ich lese nur selten Thriller, da sie mir meist zu blutrünstig und gruselig sind. Auch die Geschichte um Brennan ruft immer wieder Nervenkitzel hervor, aber genau im richtigen Maß. Dadurch, dass sie in erster Linie mit Knochen arbeitet, gibt es keine Beschreibungen verstümmelter Leichen. Der Fachjargon, der mich noch bei Bones are forever gestört hat, hat mir diesmal wenig ausgemacht. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass er kaum benutzt wurde oder sich mein Englisch nur verbessert hat, jedenfalls hat dieser dafür gesorgt, dass es ein trockener Ton bleibt. Keine blutrünstigen Erklärungen, die mich grün im Gesicht werden lassen.
Besonders gut fand ich, dass zu neuen Entdeckungen auch oft auch ausführlich über den historischen Hintergrund berichtet wird. Da sich der Fall stark auf das Thema Religiosität, teils auch Sektentum und Fanatismus, konzentriert, gibt es natürlich entsprechend viel und, in meinen Augen, interessante Historie dazu.
In meinen Augen gelingt es Reichs sehr gut, mit wenigen Worten ein Gefühl für einen Ort oder die Atmosphäre einer Situation zu schaffen. Auch bei Personen ergeht sie sich nicht in unnötig langen Beschreibungen, sondern konzentriert sich auf das Nötigste und lässt oftmals durch Kleinigkeiten – eine bestimmte Angewohnheit oder die Sprache – das Bild einer Person vor den Augen des Lesers erstehen. Überhaupt lässt sich sagen, dass es im Buch keine Längen gibt, welche die Spannung einschlafen lassen. Es gibt immer irgendeine Neuigkeit und irgendwas zu tun. Und trotz der knappen und meist sachlichen Sprache gelingt es ihr erstens die Gefühle von Brennan, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, deutlich zu machen und zweitens richtig witzige Szenen zu schreiben. Immer wieder ist mir bei Brennans trockenen Kommentaren ein Lacher entschlüpft.

Ich habe dieses Buch quasi inhaliert: Reichs trumpft wieder mit einer spannenden und gut geschriebenen Geschichte auf und ich werde definitiv weitere ihrer Bücher um Dr. Temperance Brennan lesen – auf englisch!

Does anyone ever change?
– Dr. Temperance Brennan, S. 153

5SterneÜber Kathy Reichs:
Kathy Reichs, mit vollem Namen Kathleen Joan Reichs, wurde 1950 in Chicago geboren. Sie studierte unter anderem Archäologie und ist als forensische Anthropologin tätig. Neben ihrer Arbeit als Dozentin für das FBI und als Professorin an der University of North Carolina, hat sie auch geholfen, Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center 2001 und exhumierte Leichen aus Massengräbern in Ruanda und Guatemala im Auftrag der UN zu identifizieren.
1997 erschien ihr erster Roman Déjà Dead (dt.: Tote lügen nicht) mit der Hauptfigur Dr. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin ist. Deren Fälle beruhen auf wahren Fällen, an denen Kathy Reichs beteiligt war. Mittlerweile sind weitere 17 Bücher mit Dr. Temperance Brennan erschienen. Seit 2005 gibt es zudem die Fernsehserie Bones; dafür wurden Teile der Romane übernommen, allerdings unterscheiden sich die Dr. Brennans aus Büchern und Film stark.
Kathy Reichs ist sein 1969 mit dem Untersuchungsrichter Paul Reichs verheiratet; sie haben drei Kinder.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death

Quelle: Little, Brown Book
Quelle: Little, Brown Book

Agatha Raisin and the Quiche of Death | M. C. Beaton | Constable Books | erstmals erschienen 1992, diese Ausgabe 2014
Taschenbuch: ISBN 978-1-4721-2067-0 | 7.99£

Agatha Raisin, Chefin einer PR-Agentur in London, beschließt, sich einen frühen Ruhestand zu gönnen und auf das Land zu ziehen – ein Kindheitstraum von ihr. Um dort Anschluss zu finden, nimmt sie an einem Quiche-Wettbewerb teil. Da sie jedoch nicht backen kann, kauft sie eine Spinat-Quiche. Nicht nur, dass der Juror ihrer perfekten – wenn auch gekauften – Quiche nicht den ersten Platz einräumt: am Abend stirbt er an eben jener! Agatha Raisin steht nicht nur als Lügnerin da, sondern gerät auch ins Visier der Ermittler. Um ihren Namen reinzuwaschen, muss sie herausfinden, wer den Mann wirklich auf dem Gewissen hat.

Während meines England-Aufenthalts habe ich hin und wieder den Trailer für die Agatha Raisin-Serie gesehen und dachte schon da, dass mich die Geschichten um diese eigenwillige Frau interessieren könnten.
Als mich Mimi von Mimis Leseecke also darüber informiert hat, dass ich mir ein Wunschbuch aussuchen darf, ist meine Wahl nach kurzem Überlegen auf dieses gefallen (überlegen musste ich trotzdem – es gibt so viele tolle Bücher, die ich lesen möchte).
Enttäuscht wurde ich definitiv nicht. M.C. Beaton braucht nicht lange, um voll ins Geschehen zu starten und besonders zu Beginn geht es auch Schlag auf Schlag: Agathas Umzug auf’s Land, ihr Entschluss an dem Wettbewerb teilzunehmen und der Tod des Jurors, Cummings-Browne. Teilweise gab es dann doch Strecken im Buch, wenn Agatha mit sich hadert, ob sie dessen Tod genauer unter die Lupe nehmen oder doch lieber auf die Polizei hören soll, die seinen Tod als Unfall abtut.
Es gab, neben der Geschichte selber, einige Dinge, die mir richtig gut an diesem Buch gefallen haben. Dazu zählt eindeutig Agatha Raisin. Es fällt ihr schwer, den Konventionen zu entsprechen, eigentlich ist an ihr fast gar nichts konventionell. Dadurch macht sie es den Menschen außerordentlich schwer, sie zu mögen. Agatha ist sehr oft sehr schnippisch und wenn ihr etwas gegen den Strich geht, dann zeigt sie dies auch deutlich. Andererseits sehnt sie sich danach, von den Menschen im Dorf gemocht zu werden, die anhaltende Einsamkeit während der ersten Zeit macht ihr zu schaffen. In dieser Hinsicht ist der Todesfall im Dorf ein wahrer Glücksfall für sie, denn so kommt sie mit den Leuten ins Gespräch. Die Einsamkeit und wie sie beschrieben wird, haben dafür gesorgt, dass sie mir sympathisch wurde. Es passiert nicht oft, dass ich so heftig zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber einem Protagonisten schwanke, was dieses Buch für mich von der Masse abhebt.

A faint idea was stirring somewhere in her brain that Agatha Raisin was not a very lovable person.
– S. 29

Daneben ist Agatha Raisin witzig. Sie hat eine bissige Art von Humor, typisch britisch, der mir richtig gut gefallen hat. Zudem machen sie ihre missmutigen und teils missgünstigen Gedanken sie nicht nur zu einer richtigen Persönlichkeit, sondern auch zu einer echten Person, mit der man sich identifizieren kann. Ich denke, es gibt niemanden, der immer gut gelaunt ist, immer ehrlich, ohne Probleme und Menschen nur das beste wünscht. Ich kann mich eindeutig besser mit Menschen identifizieren, wenn sie Macken und Fehler haben, schlecht gelaunt sind, sich über ihr Aussehen sorgen und andere Menschen ohne guten Grund nicht leiden können – denn dann sind sie wie ich. Und vielleicht ist das bei Agatha Raisin manchmal überspitzt dargestellt, vielleicht aber auch nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, ähnele ich ihr vielleicht öfter als mir lieb ist – zumindest was meine Gedanken angeht, sicher nicht in ihren Taten. Denn sie ist tough: viele Dinge, die sie macht und sagt, würde ich mir nie trauen und sie lässt sich auch nicht unterkriegen.
Auch in einem anderen Punkt hat mir die Figur Agatha gut gefallen: sie zeigt, entgegen der typischen Darstellungen, dass Frauen nicht verheiratet sein müssen oder Kinder haben müssen und durchaus in der Lage sind, für sich selber zu sorgen.
Eine andere Sache, die dieses Buch für mich zu einer schönen Lektüre gemacht hat, ist die Umgebung, in der es spielt. Carsley, Agatha Raisins neue Heimat, ist kein reales Dorf, aber Moreton-in-Marsh, die nächste größere Stadt, gibt es. Und es liegt in den Cotswolds, der Region, wo ich einen großen Teil meines AuPair-Jahres verbracht habe. Immer mal wieder werden Orte erwähnt oder besucht, die ich kenne und teils ebenfalls schon besucht habe. Dazu zählen beispielsweise Cheltenham, Gloucester ebenso wie London und ein paar seiner Sehenswürdigkeiten. Jedes Mal habe ich praktisch gejauchzt vor Freude, wenn ein Ort vorkam, den ich kannte – und Herzweh bekommen.

Beaton ist es gelungen, das ländliche England wieder vor meinen Augen erstehen zu lassen, inklusiver der Einwohner, die man in all ihren Ausprägungen in Corsley finden kann. Es ist ein tolles Cosy Crime und ich habe es sehr gerne gelesen.

Really, thought Agatha crossly, under the exterior of every effeminate man beats the heart of a real chauvinist pig.
– S. 170

5SterneÜber M. C. Beaton:
Beaton ist eines der Pseudonyme von Marion Chesney. Sie wurde 1936 in Glasgow geboren und arbeitete dort in einem Buchladen, bevor sie über mehrere Stationen zur Daily Express als Chefreporterin des Frauenressorts kam. Nach der Geburt ihres Sohnes und einem Umzug in die USA begann sie historische Romane zu schreiben.
Sie lebt in den Cotswold, wo die Krimis um Agatha Raisin spielen.
Quelle: Wikipedia

Weitere Meinungen zum Buch:

Rezension – Das Geheimnis des weißen Bandes

Das_Geheimnis_des_weißen_BandesDas Geheimnis des weißen Bandes | Anthony Horowitz | Insel Taschenbuch | erschienen 2013
aus dem Englischen: The House of Silk | Übersetzer: Lutz-W. Wolff
ISBN 978-3-458-35915-9 | 9,99€
Trailer

Als ein elegant gekleideter Mann die Baker Street 221b betritt, wissen Sherlock Holmes und Dr. Watson noch nicht, dass dies der möglicherweise gefährlichste Fall ihrer Zusammenarbeit wird. Er hat bei der Zerschlagung einer amerikanischen Verbrecherbande geholfen und glaubt, dass ihn der einzige Überlebende nun in England gefunden hat. Doch auf der Suche nach dem Gangster kommt Holmes einer Verschwörung auf die Spur, die ihn in größte Gefahr bringt.

Ich liebe die Bücher von Anthony Horowitz und ich liebe Sherlock Holmes. Die Wahl, dieses Buch auszuleihen, fiel daher nicht schwer. Nach dem Lesen kann ich sagen: Das Buch ist der Hammer!
Horowitz macht Sir Arthur Conan Doyle alle Ehre und bietet den Lesern die Chance, noch einmal in die Welt von Sherlock Holmes einzutauchen, mit Watson zu rätseln und von Homes beeindruckt zu werden.
Dieser Sherlock steht dem Original in nichts nach, wenn es um die Kunst der Deduktion geht. Wenn man im Prolog schon untertassengroße Augen bekommt, wenn er seine Künste anwendet, dann kann es nur gut werden.
Horowitz gelingt es auch auf verblüffende Weise, das viktorianische London heraufzubeschwören. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast davon ausgehen, dass er es selbst erlebt hat.
Watson schreibt diese Geschichte auf, nachdem Holmes gestorben ist und die Ereignisse bereits einige Zeit zurückliegen. Zum größten Teil merkt man das nicht, aber manchmal katapultiert er den Leser wieder in seine Gegenwart und spielt auf Dinge an, die erst später stattfinden. Dies hat mir einerseits das Gefühl vermittelt, dass man quasi neben Watson an dessen Krankenbett sitzt und von ihm ins Vertrauen gezogen wird, andererseits hat es die Spannung sehr gesteigert. Es lag weniger daran, dass er fiese Cliffhanger eingebaut hat, sondern war eher der Tatsache geschuldet, dass er an diesen Stellen darauf hingewiesen hat, welch ein Skandal dieser Fall war und wie sehr er die Gesellschaft durchdrungen hat. Man hat also fieberhaft darauf gewartet zu erfahren, was diesen Fall ausmacht und wo er hinführt. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen.
Obgleich es Horowitz gelingt, das viktorianische London wieder auferleben zu lassen und Sherlock Holmes noch einmal auferstehen zu lassen, merkt man dennoch stellenweise, dass das Buch nicht von Doyle geschrieben wurde. Meiner Meinung nach war der Fall und der Skandal, der dahinter liegt, um einiges brutaler und erschreckender war, als es in den originalen Büchern der Fall ist. Vielleicht spiegelt sich darin wieder, dass wir heutzutage von Krimis mehr Schrecken erwarten, als es zu Doyles Zeit der Fall war.

Obwohl man unbedingt wissen will, wie dieser Fall endet, will man eigentlich nicht, dass das Buch jemals zu Ende ist. Für mich war es, als hätte ich einen alten Bekannten getroffen, den ich nun nicht mehr verabschieden will. Es war einfach etwas ganz besonderes, nochmal in einen Fall von Holmes und Watson einzutauchen, mit ihnen (oder besser: mit Watson) zu rätseln und letztendlich auch eine stimmige Auflösung unterbreitet zu bekommen.

Kein Land darf seine Rechtsstaatlichkeit um der Zweckdienlichkeit willen opfern.
– Dr. John Watson (S. 349)

goldene_SterneÜber Anthony Horowitz:
Horowitz wurde 1956 in Großbritannien geboren und wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Mit acht Jahren wurde er auf ein Internat geschickt und nahm die dort vorherrschenden schrecklichen Verhältnisse als Vorlage für einige seiner Werke. Dort entschied er auch, dass er Schriftsteller werden wollte. Seit 1979, als sein erstes Buch erschien, ist er als freier Schriftsteller tätig. Er zählt zu den produktivsten britischen Autoren und ist auch als Drehbuchautor für Film, Fernsehen und Theater tätig.
1988 heiratete er seine Frau. Zusammen mit ihr und den zwei gemeinsamen Kindern lebt er in London.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei buecher.de

Rezension – Death in the Tunnel

Death_in_the_TunnelDeath in the Tunnel | Miles Burton | British Library | erstmals erschienen 1936; diese Ausgabe veröffentlicht in 2016
ISBN 978-0-7123-5641-1 | £8.99

Sir Wilfred Saxonby reist alleine in einem abgeschlossenen Abteil und so weist alles auf Selbstmord hin, als Sir Wilfred tot aufgefunden wird, nachdem der Zug einen Tunnel verlassen hat. Doch als Inspector Arnold von Scotland Yard kein Motiv für einen Selbstmord in Erfahrung bringen kann und zudem erfährt, dass der Zug im Tunnel von einem mysteriösen Licht heruntergebremst wurde, regen sich Zweifel in ihm. Doch je mehr Fakten ans Licht kommen, desto verwirrender wird der Fall. Daher bittet Arnold seinen Freund und Hobby-Detektiv Desmond Merrion um Hilfe.

Ich liebe die Krimi-Klassiker, die von der British Library neu aufgelegt wurden. Mal davon abgesehen, dass die Bücher toll in der Hand liegen, sind es auch jedes Mal spannende Krimis, aus der Hochzeit britischen Krimis, in erster Linie aus den 20er und 30er Jahren.
Auch Death in the Tunnel bildet da keine Ausnahme. Dieses Locked-Room-Rätsel stellt nicht nur die Ermittler sondern auch den Leser vor Rätsel. Es braucht zwar die ersten rund 50 Seiten um Fahrt aufzunehmen, aber von da an stellt jede neue Enthüllung ein ganz eigenes Rätsel dar.
Das ist zumindest der Fall, bis Merrion seine Vermutungen anstellt; schon kurz vor Schluss wird dadurch klar, wer verantwortlich ist. Das ist für mich der einzig Kritikpunkt an diesem Cosy Crime: Es wird zu früh klar, wer der Täter ist.
Merrion und Arnold haben mich stellenweise sehr an Hercule Poirot und seinen Inspector Japp erinnert, mit dem Einfallsreichtum des Einen und dem Willen des Anderen, jedwede Lösung anzunehmen – nur, um den Fall abschließen zu können. Auch der Fall an sich und die letztendliche Lösung hätten von der Queen of Crime kommen können. Allerdings ist Merrion um einiges zugänglicher als Poirot und nimmt ausschließlich eine beratende Rolle ein.
Wenn man einmal davon absieht, dass die Lösung des Falles zu schnell klar wird, hat dieses Buch viel Ähnlichkeit mit Büchern über Poirot. Eine Sache macht dieses Buch aber doch besser: in meinen Augen bekommt man einen stärkeren Einblick in die 1930er Jahre, beispielsweise wenn es um technische Dinge geht. Poirot könnte theoretisch auch heute spielen, aber Merrion und Arnold sind ganz eindeutig Kinder ihrer Zeit und könnten niemals in das Heute verwurzelt werden.

Für Liebhaber des Cosy Crime und Fans von Agatha Christie ein tolles Buch, dessen einziger Schwachpunkt die frühe Ahnung über den Verantwortlichen ist.

The problem fascinated him, since every possible solution presented apparently insuperable difficulties.
– Desmond Merrion (S. 68)

4Sterne

Über Miles Burton:
Miles Burton war eines der Pseudonyme des britischen Kriminalschriftstellers Cecil Street. Geboren wurde er um 1884 auf Gibraltar und machte zunächst Karriere in der britischen Armee. Als Schriftsteller betätigte er sich ab 1925.
Besonders bekannt wurden seine Bücher um den Forensiker Dr. Priestley, welche er unter dem Pseudonym John Rhode schrieb.
Street starb 1965.
Quelle: Wikipedia

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Rezension – Das Geheimnis der Signora

Das_Geheimnis_der_SignoraDas Geheimnis der Signora | Marco Vichi | Bastei Entertainment | erscheint am 22.8.2016
aus dem Italienischen: Il Commissario Bordelli
diese Ausgabe ist nur als E-Book verfügbar: ISBN 978-3-7325-3791-4 | 5,99€

Als Commissario Casini mitten in der Nacht einen Anruf bekommt, herrscht in den Straßen von Florenz noch immer eine drückende Hitze – und eine Signora wurde tot in ihrer Villa aufgefunden. Ihren Tod begleiten einige mysteriöse Umstände, sodass Casini zu ermitteln beginnt.

Ich bin ein großer Liebhaber von Cosy Crime-Büchern und nach einem solchen hat sich dieses Buch angehört. Zudem gefallen mir die Bücher mit Commissario Brunetti sehr gut, daher konnte ich der Möglichkeit, einen weiteren italienischen Kommissar für mich zu entdecken, nicht widerstehen.
Mal abgesehen von seiner Liebe zu gutem Essen und gutem Wein unterscheidet sich Commissario Casini zwar grundlegend von Brunetti, sympathisch war er mir dennoch. Er ist ein mürrischer Brummbär, der sehr unter der sommerlichen Hitze leidet und allerlei, für einen Polizisten, merkwürdige Freunde um sich schart und auch mit 53 noch von der großen Liebe träumt. In Sicht ist diese allerdings nicht. Dafür verfügt er über eine Herzensgüte, die er besonders im Umgang mit eben jenen merkwürdigen Freunden unter der Beweis stellt.
Obwohl mir die wichtigste Person also schon einmal sympathisch war, konnte ich mich nicht wirklich für dieses Buch erwärmen. Ein Großteil des Buches dreht sich gar nicht um den Fall, sondern handelt von Casinis Freunden und seiner Zeit als Soldat während des Zweiten Weltkriegs. Obwohl ich dafür grundsätzlich immer offen bin, da ich mich für den Zweiten Weltkrieg interessiere, war es mir doch zu viel. Letztendlich sollte es hier um die ermordete Signora und weniger um Casinis Vergangenheit gehen. Dass noch in jedem zweiten Satz die rekordverdächtige Hitze, die über der Stadt liegt, erwähnt wird, macht die Sache nicht besser.
Außerdem hatte ich oft das Gefühl, dass mir der Autor unbedingt einhämmern wollte, dass Casini eine bestimmte Charaktereigenschaft hat. Dies hatte nichts mehr von Anzeigen und Andeuten, sondern die Subtilität einer Keule, die man über den Kopf gezogen bekommt. So gab es einige Anekdoten, die man meiner Meinung nach gut hätte herauslassen können, um sich stattdessen auf den Fall zu konzentrieren.
Ermittelt wurde auch eher wenig, stattdessen gab es Abendessen mit Freunden und lange Absätze über seine Gedanken, die sich aber in erster Linie um die unmenschliche Hitze drehten. Bei mir hat sich entsprechend wenig Spannung eingestellt.
Sowieso waren die „Ermittlungen“ eher ein Witz, denn von Anfang an beschränken sich die diese auf einen winzig kleinen Personenkreis, auf den die Haushälterin der Signora darauf aufmerksam macht. In andere Richtungen ermitteln, kommt keinem der Beteiligten in den Sinn.

Dieses Buch war mir eindeutig zu cosy. Ermittelt wurde wenig, die meisten Gedanken drehen sich um die Hitze. Positiv bleibt nur der Commissario in Erinnerung, sowie ein Einblick in das Italien der 60er Jahre.

„Wer etwas Schlechtes tut, der tut nicht nur etwas Schlechtes, sondern leitet es auch weiter.“
– Dante Pedretti, (83% Kindle-Edition)

3SterneMehr Informationen, auch zum Kauf, gibt es bei Bastei Entertainment


Vielen Dank an NetGalley und Bastei Entertainment für dieses Rezensionsexemplar!

Peril at End House – Kurz gefasst

Peril_at_End_HousePeril at End House | Agatha Christie | HarperCollins | erstmals erschienen 1932, diese Ausgabe 2007
Taschenbuch: ISBN 978-0-00-711930-1 | £7.99
E-Book: ISBN 978-0-00-742269-2 | £3.70

Nick Buckley was an unusual name for a pretty young woman. But then she had led an unusual life. First, on a treacherous Cornish hillside, the brakes on her car failed. Then, on a coastal path, a falling boulder missed her by inches. Later, an oil painting fell and almost crushed her in bed.
Upon discovering a bullet-hole in Nicks sun hat, Hercule Poirot decides the girl needs his protection. At the same time, he begins to unravel the mystery of a murder that hasnt been committed. Yet.
Quelle: HarperCollins

Vor kurzem habe ich den Beginn der Verfilmung mit David Sachet gesehen – wohl gemerkt nur den Anfang! Ich brauchte dieses Buch also unbedingt, um zu wissen, wie es endet und wer dem armen Mädel etwas antun will.
Außerdem sind die Bücher von Agatha Christie immer lesenswert, ich habe mich also entsprechend auf die Lektüre gefreut.
Auch diesmal hat Christie mich nicht enttäuscht. Das Buch ist nicht besonders lang, daher hatte ich es an einem freien Tag gelesen. Es war spannend zu lesen und wie üblich bin ich genau den Wegen gefolgt, die Christie wollte – und wurde dann von Poirot widerlegt. Das passiert mir jedes Mal, in jedem Buch von Christie, obwohl ich mir jedes Mal vornehme, mich nicht auf die Schippe nehmen zu lassen.
Auch in einem anderen Punkt hat dieses Buch meine Erwartungen erfüllt: das Ende war komplett unvorhersehbar und überraschend. Wieder einmal saß ich am Schluss mit offenem Mund vor dem Buch.

„The murderer has […] signed his name to the crime. He has come out into the open.“
– Hercule Poirot (S. 116)

5SterneÜber Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford. Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Das E-Book kann man bei buchhandel.de oder buecher.de kaufen.

Death on the Nile

Quelle: HarperCollins
Quelle: HarperCollins

Death on the Nile | Agatha Christie | HarperCollins | erstmals erschienen 1937
Taschenbuch: ISBN 9780007527557 | £7.99
E-Book: ISBN 9780007422289 | £4.99
Leseprobe (englisch)

Die Ruhe, die sich Hercule Poirot von seinem Urlaub in Ägypten und der Nil-Fahrt erhofft hat, wird unterbrochen, als die Millionenerbin Linnet Doyle erschossen aufgefunden wird. Verdächtige ergeben sich für Poirot und seinen Helfer vom Geheimdienst, Colonel Race, genügend – und das Morden hat noch kein Ende …

Obwohl dieses Buch zu den dickeren Büchern über Poirot zählt, hatte ich keine Probleme damit, es zu lesen. Es war wirklich spannend zu erfahren, wie sich dieser Krimi entwickelt. Das beginnt schon auf der ersten Seite damit, dass sich ein echtes Beziehungsdrama vor dem Leser entwickelt und man nun darauf wartet, wer denn ermordet wird.
Auch die Emotionen und Charakterzüge der einzelnen Personen sind wieder so detailgenau dargestellt, dass man diese beim Lesen direkt vor sich sehen kann.
Und auch in diesem Buch schafft es Agatha Christie wieder den Leser an der Nase herumzuführen, sodass man meint, man hat jetzt den Durchblick und weiß genau, wer der Täter ist – und dann haut Poirot (bzw. Christie) eine Aufklärung heraus, bei der man mit offenem Mund vor dem Buch sitzt. Gemein ist dann auch immer, dass sie nach der Aufklärung der Identität des Mörders/der Mörderin erstmal ein neues Kapitel beginnt und die Handlung wieder ein bisschen heruntergekühlt. Ich saß auf wie auf glühenden Kohlen, denn vorblättern geht auch nicht – man will ja nichts verpassen!
Was mir allerdings in diesem Buch zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist und ein bisschen irritiert hat, ist, dass Poirots Fälle sich gerne in einer mehr oder weniger abgeriegelten Umgebung abspielen. Die Zahl der möglichen Täter ist von Anfang an auf einen (meist kleinen) Kreis Personen beschränkt. Das einzige Buch, das ich bisher gelesen habe und bei dem das nicht der Fall ist, ist The ABC Murders.
An und für sich muss man allerdings auch bei diesem Buch sagen: Spannung und Überraschung bis zur letzten Seite – ein echter Pageturner!

„Marriage will cure me, I expect. It always seems to have a very sobering effect on people.“
– Jacqueline de Bellefort (S. 15)

5Sterne

Über Agatha Christie:
Agatha Christie wurde 1890 im britischen Torquay geboren und starb 1976 in Wallingford. Sie ist weltweit als die Queen of Crime bekannt und wird in den Verkaufszahlen ihrer Bücher nur von der Bibel und Shakespeare übertrumpft. Insgesamt schrieb Christie mehr als 60 Kriminalromane; daneben sind aber auch einige Kurzgeschichten und Bühnenstücke entstanden. Ihre berühmtesten Figuren sind Hercule Poirot und Miss Marple.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei bücher.de
Mehr Informationen gibt es auf der Seite von HarperCollins

Venezianisches Finale

Venezianisches_FinaleVenezianisches Finale | Donna Leon | Diogenes | erschienen 1992
aus dem Amerikanischen: Death at La Fenice | Übersetzerin: Monika Elwenspoek
Taschenbuch: ISBN 978-3-257-22780-2 | €12,-
E-Book: ISBN 978-3-257-60060-5 | €9,99

Kurz vor Beginn des letzten Aktes der Traviata wird der Stardirigent Helmut Wellauer tot in seiner Garderobe gefunden. Dort richt es nach Bittermandel und bald steht fest, dass er mit Zyankali vergiftet wurde. Für Commissario Brunetti ist es ein schwieriger Fall, des es ergeben sich immer mehr Verdächtige – und gleichzeitig hat sich die Presse auf den Fall eingeschossen.

Nachdem ich schon den ein oder anderen Fall mit Brunetti gelesen habe, dachte ich, dass es an der Zeit wäre, einmal den ersten Fall zu lesen.
Aus den vorherigen Büchern war ich gewohnt, dass es mir beim Aufschlagen des Buches immer so vorkam, als ob ich mich in einen gemütlichen Sessel setze und vergnügliche Stunden mit einem guten Freund verbringe. Über Brunetti zu lesen hat immer etwas heimeliges. Die Krimis sind nicht besonders spannend, aber doch genau das richtige für laue Sommerabende, vielleicht einem Wein und Knabbereien.
Gut hat mir gefallen, dass man zwar einerseits in ein Netzwerk geschmissen wird, dass bereits um Brunetti besteht – die Ehe zu Paola, die beiden Kinder, auch den Vice-Questore Patta gibt es schon. Aber es wird doch mehr auf die einzelnen Personen eingegangen, mehr erklärt. Es hat zwar grundsätzlich kein anderes Licht auf die jeweilige Person geworfen, aber erhellend fand ich es trotzdem. Besonders nett fand ich in dem Zusammenhang einen Einblick in die Anfänge der Beziehung zwischen Guido und Paola.
Auch die Tatsache, dass dieser Fall ebenfalls in Italiens Vergangenheit führt, hat mir gut gefallen. Für mich macht es einen Reiz der Bücher aus, dass man einen Blick in Italiens Vergangenheit werfen kann und gleichzeitig einen schönen Einblick in die Gegenwart des Landes und seine Probleme bekommt.
Meine Befürchtung, dass man am Schreibstil und dem Aufbau der Geschichte merken könnte, dass es sich hier um den ersten Teil handelt, hat sich nicht bewahrheitet. Tatsächlich unterscheidet er sich, abgesehen von den ausführlicheren Beschreibungen der Personen, in meinen Augen nicht von anderen Brunetti-Büchern, die ich bisher gelesen habe.
Als sehr schön habe ich auch in diesem Band wieder die Beziehung zwischen Guido und Paola empfunden. Diese nimmt nie zu viel Raum ein, sondern trägt noch mehr zu der Person Brunetti bei und macht ihn um einiges sympathischer und realistischer.
Irritiert hat mich nur eine Sache: dass Brunettis Kinder in diesem Buch bereits im Teenager-Alter sind. Denn das hat sich in neueren Büchern kaum geändert und dass, obwohl dieser Band vor über 20 Jahren erschien.

5Sterne

Über Donna Leon:
Leon wurde 1942 in New Jersey, USA, geboren. Sie studierte dort, in Perugia und Siena. Ab 1965 lebte sie im Ausland und war unter anderem als Reiseleiterin in Rom und Lehrerin, beispielsweise im Iran und in China, tätig. 1992 erschien ihr erster Kriminalroman, ein Jahr später auch in der deutschen Übersetzung,Venezianisches Finale, mit Commissario Brunetti. Seitdem erschien jedes Jahr ein Krimi um Brunetti, die in Deutschland bei Erscheinen jedes Mal die Bestsellerlisten anführen, sie weltweit bekannt machten und bisher in 35 Sprachen übersetzt wurden.
Seit 1981 lebt Donna Leon in Venedig, wo ihre Krimis spielen.
Quelle: Wikipedia

Kaufen kann man das Buch beispielsweise bei buchhandel.de
Mehr Informationen gibt es auf der Seite des Diogenes Verlag