Rezension – In den Wäldern der Biber

Als Alinas Leben in Frankfurt/Main aus den Gleisen gerät, zieht sie kurzerhand auf unbestimmte Zeit zu ihrem Großvater. Zu ihm hatte sie seit ihrer Kindheit keinen Kontakt mehr. Ihr Großvater stellt nicht viele Fragen, als er sie einziehen lässt. Stattdessen nimmt er seine Enkelin mit in die Wälder rund um das Haus, wo er im Bieberschutz beschäftigt ist. Und je länger Alina da ist, desto mehr Erinnerungen an ihre Schulferien bei den Großeltern kommen wieder auf. Zudem nimmt sie sich des baufälligen Hauses an und macht sich, unterstützt von alten und neuen Freund*innen, eingehend Gedanken darüber, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte.

Vielen Dank an NetGalley.de und den DuMont-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Von diesem Buch wird mir bestimmt vor allem der Schreibstil in Erinnerung bleiben. Ich finde es immer ein bisschen merkwürdig, den Schreibstil als „filigran“ oder „wagemutig“ zu beschreiben. Aber bei In den Wäldern der Bieber ist das erste Adjektiv, das mir dazu einfällt „zart“. Die Art, wie Franziska Fischer schreibt, vermittelte eindrucksvoll die Gemütslage von Alina. Dass sie gerade nicht so richtig weiß, was sie tun soll, tun will. Und gleichzeitig versucht, mit ihrer komplizierten Familiengeschichte ins Reine zu kommen.

Total gut gefallen hat mir auch, dass das Thema Kinderwunsch eingehend betrachtet wird. Auf ganz kleinem Raum, denn das Buch ist für meine Verhältnisse nicht besonders lang, werden die unterschiedlichsten Ansichten zur Frage „Kinder oder keine Kinder?“ dargestellt. Und das nicht nur realistisch, sondern auch noch ohne das Herabwürdigen der einen oder anderen Ansicht. Für unterschiedliche Menschen gibt es nun mal unterschiedliche richtige Antworten auf die Frage.

In den Wäldern der Bieber ist kein besonders aufgeregtes Buch. Aber ein so unglaublich lebensnahes, das man meinen könnte, die Autorin kennt Alina persönlich und hat sie einige Monate lang 24/7 begleitet und beobachtet. Es setzt sich mit Themen auseinander, die wohl jede*n irgendwann beschäftigen. Ich fand auch, dass ein sehr erwachsenes Buch ist, vor allem, weil die Protagonist*innen sich tatsächlich miteinander unterhalten. Alina hat gelernt, dass die eigenen Wünsche und Vorstellungen gegenüber einem*r Partner*in kommuniziert werden müssen. Das setzt sie um und vor dem Hintergrund zu vieler Liebesromane, die nur Spannung beinhalten, weil die Paare aneinander vorbeirede, war das für mich sehr erfrischend.

Mir hat In den Wäldern der Bieber sehr gut gefallen. Es ist ein schöner Roman über die Weichenstellung für’s Leben mit Ende 20/Anfang 30 und über die wichtigen Fragen zu der Zeit: Kinder, Job, Haus, Partner*in, Familie.

Es gibt Momente, die sich in die Ewigkeit erstrecken. Die schon Erinnerungen sind, während man sie lebt, weil man spürt, wie sie an einem Tag in der fernen Zukunft zupfen, einem Tag, an dem man an diesen Moment zurückdenkt.

S. 170 (tolino)

Bewertung: 5 von 5.

Über Franziska Fischer:
Fischer wurde 1983 in Berlin geboren. Sie verbrachte einige Zeit im Ausland, bevor sie Germanistik und Spanische Philologie in Potsdam studierte. Heute arbeitet sie als freiberufliche Autorin und Lektorin.
Quelle: DuMont

WERBUNG

Hardcover: ISBN 978-3-8321-6592-5 | 20,00 €
eBook: ISBN 978-3-8321-7128-5 | 14,99 €
320 Seiten | erschienen 2022

Verlagswebseite zum Buch


Bildquellen
Cover: DuMont
Autorin: DuMont

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