Rezension – The Maid: Ein Zimmermädchen ermittelt

Molly Gray liebt ihren Job als Zimmermädchen in einem angesehenen Hotel. Andere Menschen sind für sie verwirrend, aber wenn sie die Hotelzimmer in einen makellosen Zustand versetzt, ist sie zufrieden. Doch eines Tages findet sie in einem der Zimmer den rücksichtslosen und sehr reichen Mr Black – tot. Schnell wird Molly aufgrund ihres Verhaltens, das nicht neurotypisch ist, zur Hauptverdächtigen der Polizei. Doch mit der Hilfe guter Freunde aus dem Hotel macht sie sich daran, den wahren Schuldigen zu finden.

CW für das Buch am Ende des Beitrags

Vielen Dank an den Droemer Knaur-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Dieses Buch hatte so gut angefangen! Schnell fühlt man mit Molly mit, deren Oma sie aufgezogen hat und kurz vor den Ereignissen um Mr Blacks Tod verstorben ist. Zudem wird aus den Beschreibungen ihres Lebens schnell klar, dass sie Probleme damit hat, subtile Aussagen oder Ironie zu erkennen. Auch merkt sie nicht sofort, wenn die anderen Charaktere im Buch sie ausnutzen. Als Leser*in wird dies aber doch recht schnell klar und so möchte man am liebsten in das Buch hineingreifen, Molly umarmen und ihr sagen, was gerade passiert.

Molly ist ein sympathischer Mensch und versucht, nach dem Tod ihrer Großmutter ihr Leben neu aufzubauen, ohne die Stütze und Geborgenheit, die ihre Oma bot. Und ich wollte am liebsten schreien, als diese „so offensichtlich unschuldige“ Person zur Hauptverdächtigen in einem Mordfall erklärt wird. Nita Prose hat also eigentlich alles richtig gemacht, um ihre Leserschaft so richtig in den Bann zu ziehen und bei Mollys Geschichte mitfühlen zu lassen.

Und dann kam die Auflösung. Die möchte ich hier natürlich nicht vorweg nehmen – wenn sie euch interessiert, müsst ihr das Buch schon selbst lesen. Ich kann euch aber sagen, dass mich das Ende in dreierlei Hinsicht enttäuschte. Einerseits finde ich es sehr unwahrscheinlich, dass eine Gruppe Hobbydetektiv*innen einen Plan ausheckt, den die Polizei ernst genug nimmt, um sich darauf einzulassen und dieser Plan, den ich eher abwegig fand, auch noch zum Erfolg führt. Zudem wurde mir nie so ganz klar, warum dieser Plan, der eigentlich nur ein Verbrechen, das nicht der Mord an Mr Black ist, aufdeckt auch zur Lösung des Mordfalls führt.

Das größte Problem war für mich aber, dass ich das Ende weder mit meinem noch mit Mollys Gerechtigkeitssinn vereinbaren konnte. Über 350 Seiten wird den Leser*innen permanent erzählt, wie wichtig Ordnung, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit für Molly sind. Und dann kommt eine Auflösung, die keinem dieser Ansprüche gerecht wird.

Und damit hatte Nita Prose mir innerhalb weniger Seiten ein Buch madig gemacht, dass mich bis dahin wirklich überzeugen konnte.

Ich bin Ihr Zimmermädchen. Ich weiß so viel über Sie. Aber wenn es darauf ankommt: Was wissen Sie schon über mich?

S. 7

Bewertung: 2 von 5.

Über Nita Prose:
Prose arbeitet als Cheflektorin beim kanadischen Simon & Schuster. The Maid ist ihr erster eigener Roman. Sie lebt in Toronto.
Quelle: Droemer Knaur

WERBUNG

Originaltitel: The Maid | Übersetzerin: Alice Jakubeit
Hardcover: ISBN 978-3-426-28384-4 | 16,00 €
eBook: ISBN 978-3-426-46172-3 | 12,99 €
368 Seiten | erschienen 2022

Verlagswebseite zum Buch

Website von Nita Prose


Bildquellen
Cover: Droemer Knaur
Autorin: Droemer Knaur (© Dahlia Katz)

CW für das Buch: Mobbing, häusliche Gewalt, Sterbehilfe

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