Rezension – Kissing Chloe Brown

Nachdem Chloe beinahe von einem Auto überfahren wurde, beschließt sie, ihr Leben umzustellen. Sie hat die Nase voll davon, sich von ihrer chronischen Krankheit dominieren zu lassen. Um ihr Ziel zu erreichen, ein aufregenderes Leben zu führen, erstellt Chloe eine Liste mit Dingen, die sie tun will. Doch es ist ganz schön schwer, über den eigenen Schatten zu springen. Daher bittet Chloe ihren neuen Nachbarn Red um Hilfe. Red ist tätowiert, gut aussehend und hat unglaublich viel Sexappeal. Je besser sie ihren Nachbarn kennenlernt, desto mehr verliebt sie sich in ihn. Doch wie viel Risiko ist sie tatsächlich bereit, einzugehen?

Vielen Dank an NetGalley.de und Forever by Ullstein für dieses Rezensionsexemplar!

Es sagt schon einiges über den Literaturbetrieb aus, wenn ich sage, dass mir als erstes an diesem Buch die Schwarze Frau auf dem Cover aufgefallen ist. Eine Schwarze Person (oder auch eine PoC) auf einem Buchcover ist so selten, dass es wirklich heraussticht. Ein absoluter Pluspunkt für mich, als ich mich über das Buch informierte, war, dass es own voice bezüglich zweier Dinge ist: wie Chloe ist die Autorin Talia Hibbert Schwarz und wie Chloe leidet sie unter chronischen Schmerzen.

Tatsächlich gibt es für mich bei Kissing Chloe Brown nur einen Kritikpunkt: der Schreibstil. Zum größten Teil war das Buch witzig und schlagfertig geschrieben. Stellenweise war es aber ein bisschen holprig zu lesen und ich hatte das Gefühl, dass da vielleicht etwas lost in translation ging.

Davon einmal abgesehen, liebe ich dieses Buch! Ich habe selber keine chronische Erkrankung und kenne auch niemanden mit einer solchen. Für mich war es daher interessant, darüber zu lesen und einen Einblick zu bekommen, wie anstrengend das Leben damit ist.
Gut beschrieben fand ich die Mechanismen, die Chloe entwickelt hat, um zu verhindern, dass sie von anderen Menschen und deren Umgang mit ihrer Krankheit nicht verletzt wird. Bei Chloe manifestiert sich das vor allem in der (Selbst-)Ironie, die sie richtiggehend austeilt.
Ein weiteres wichtiges Thema, das dieses Buch anspricht, ist ein Mann als Opfer einer missbräuchlichen Beziehung. Wenn man über missbräuchliche Beziehungen bespricht, sind noch immer fast ausschließlich die Frauen die Opfer. Hier ist das anders und es zeigt sich auch im Buch, dass Red weiterhin mit den Folgen dieser Beziehung zu kämpfen hat.

Gut fand ich auch, wie Chloe und Red miteinander umgehen. Während sie sich besser kennenlernen, merken sie auch beide, dass sie etwas verarbeiten, das sie erlebt haben. Wenn Erinnerungen daran hervorgerufen werden, geht die andere Person damit rücksichts- und verständnisvoll um.
Und die Sexszenen! Steamy and well-written fasst die sehr gut zusammen.

Kissing Chloe Brown ist ein wirklich gutes Buch, das ich schon allein wegen Chloe empfehlen würde. Nicht nur, dass sie sehr sympathisch und schlagfertig ist. Mit ihrer chronischen Krankheit bietet dieses Buch die Möglichkeit, marginalisierte Stimmen zu hören,
Hibbert hat in einem Interview gesagt, dass sie sich in ihren Büchern mit der Frage auseinandersetzt, welche Menschen ein Happy End „verdienen“. Und sind wir einmal ehrlich: wenn es nach den Liebesromanen geht, die bisher Bestseller wurden, sind das weiße, heterosexuelle, able-bodied cis Menschen.

Bewertung: 4 von 5.

Weitere Meinungen zum Buch:
Romance Reader (5 Sterne; „if you haven’t, it’s a must read!“)
She’s Full of Lit (4/5; „A steamy romance combined with a surprisingly touching love story“)
Feder und Eselsohr (3 Sterne; „[in der zweiten Hälfte] konnte ich wirklich mitfühlen und es gab sehr emotionale Szenen“)

Bücher der Reihe:
1. Kissing Chloe Brown
2. Take a Hint, Dani Brown (bisher kein deutscher Titel)


Über Talia Hibbert:
Hibbert ist eine britische Autorin. Sie nutzte eine Erbschaft, um ihre Karierte als Autorin zu finanzieren. 2017 begann sie, ihre Blücher im Wege des Selfpublishing zu veröffentlichen. Ihre ersten neun Bücher erschienen innerhalb nur eines Jahres.
Hibbert litt einen Großteil ihres Lebens an nicht diagnostizierter Fibromyalgie. Diese verursacht chronische Schmerzen.
In ihren Büchern greift Hibbert Themen auf, die auch in ihrem Leben eine Rolle spielen.
Quelle: Wikipedia

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Originaltitel: Get a Life, Chloe Brown! | Übersetzerin: Christiane Bowien-Böll
Taschenbuch: ISBN 978-3-54806-2-846 | 12,99 €
E-Book: ISBN 978-3-95818-5-135 | 4,99 €
400 Seiten | erschienen 2020

Verlagswebseite zum Buch

Website von Talia Hibbert

Interview mit Talia Hibbert über own voices, Repräsentation marginalisierter Stimmen und chronische Schmerzen in Entertainment Weekly (englisch)

Bildquellen
Cover: Ullstein
Autorin: Website von Talia Hibbert

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