Hédi Fried – Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich ein Buch über den Holocaust gelesen habe. Aber mit der aktuellen politischen Entwicklung nicht nur in Deutschland, hat das Thema Zweiter Weltkrieg, sondern besonders der Holocaust eine ganz andere Bedeutung. Die Zeitzeugen versterben langsam und diejenigen, die den Holocaust leugnen werden mehr und lauter. Umso wichtiger, Bücher wie dieses zu lesen.

Vielen Dank an NetGalley.de und den DuMont-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Wenn niemand vom Holocaust erzählt, dann wird er vergessen werden, und was vergessen wird, kann sich leicht wiederholen.

S. 86

Fried hat den Holocaust als junge Frau überlebt, war u.a. in Auschwitz und Bergen-Belsen und leistet seit vielen Jahren Aufklärungsarbeit an Schulen. Von dort stammen auch die Fragen, die sie in diesem Buch gesammelt und beantwortet hat. Die Fragen sind wirklich sehr unterschiedlich: es geht (natürlich) um die Zeit in den Konzentrationslagern, aber auch um das Leben als Jüdin vor dem Krieg und vor den Lagern, um das Leben nach dem Krieg, Trauma und viel um Gefühle. Ich kann mir vorstellen, dass einige Fragen dabei waren, die sich ein Erwachsener möglicherweise nicht getraut hätte, zu fragen. Erstaunt war ich zum Beispiel von: „Was war am besten?“

Es ist ja auch gar nicht so leicht zu sterben. Es kann schwer sein zu leben, aber das Leben ist alles, was wir kennen, und wir klammern uns bis zuletzt daran.

S. 43

Ich fand, man hat oft gemerkt, dass Hédi Fried sich sprachlich an Kinder und Jugendliche angepasst hat und Erklärungen entsprechend verständlich hält. Dennoch war es sehr eindrucksvoll zu lesen. Mir sind teilweise die Tränen in die Augen gesprungen, ich hatte oft schreien können über erfahrene und beschriebene Misshandlungen. Ich habe so viele Textstellen markiert, weil sie unglaublich wichtige Aussagen enthalten oder zum Nachdenken anregen.

Jakob fragt Daniel: ‚Wer hat den Krieg angefangen?‘, und Daniel antwortet: ‚Die Juden und die Fahrradfahrer.‘ – ‚Warum die Fahrradfahrer?‘, fragt Jakob. ‚Warum die Juden?‘, erwidert Daniel.

Während des Kriegs erzählter Witz (S. 17)

Wenn ich die oben gestellte Frage („Was war am besten?“) auf dieses Buch anwende, würde ich sagen, wie Fried es schafft, den Holocaust und die Lehren, die wir daraus ziehen müssen, mit der Gegenwart zu verbinden. Sie zeigt, dass es an uns allen liegt, zu verhindern, dass es zu weiteren Völkermorden kommt. Und sie zieht Parallelen zwischen der Zeit und politischen Situation vor 1933, die Hitler zum Aufstieg verhalf, und der Gegenwart. Wo wir in Deutschland gerade mit der AfD ganz sehen können, wie man es zur Weimarer Zeit mit der NSDAP sehen konnte.

Weder die Rolle des Täters noch die des passiven Zuschauers [ist] uns vorherbestimmt. Wir als Individuen haben einen eigenen Willen und eine Verantwortung, und nur indem wir diese Verantwortung übernehmen, können wir vermeiden, dass die Geschichte sich wiederholt.

S. 11

Über Hédi Fried:
Fried wurde im Juni 1924 in Sighet in Rumänien, das aber ab 1940 zu Ungarn gehörte. 1944 musste Fried mit ihrer Familie in das jüdische Ghetto umsiedeln, von wo aus sie im Mai desselben Jahres ins KZ Auschwitz deportiert wurden. Ihre Eltern starben dort, sie und ihre Schwester Livi kamen von Auschwitz über mehrere Außenlager ins KZ Bergen-Belsen, wo sie 1945 von britischen Solfaten befreit wurden.
Dank des Roten Kreuzes kamen die Schwestern nach Schweden, wo Hédi Fried Psychologie studiert. Seit vielen Jahren hält sie u.a. Vorträge an Schulen und engagiert sich in der Aufklärungsarbeit zum Holocaust. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und hat mehrere Bücher geschrieben.
Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung & Wikipedia


Originaltitel: Frågor jag fått om Förintelsen | Übersetzerin: Susanne Dahmann
Hardcover: ISBN 978-3-8321-8392-9 | 18,00€
E-Book: ISBN 978-3-8321-8481-0 | 14,99€
160 Seiten | erschienen 2019

Verlagswebseite zum Buch

Wikipedia-Artikel über Hédi Fried

Bildquellen
Autorin: DuMont
Cover: DuMont

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