Rezension – Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit

Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit ist eine Romanbiografie über den Schriftsteller Michael Ende. Darin wird das Kennenlernen seiner Eltern Luise und Edgar beschrieben, das Leben der Familie während und nach der Nazi-Zeit, der Beginn von Michaels Karriere als Schriftsteller sowie alles, was danach kam. Der Fokus liegt darauf, wie es zu einigen der bekanntesten Geschichten von Michael Ende kam: Die unendliche Geschichte und Momo. Dabei spielt aber auch sein privates Leben eine Rolle, besonders das Verhältnis zu seinen Eltern sowie die Ehen mit Ingeborg Hoffmann und Mariko Satō.

Vielen Dank an NetGalley.de und den Eisele-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Ich will direkt mal damit anfangen, dass für mich nicht Michale Ende das Verlockende an diesem Buch war, sondern die Tatsache dass es sich um eine Romanbiografie handelt. Die liebe ich einfach und ich mag es sehr, auf diesem Wege Menschen ganz neu oder überhaupt erst kennenzulernen.

Das erste Mal in Berührung gekommen bin ich mit einer Geschichte von Michael Ende nicht als Buch, sondern im Fernsehen: Momo als Zeichentrickserie auf KiKA. Ich habe grad beim Googeln festgestellt, dass die erste Episode 2003 ausgestrahlt wurde. Wir (also meine Schwestern und ich) dürften nicht lange danach angefangen haben, die Serie hin und wieder zu sehen und ich weiß vor allem, dass ich die grauen Herren sehr verstörend fand. Das erste „Zusammentreffen“ mit Michael Ende war also kein positives.
Auch als ich einige Jahre später Die unendliche Geschichte als Buch geschenkt bekam, änderte sich daran nicht, denn die Geschichte sagte mir nicht zu.
Ein bisschen hoffte ich, durch Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit Zugang zu Endes Büchern zu finden.

Kleiner Spoiler: das war nicht der Fall. Normalerweise fange ich bei Romanbiografien irgendwann an, mit der Person zu sympathisieren, mit ihr mitzufühlen und „verliebe“ mich quasi ein kleines bisschen in sie und ihr Werk. Doch hier passierte das nicht. Auf mich wirkte der berühmte Autor vor allem sehr egoistisch. Vielleicht muss man das als Künstler sein und es wird auch deutlich, wie sehr er seine beiden Ehefrauen liebt. Dennoch fand ich es oft nahezu unerträglich, dass er genau merkt, wie schlecht er seine erste Frau, Ingeborg Hoffmann, teilweise behandelt (nicht körperlich, aber durch Nachlässigkeit und Betrug) und doch nichts an seinem Verhalten ändert.

Was den Schreibstil angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits war ich beeindruckt, wie gut die unterschiedlichen „Stimmen“ der Personen im Buch geschrieben sind und dass allein durch den Stil für mich deutlich wurde, wenn sich die Perspektive änderte. So ist das kindliche Denken Michaels gut von dem des jungen Mannes und das wiederum von dem des Mannes im mittleren Alter zu unterscheiden. Ingeborg Hoffmanns Perspektive ist eine Mischung aus Anspannung und nach außen verkörperter Gleichgültigkeit. Luise, Michaels Mutter, fließt über vor Liebe zu und Sorge um ihren Sohn.
Andererseits gab es Passagen im Buch, die mich gelangweilt haben. Wo Dinge in die Länge gezogen wurden und ich mich richtiggehen zwingen musste, das Buch weiterzulesen.

Ich kann nicht beurteilen, ob dieses Buch den Fans von Michael Endes Büchern gefallen würde. Ich kann aber sagen, dass es für mich als Fan von Romanbiografien nicht das Richtige war. Michael Ende wurde mir unsympathisch und es hat dafür gesorgt, dass ich noch viel weniger gewillt bin, seine Bücher zu lesen.

„Wenn man alles, was man nicht kennt, verurteilt, ohne es sich anzusehen, stirbt man dumm, weil man vom Leben nichts lernt.“

Luise Bartholomä (S. 21)

Bewertung: 2/5 Sterne


Weitere Meinungen zum Buch:
Bellas Wonderworld (5/5 Grinsekatzen; „Dieser poetische Roman umgarnt einen von der ersten bis zur letzten Seite.“)
Schreiblust Leselust („Dieses außergewöhnliche Leseerlebnis kann ich jeder Leserin und jedem Leser nur wärmstens empfehlen.“)
Litla Gletta („Fans von Büchern über Autoren und Literatur, sowie allen Lesern, die Michael Endes Bücher mögen empfehle ich das Buch uneingeschränkt“)

Über Charlotte Roth:
Charlotte Roth wurde 1965 in Berlin geboren. Sie studierte Literatuwissenschaft, Latein und Anglistik in Berlin, London und Neapel und arbeitet seit über zehn Jahren als freiberufliche Autorin. Ihr Debütroman, veröffentlicht 2014, basierte auf einem Teil ihrer Familiengeschichte. Dem folgten noch zahlreiche weitere Bestseller.
Zusammen mit ihrem Mann, Kindern und Enkeln lebt sie in London.
Quellen: Ullstein & LovelyBooks


WERBUNG

Hardcover: ISBN 978-3-9616-1069-3 | 24,00€
eBook: ISBN 978-3-9616-1076-1 | 19,99€
342 Seiten | erschienen 2019

Verlagswebseite zum Buch

Bildquellen
Autorin: LovelyBooks
Cover: Ullstein

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